Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 12 (24.3.1874)
- Date
- 1874-03-24
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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werden, daß ein dringendes und gerechtfertigtes Verlangen nach Abhülfe vorhanden ist. — Wollte man aber die Befriedigung dieses Verlangens auf die reichen Unterstützungsmittel unserer Universität verweisen, so stellen sich hier leider unübersteigbare Schranken in den Statuten der einzelnen Legate und Stiftungen entgegen,! die entstanden in jenen Zeiten, wo selbst wohlthätige Seelen sich von den Schlingen des Vorurtheils und der Intoleranz nicht befreien konnten, die Söhne unseres Glaubens von den Wohlthaten ausschließen. Auch für die Zukunft ist an eine etwaige Aenderung dieser Paragraphen nicht zu denken, denn sie sind wie für ewige Zeiten gegeben und trotz des besten Willens und der humansten Gesinnung kann es den maßgebenden Leitern unserer Hochschule nie gelingen, diesen durch Gesetz und Recht fixirten Charakter der Stiftungen zu ändern. Andererseits aber ist die hiesige israelitische Gemeinde selbst mit Einschluß sonstiger mildthätiger Institute trotz ihres vielbewährten Wohlthätigkeitssinns nicht im Stande, den an sie1 gestellten Ansprüchen in annähernd ausreichender Weise zu! genügen, da sie nicht nur den Bedürftigen der Universität, sondern auch denen anderer hier befindlicher Lehranstalten ihre Hülfe zu gewähren hat. — Darum bedurfte es nur einer leisen Anregung, um uns Studirende selbst die Initiative nach dieser Richtung hin ergreifen zu lassen, und eine solche Aufforderung mußte um so mehr in unseren Herzen Wiederklang finden, wenn anders eine Spur jener mildthätigen Gesinnung in uns lebt, die wir in unserem Elternhause und in dem Wirken unserer heimathlichen Gemeinden segensreich sich entfalten und bethätigen sahen. Getragen also von dem Bewußtsein im Geiste unserer Väter zu handeln, haben wir unter dem Namen aca de mischisraelitischerUnterstützungsverein ״Humanitas" einen Verein ins Leben gerufen und als seinen ersten und Hauptsächlichsten Zweck die Unterstützung bedürftiger Commilitonen hingestellt. Dabei mußte uns der Gedanke nahe liegen, den Verein zugleich zu einem wissenschaftlichen und geselligen Sammelpunkt der israelitischen Studirenden zu machen, der umso anregender wirken kann, da schon jetzt nicht nur Deutschland, sondern auch Oesterreich, Ungam, Rußland, Rumänien und andere Länder ihre Vertreter in ihm haben. — Das ist unser Verein, das sind seine Zwecke; doch während noch die Freude in uns rege ist, durch ihn ein Zeugniß der Zusammengehörigkeit unseres Stammes gegeben zu haben, können wir uns nicht dem ernsten Bewußtsein von der Schwierigkeit unserer Aufgabe verschließen. Wie sollen wir mit unseren schwachen Kräften andere nachhaltig unterstützen, wir, ein kleines Häuflein, ausgesetzt durch die Lage der Dinge allen Schwankungen des ab- und zuströmenden Studentenlebens! Darum trat die Erwägung an uns heran, uns für den Verein an die oft erprobte Mildthätigkeit der Gemeinden, so wie einzelner Privatpersonen zu wenden. Sie Alle senden ja insgesammt jetzt oder später nach Maßgabe der Verhältnisse aus Ihrer Mitte manchen Bedürftigen an unsere Hochschule! Was Sie diesen Ihren Söhnen, was Sie den Jüngern der Wissenschaft thun, thun Sie Sich selbst, thun Sie dem Judenthum denn gerade die der Wissenschaft Obliegenden kann man wohl mit Recht als die wirksamsten Pioniere einer durchgreifenden Emancipation bezeichnen! Unsere Bitte an Sie geht demnach dahin, in gerechter Würdigung unserer Ziele uns mit Beiträgen gütigst unterstützen zu wollen, und überlassen wir es Ihrem geneigten Er- , messen, zur Bildung eines Fonds entweder einmalige, oder was der Sache vielleicht förderlicher wäre, Semestral- resp. Jahresbeiträge bewilligen zu wollen. Die hiesige israelitische Gemeinde war so freundlich die Verwaltung der Casse zuzusagen und bitten wir deshalb Zusendungen nur an Herrn Stadtrath Moritz Kohner, Vorsteher der Gemeinde und Präsidenten des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, richten zu wollen. Indem wir im Voraus unfern wärmsten Dank für jede Gabe aussprechen, dürfen wir wohl die feste Versicherung geben, daß die Gelder ihrer Bestimmung gemäß nach bestem Wissen und Gewissen werden verwendet werden, und erlauben wir uns hierbei auf den beiliegenden Auszug aus den Statuten und das Reglement der Unterstützungscasse zu verweisen." $28 fräfidium des acadcmifdi-israefiiifdien Unter^ühungsvereins ״SllMllNltas" zu Leipzig. Jsac Silbergleit, stuck, zur. Vorsitzender. (Aus Gleiwitz in Schlesien.) Richard Herrnberg, stuck, zur. 6t eam. Schriftführer und stellvertret. Vorsitzender. (Aus Allenstein in Ostpreußen.) Adolf Roth, stuck, zur. 6t eam. Caffenwart. (Aus Almas Bacs. Com. in Ungarn.) Kerkia, 8. März. Ein schönes erhebendes Fest, wie es vielleicht selten stattsindet, hatten wir Sonnabend den 7. 6. Gelegenheit zu beobachten. Bekanntlich besteht hier ein ״Hilfsverein für jüdische Studirende." Im März jedes Jahres ist Generalversammlung 'und Wahl neuer Vorstandsmitglieder; daran schließt sich ein Festessen. Der großartige Saal der ״Gesellschaft der Freunde" war diesmal ganz voll von Festtheilnehmern. Die Elite der hiesigen jüdischen Bevölkerung war vertreten, wie überhaupt dieser Verein, der dem deutschen Judenthume zur Zierde gereicht, nicht nur die erenre der hiesigen haute finanee, sondern auch große Capacitäten auf allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst in sich vereinigt. Außerdem gibt es keine bedeutende Stadt in Deutschland, die nicht einige