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Jüdische Volkszeitung · 1874-03-24 · 12 (24.3.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
12 (24.3.1874)
Date
1874-03-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wochenschrift Jüdische Volk tür 1*ctmrlc £cficEtungcn m nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!1!־k Ngr. slrmrwdr mb Irhukr^ I^nngoge mb Arien. 3»^-°.« sind an die Verlagshandlung von ——— Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Himgsnsirm in Ingelheim, Preis der 3 gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״ISr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 12. Leipzig, den 24. März. 1874. 3 n h a 11: Correspondenzen: Nürnberg (Schluß, Leipzig. Berlin. Bayern, Fürfeld, Ingelheim.— Literarisches.— Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach (Fortsetzung). — Anzeigen. Corresponäenz. Nürnberg (Schluß). Wäre das Taufvorhaben der Maria Perez wirklich reiflicher Ueberlegung und inniger Ueberzeugung entsprungen, so wäre auch nicht zu furchten gewesen, daß sie sich von der Mutter hätte abhalten lassen; die Herren wußten aber ganz gut, wie es mit dieser Ueberzeugung stand und daß Maria Perez, Dank dem auf sie angewandten Verfahren, blos in einer Art Betäubung handelte, aus der sie erwachen mußte, sobald sie einmal Neuendettelsau hinter sich haben würde. Danach ist auch zu bemessen, was es mit dem ״Verlangen" der Maria Perez nach der Taufe, das sie an den Hrn. Pf. W. in einer diesen selbst ״überraschenden Weise" gestellt haben soll, für eine Bewandtniß hat. Wir glauben gerne, daß Maria Perez weder mit Pistolen noch anderen Mordwaffen bedroht und zur Taufe gezwungen worden ist; wir fragen aber, ob bei einem 17jährigen Mädchen noch von freiem Willen die Rede sein kann, wenn es Monatelang sich unter den ausgesprochensten Pietisten bewegt, keinen andern Menschen zu Gelicht bekommt, wenn es jeden Tag hören muß, wie für die Bekehrung der ansonsten dem Höllenpsuhl verfallenen Juden gebetet wird, wenn man ihm verbietet, den Sabbath auch nur durch das Anziehen seiner bessern Kleider zu feiern, u. s. w. u. s. w. Diese Willensfreiheit wird am besten charakterisirt durch eine Anekdote, welche Maria Perez dieser Tage gesprächsweise und ohne die Absicht, der Anstalt zu schaden, erzählte. Sie hatte in Neuendettelsau eines jTages die Befürchtung geäußert, ihre Mutte« gönnte dorthin kommen, um ihr wegen ihres Uebertritts Vorkurse zu machen. Die Antwort, die sie erhielt, war ungefähr folgende: Da brauchst Du Dich nicht zu fürchten. Wenn sie kommt, wird sie auch bekehrt, denn von Neuendettelsau geht Niemand weg, ohne getauft zu werden. — Hr. Pf. W. sagt übrigens selbst, daß ihm daran gelegen gewesen sei, daß die Kinder ״Kenntniß des Heils" erlangten. Man braucht in die Geheimnisse des Pietisten Jargons nicht allzuweit vorgedrungen zu sein, um sich denken zu können, was unter dieser ״Kenntniß des Heils" zu verstehen ist. — Hr. Pf. W. überläßt es schließlich den Billigdenkenden zu entscheiden, ob hier ein ״Mortarafall" vorliege oder nicht. Wir wollen weder mit dem Herrn Pf. W., noch mit der demselben schüchtern sekundirenden ״N. Pr." über die Berechtigung des Ausdrucks streiten, der sich uns in unserer gerechten Entrüstung über diesen die Civilisation des 19. Jahr- Hunderts ins Antlitz schlagenden Vorfall unwillkürlich in die Feder drängte; wir glauben aber der Zustimmung aller Billigdenkenden sicher zu sein, wenn wir dabei bleiben, daß hier ein eclatanter Fall der tadelnswerthesten Proselytenmacherei und Seelenfängerei vorliegt, der den Menschenfreund um so mehr anwidert, als hier Kinder ihrer Mutter entfremdet worden sind. Und das ist geschehen, Herr Pf. W. mag da sagen was er will; Niemand wird behaupten wollen, daß die Kindesliebe und der Respect vor der jüdischen Mutter erhöht wird, indem man den Kindern sagt — es ist dies eine von beiden Schwestern bestätigte Thatsache — sie sollen nicht zu den Juden zurückkehren, sonst würden sie von denselben erwürgt oder vergiftet. — Es wäre doch gewiß innerhalb der Christenheit selbst dem Bekehrungseifer dieser Herren ein wei- 1er Spielraum geboten; da gibt es Unglückliche der Verzweiflung zu entreißen, Verlorene zu retten, Verwahrloste zu or-

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