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Jüdische Volkszeitung · 1874-03-24 · 12 (24.3.1874) · p. Seite 90

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
12 (24.3.1874)
Date
1874-03-24
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 & f. U dentlichen Menschen heranzuziehen. Unwissende zu unterrichten u. s. w. Aber das genügt ihnen nicht; eine Judenseele ist ihnen wie einem Gourmand ein Haut Gout-Wildpret; ihr zu lieb lassen sie Alles im Stich, riskiren sie Alles, werfen Geld zum Fenster hinaus, und ein bekehrter, schmutziger polnischer Jude mit struppigem Bart und den unappetitlichsten Gewohnheiten, der seinen eigenen früheren Glaubensgenossen ein Pfahl im Fleische war, dünkt ihnen lieblicher, als ein ganzes Dutzelld-' r eingewaschener und vor der Verwahrlosung geretteter Christen klärung über diese Weigerung diene folgende Mittheilung: Einige Tage nach den Weihnachtsfeiertagen kamen in mein Amtszimmer zwei Diakonissinnen von Neuendettelsau mit zwei Mädchen, die ich zuvor nie gesehen, mit dem Ansuchen, ihnen Pässe nach Odessa auszufertigen. Die eine wurde als Dutha Seldin, die andere als Zierle Seldin aus Odessa vorgestelÜ, und bei Letzterer bemerkt, daß sie vor wenigen Tagen.zur protestantischen Kirche übergetreten und in Neuendettelsau getauft worden sei. Ich stellte vorerst die Frage, unter kinder. Man hat berechnet, daß den englischen Gesellschaften! welcher Aussicht ukrd unter welchem Schutz beide Kinder für Judenbekehrung, eins ins andere gerechnet, .jede ״gerettetes! die ebensoweite als beschwerliche Reise, namentlich in jetztiger Judenseele auf 7000 Pfd. St. 84,000 fl. zu. 'stehen kommt. Winterszeit unterneh^n würden, worauf mir entgegnet wurde, Die Deutschen werden es auch nicht billiger thun können; bei! daß diese beiden Kinder mit einer Legitimation, die ich nur uns ist aber das noch schlimmer, daß das Geld nicht aus den Kassen einer reichen Aristokratie fließt, sondern das es Missionskreuzer sind, an denen der Schweiß armer Lebte' klebt, mit welchen die Juden ״bekehrt" werden. Und was haben diese Bekehrungen gewöhnlich für einen Erfolg? Von 10 Proseaussertigen möchte, die Reise für sich unternehmen wollten. Ich stellte beiden Diakonissinnen vor, wie gewagt ein solches Unternehmen für diese' Mädchen sei, und bemerkte zugleich daß ich es vor meinem Gewissen nicht verantworten könne, solche unerfahrene junge Mädchen ohne allen Schutz, lyten bleibt kaum einer Christ; die meisten satteln wieder um,. lediglich mit einer Reiselegitimation in die weite Welt zu um sich vielleicht noch ein- oder das andere Mal ״bekehren"! schicken, und daß, so lange dieser Punkt nicht bereinigt sein zu lassen. Was hatte speciell die Bekehrung in dem vor-! würde, dem gestellten Gesuche nicht entsprochen werden könnte liegenden Falle für einen Erfolg? Der Bruder Perez, dem Hr. Pf. W. das höchste Lob erheilt und der sich sogar der Theologie widmen wollte, hat nach der Angabe seiner älteren Schwester eine orthodoxe Jüdin geheirathet, muß also, da es in Rußland keine Civilehe gibt, zum Judenthume zurückgetreten sein. Dutha .Perez, die Jüngere, ist munter wie ein Fischlein im Wasser und will Alles, nur nicht nach Neuen ' . Heilsbronn, 2. März 1874. Stahl, königlicher Bezirksamtmann." Aus Leipzig wird so eben folgende, sehr berechtigte Aufforderung versendet: ,,DK bedeutende Aufschwung, den die Leipziger Universität Reihe von. Jahren genommen, der anerkannte Ruf seit einer?/reihe von dettelsau zurück, und'was Maria Perez, die Getaufte, anbelangt,! seiner Docenten, hervorragender Zierden der Wissenschaft, hat so können wir dem Hrn. Pf. W. zur Beruhigung mittheilen,! in Verbindung mit andern günstigen Umständen diese Hochdaß das Stadium des Bibellesens und des Seufzens nach dem Seelenbräutigam bei ihr Bereitsvorüber ist und daß ohne jede menschliche Einwirkung — wer Hrn. Dr. Levin kennt, wird uns das glauben — Dank der frischen, entnüchternden Nürnberger Luft, ihre Heilung von der Neuendettelsauer Krankheit sehr große Fortschritte macht. Es freut uns das herzlich, nicht als ob uns die Religion des Mädchens nicht vollkommen gleichgültig wäre, sondern weil in dieser Zeit des Fastens und der Kasteiung nichts so erheiternd auf uns einwirkt, als der Anblick betrogener Be—kehrer. Nürnberg, 3. März. Vom königl. Bezirksamts Kl. Heilsbronn wird der ״Fränk. Kurier" um die Aufnahme nachstehender Erklärung ersucht: ,Hn der Zuschrift des Hrn. Pfarrers Weber von Neuendettelsau de dato 27. Febr. 1874 — Nr. 108 Ihres Blattes — ist bezüglich des Mortarafalles bemerkt: ,,Am 26. Dec. 1873 wurde die ältere der Schwestern getauft, sofort ersuchte man das k. Bezirksamt Heilsbronn um einen Paß für die Kinder — erhielt aber keinen." — Zur Ausschule zur ersten Deutschlands gemacht. Hat diese Thatsache ihre Wirkung afi^die academische Jugend in der Weise gezeigt, daß aus alfljgt Theilen Deutschlands, ja äus allen Län-. dern der gebildeten Welt die Studirenden in starkem" Strome zu dieser Pflegestätte der Wissenschaft eilen, so übt sie doch vor allem auf die Juaend unseres, des israelitischen Glaubens, den nachhaltigsten Denn das Lob des ernsten wissenschaftlichen Strebens- und des Triebes, die Lehren der Weis? heit, wo sie am reichsten fließen, zu suchen, haben uns selbst die Gegner unseres vielgeschmähten und vielverkannten Stammes nicht schmälern können. In der That zählt jetzt die Leipziger Universität eine, sehr beträchtliche Anzahl der Göhne unserer in alle vier Winde zerstreuten Glaubensgenossen; unter ihnen aber auch viele, denen Mühsal und Entbehrungen sich wie Bleigewichte an den Flug des Gdistes hängen und sie zwingen, ihre wissenschaftlichen Bestrebungen unter dem Kampfe um die materiellen Bedürfniffe des Lebens leiden zu kaffen. — In Erwägung dieser betrübsamen Thatsache kann daher nicht in Abrede gestellt

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