Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 11 (17.3.1874)
- Date
- 1874-03-17
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 *י^י־מיי-־זייר*'־ l! ״Was deinem Leibe gesund ist, das gib ihm, und was ihm nicht gesund ist, das gib ihm nicht." Er läßt sich trotz der Concilsbeschlüsse von anno dazumal manches ohne Gewissensbisse recht wohl schmecken, und unser Correspondent aus Süddeutschland wird finden, daß sowohl sein Gaumen, als auch sein Magen mehr den Begriff des Homogenen, als den des Heterogenen herauszugoutiren im Stande sein werde; dem selbst Kalbschlegel und Rahmsauce, obwohl nach dem talmudischen Begriffe sehr heterogene Dinge, sie geben nach den Ansichten civilisirtester Feinschmecker eine gute Harmonie, sobald sie durch kunstgerechte Zusammenfügung einer probaten Köchin in die richtigen Mischungsverhältniffe zu einander gebracht werden. Insofern nun kann ich mit Ihnen übereinstimmen, hierin keinen kelajimartigen Mischmasch zu wittem und jedenfalls auch der Corresp. aus Bernbürg, nachdem ich Ihnen bewiesen, daß in der Verbindung von Fleisch- und Milchspeisen ב״וח nichts Naturwidriges für den Menschen liege, dergleichen auch schon in der vormosaischen Zeit nicht dafür angesehen wurde, da schon unser Erzvater Abraham die erhabenen Gesandten von Sodom und Gomorrha mit Kalbsbraten und Kuchen nebst Milch Iraktirte ויאכלו und es hat ihnen auch geschmeckt! — Dieses ist nun meine Privatansicht über milchige und fleischige Begriffe. Wenn ich Sie indessen recht verstehe, so wollen Sie dem Talmud vor Augen halten, daß nach den Ergebnissen der chemischen Forschung Milch und Fleisch keine heterogenen Dinge /seien, sondern Milch sei Fleisch und Fleisch sei Milch, beides ein und derselbe chemische Bestandtheil, nur verschieden in der Form. Allein der Talmud hat nach solchen Kriterien nicht die Gesetze geschaffen und interpretirt; denn seine Macher wußten von der Chemie gerade so viel, als wir, zu ihrer Zeit geboren, davon gewußt hätten. Ihre Behandlungsweise der mosaischen Gesetze war die scholastische, ihre Schlüsse in spitzfindiger Weise aus Verbalbegnffen ״herauszuquälen" nach den localen- und temporalen Zeitverhältnissen. So erging es auch der ursprünglichen Schriftstelle לא תבשל. Man legte hinein, was im Originale nicht vorhanden war und grübelte heraus, soviel man nur konnte; denn den Gesetzesumfang möglichst zu erweitern — das war die höchste Lebensaufgabe der Pharisäer. Vielleicht haben sie durch diese Einbalsamirung, durch diese Binden und Hüllen, das Judenthum wirklich erhalten; allein wir dürfen darum diese Einhüllungen nicht für das Wesen unserer Religion ausgeben wollen lieber den wahren Sinn des Schriftverses לא תבשל nächstens. Nürnberg. In Sachen des ״Mortarafalles in ^Bayern" bringt der ״Fränk. Kurier" folgende Erläuterungen als Erwiderung auf eine Erklärung des Pfarrer Weber in Neuendettelsau in der betreffenden Angelegenheit: ״Wir stehen nicht an, anzuerkennen, das wir.uns in einem Punkte geirrt haben. Die Kinder sind der Mutter nicht im eigentlichen Sinne des Wortes gestohlen worden, sie sind mit Einwilligung der Mutter nach Deutschland gebracht worden und die Mutter hat auch gewußt, daß sie in Neuendettelsau sind. Unbekannt war es der Frau im fernen Osten aber, was Neuendettelsau eigentlich ist; sie wußte nicht, daß ihre Kinder in eine christliche, in eine Pietistenanstalt gebracht wurden, in welcher und von welcher aus die Proselytenmacherei handwerksmäßig betrieben wird. ״Um etwas zu lernen" hatte sie die Kinder nach Deutschland ziehen lassen und nicht, damit sie getauft würden. Das behaupten die beiden Schwestern und das geht auch evident aus den Erklärungen des Hrn. Pf. W. — es liegen uns deren Drei vor — hervor; er geht in denselben wie eine Katze um den heißen Brei und spricht wohlweislich nur davon, daß die Kinder mit Wissen der Mutter in eine ״Unterrichtsanstalt" gebracht worden seien, um ״etwas zu lernen". — Nach den Aussagen des ältern der beiden Mädchen — und da dasselbe seine christliche Erziehung durch Hrn. Pf. W. erhalten hat, wird er seine Glaubwürdigkeit nicht anzweifeln wollen — hatten weder die Mutter noch die Schwestern Kenntniß davon, daß der Bruder Christ geworden fti. Als die Geschwister nach Berlin kamen, führte sie der Bruder in eine Kirche und als die Kinder ihn fragten, warum er das thue, antwortete er, man müsse darnach trachten, alles zu sehen und kennen zu lernen. — Wir bekennen also unsem Jrrthum; die Kinder sind nicht gestohlen worden; wohl aber ist die Mutter getäuscht, sie ist um ihre Kinder betrogen worden. Alles Uebrige wird durch die Erklärungen des Hrn. Pf. W. nicht besser, sondern schlimmer, indem aus denselben deutlich hervorgeht, daß diese frommen Herren in Neuendettelsau so verblendet und von ihrem Unfehlbarkeitsdünkel so durchdrungen sind, daß sie es nicht einmal fühlen,, der öffentlichen Moral ins Gesicht geschlagen zu haben. Man lese nur folgenden kostbaren Passus der an uns gerichteten Zuschrift des Herrn Pfarrer W.: ״Ich habe es für Pflicht erachtet, die Mutter mehrere Wochen vor der Taufe von dem Vorhaben der Tochter in Kenntniß zu setzen. Darauf hin kamen ungestüme Forderungen, die Kinder zurückzuschicken. Am 26. December 1873 wurde die ältere der Schwestern getauft, sofort ersuchte man das k. Bezirksamt Heilsbronn um einen Paß für die Kinder, erhielt aber keinen." Also Herr Pf. W. gesteht offen zu, daß man das weite Gewissen besaß, die ״ungestümen Forderungen" der Mutter, die wiederum beweisen, daß dieselbe vorher doch keine Ahnung davon hatte, wo eigentlich die Kinder sich befanden, damit beantwortete, daß man dasjenige der beiden Mädchen, das man taufen konnte, ohne mit den Strafgesetzen in Collision zu gerathen, schleunigst taufte, und nachher allerdings ״sofort", es ist köstlich, dieses ״sofort", — sich um Pässe 4 ■(