Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 11 (17.3.1874)
- Date
- 1874-03-17
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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83 Die Einnahme in diesem Jahre betrug 1) an Geschenken zum eisernen Fonds . . fl- 3552. 51. 2) an Geschenken mit besonderer Bestimmung /, 174. 59. 3) an fteiwilligen Jahresbeiträgen . . . ״ 186. 15. 4) an Erlös aus Vereinsbüchern .... ״ 3. 15. 5) an Zinsen. // 951. 48. 6) an Ehrenmitgliederbeiträgen .... ff .298 נ 30. 7) an Mitgliederbeiträgen. ff 904. 45. Summa fl. 7072. 23. Das Vermögen des Vereins bestand am 1. Januar aus fl. 22,250. (Nominalwerth) in besten Obligationen und Effecten und fl. 3592. 26. Baarvorrath, sowie fl. 128. 30. Reservefond. Im Laufe des Jahres wurden aus dem Reservefond in 11 Theilen fl. 451. 30. und am Schluffe des Jahres an! 23 Partien (zu 30 Theilen) fl. 2135., sowie ferner aus dem Reservefond fl. 111. 15. verwilligt. Ein Theil des Jahres- Verwendungsfonds betrug fl. 71., so daß bei der Vertheilung die höchste Gabe fl. 177. 30. (an einen Lehrer mit Frau und 4 Kindern) und die geringste, an alleinstehenden Lehrer und Wittwen fl. 71. betrug. Aus dem Reservefond bewegen sich die Gaben zwilchen 70 und 28 fl. Wir glauben, daß ein solcher Verein seine Bedeutung für die Gesammtheit nicht erst zu erhärten hat. Wir dürfen nicht vergessen, daß das vergangene Jahr ähnlichen Instituten allerwärts nicht gerade günstig war. Wir können jedoch nicht umhin, mit um so größerer Berechtigung das deutsche Judenthum auf seine Verpflichtung gegen diesen Verein hinzuweisen. Wir wollen nicht die Gründe einzeln aufzählen, die eine solche Aufforderung rechtfertigen. Wir glauben, jeder Einsichtige weiß in der Gegenwart, wie sehr sich die jüdische Gesammtheit an den Lehrerstand versündigte, der zeitlebens darben mußte mit den Seinigen, während Andere oft mit geringerer geistiger Begabung und mit weniger anstrengender und aufreibender Arbeit zu Wohlstand, ja selbst zu Reichthümern gelangten. Jetzt, wo der Lehrermangel immer fühlbarer, zu einer der größten und einschneidendsten, socialen Calamitäten wird, sucht man sich zu ermannen; für das Judenthum vielleicht vielfach zu spät! — Ihr aber, die Ihr in Folge Eurer Bildung zu Wohlstand gekommen seid, gedenket Eurer Lehrer, denen Ihr so viel zu verdanken habt! Laßt sie im Alter, laßt ihre Angehörigen nicht Mangel leiden und verkümmern! — Es ist wohl eine gegen die Gesammtheit der Lehrer äußerst geringe Anzahl von Lehrern, welche diesem Vereine zur Zeit angehören. Das ist die Schuld der Lehrer selbst, ihrer durch die traurigen Verhältniffe bedingten Gleichgültigkeit. Es sind aber doch 207 Lehrer. Es sind die Familien und Angehörigen von 23 Lehern, welchen in diesem Jahre durch unseren Verein geholfen wurde! In Frankfurt, dessen Lehrer ihre eigene Pensionsanstalt haben, wo also der Verein keine Verpflichtungen zu erfüllen hat, zählt die Achawa 327 Ehrenmitglieder, welche jährlich zwei Thaler zahlen. In allen übrigen Städten und Gemeinden Deutschlands zusammengenommen nur 70! Gibt es in Deutschlands jüdischen Gemeinden so wenig wohlthätige Herzen, die Interesse haben für die Sache der Lehrer? Es ist die Pflicht der Denkenden und Fühlenden, diesem Vereine beizutreten, ihn zu unterstützen und mitzuwirken, daß er mehr und mehr seine Aufgabe zu erfüllen im Stande wird. Wir fordern insbesondere die Vorsteher der Religionsgemeinden und der wohlthätigen Anstalten und Vereine auf, Jahresbeiträge aus ihren resp. Cassen zu verwilligen, eine kleine Summe auf ihren Etat zu nehmen für eine hochwichtige Anstalt, die ja im Interesse der Gemeinde ist, wie keine andere. Und sollte ihr Lehrer oder Cultusbeamter dem Vereine nicht beigetreten sein, —• man wird das Wort, daß dies eine Pflichtvergessenheit ist, nicht ganz unberechtigt finden —, so mögen sie ihn zum Beitritt veranlassen. Wir fordern die activen Mitglieder auf, Ehrenmitglieder an allen Orten anzuwerben und die Mittel des Vereins zu erhöhen durch ihre thätige Theilnahme. Viele haben sich dieser Verpflichtung bis jetzt durchaus entschlagen. Es mag einzelne Orte und Gegenden geben, wo man taube Ohren und steinerne Herzen findet. Es gibt aber der Orte und Personen nicht wenige, wo es nur eines Wortes bedürfte. Aber dies Wort muß gesprochen werden. Möge die Judenheit Deutschlands sich der Achawa, des Vereines zur Brüderlichkeit, mit ganzer Kraft annehmen; der Gesammtheit zum Heil und zum Segen! Ober-Ingelheim, den 11. März 1874. I. Klingenstein. Corresponäenz. Ingekkeim. Der eben verstorbene Führer der Hess. Fortschrittspartei Hofgerichtsadvocat, Dr. Metz, gibt uns Veranlassung seiner hier um deswillen besonders zu gedenken, weil einige politische Blätter sein jüdisches Herkommen betonen. Das Fr. Journal sagt z. B. ״Metz, wie viele parlamentarische Größen der Gegenwart aus dem Judenthume hervorgegangen rc." Man denkt hier wohl an Simson, Lasker, Jacobi, Bamberger, Frankenburger u. A. m. - in Hessen auch Dr. Dernburg, wahrscheinlich der zukünftige Führer der hessischen Fortschrittspartei, ein in seiner Jugend mit seinen Eltern getaufter Jude. Metz war auch ganz früh in seiner Jugend, oder, was uns nicht genau bekannt ist, hatten sich schon seine Eltern vor seiner Geburt getauft. Sein Vater hatte dabei die eigenthümliche, von