Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 9 (3.3.1874)
- Date
- 1874-03-03
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 dennoch nicht besonders sind, geht schon daraus hervor, daß nur sechs Schüler, meist Verwandte rc. von vr. H., die schon viele Jahre bei ihm sind, diese orthodoxe Heilsanstalt besuchen, trotzdem H. so lange in Eisenstadt eine Jeschiwah hatte, trotzdem er einen ganzen Troß ungarischer Bachurim mit sich hierher brachte, trotzdem den Eintretenden fabelhaste Unterstützungen versprochen werden — denn womit sonst können sie die Hörer locken — trotzdem in Zeitungen vermittelst echt jesuitisch angelegter Inserate, Warnungen, Bitten rc. enthaltend, geradezu um Schüler gebettelt wird, trotzdem endlich die Orthodoxie eine vieltausendjährige Vergangenheit und einen so großen Anhang hat und den Eintretenden sowohl momentan als für die Zukunft die besten materiellen Aussichten geboten werden. Ja es ist wirklich charakteristisch, daß gerade in diesem Semester dieZahl der Hörer derHochschule für dieWissenschaft des Judenthums bedeutend mehr als sonst gewachsen ist, und daß sehr viele von vr. H. in dieselbe eingetreten sind, mehr aber noch aus Mangel an nöthigen Vorkenntnissen zurückgewiesen wurden. Der letzte Umstand ist, wenn auch für den ersten Moment überraschend, keineswegs unerklärlich, denn derjenige, der nach dem Seminar kommt, um wirklich wahre Wissenschaft zu suchen, muß nothgedrungen gar bald einsehen, daß er nicht an der rechten Adresse ist und wer überhaupt nicht von idealem Streben für die Wissenschaft durchdrungen ist, von dem ist ganz abzusehen. So kommen wir auf unsere bereits zu Anfang ausgesprochene Ansicht zurück, daß die Errichtung eines Rabbinerseminars durch Orthodoxe als ein Fortschritt anzusehen ist, wenn auch nicht in ihrem Sinne, so doch in unserem. Und in der That, das eben ist das Große in der Geschichte der Menschheit, daß selbst das scheinbar Schlechte und Schädliche, daß das gefährliche Gift und der noch gefährlichere Jrrthum früher oder später zum Siege der Wahrheit beitragen, ja oft genug wider ihren Willen beitragen müssen. Man mag daher noch so viele Mittel ersinnen, um den Fortschritt zu hemmen, in die entsetzlichsten Extreme verfallen, man kann List, Gewalt und alles Mögliche anwenden, Ihr könnt gegen die besten und edelsten Einrichtungen aus Fanatismus und Verblendung opponiren, Ihr werdet dadurch die gezeitigte Verwandlung, den allgemeinen Frühling, der auch für das Judenthum endlich herangebrochen ist, nicht aufhalten, das unaufhaltsam rollende Rad des Weltverhängnisses nicht zum Stillstehen bringen, im Gegentheil, Ihr selbst bringt es durch all dieses, durch Euer gedankenloses Hintreiben nach dem Extreme nur um so schneller in Bewegung, wirkt also ohne, ja gegen Euren Willen mit für die baldige Erfüllung des Ideals der Edlen und Besten aller Zeiten und aller Völker, und so muß es sein, so hat es sich in der ganzen Entwickelung der Weltgeschichte gezeigt, so bewährt es sich auf die eclatanteste Weise in unseren religiös-politisch so bedeutsamen Tagen, so wird und muß es stets in Zukunft sein עוצו עצה ותופר דברו דבר ״ ולא יקום כי עמנו אלSchmiedet nur Pläne, redet nur Worte gegen die Wahrheit, jene werden vereitelt, diese nicht erfüllt, denn mit uns ist Gott." Berlin. Ein Wissender und Freund der Wahrheit. Aus äem Monats-Aerickt äer ״Aüianz". Januar 1874. 1) Das vom Baron v. Hirsch der Allianz behufs Errichtung von Schulen und Verbreitung von Bildung unter den Israeliten des türkischen Reiches zur Verfügung gestellte Capital von Einer Million Franken in 5°/0 franz. Rente wird mit den von dem Geschenkgeber gestellten Bedingungen angenommen. Der Ausschuß begibt sich in corpore zu Herrn v. Hirsch, um ihm seinen Dank darzubringen und es wird beschlossen, daß das Bild desselben im Sitzungssaale und in allen Schulen der Allianz im türkischen Reiche aufgestellt werden solle. — Diese Bedingungen sind im Wesentlichen folgende: 1) Capital und Zinsen sind ausschließlich zu unterrichtlichen und erziehlichen Zwecken für die israelitische Jugend des türkischen Reiches — auch Erlernung von Handwerken, Reisen ins Ausland — zu verwenden. 2) Es darf im geeigneten Falle das Capital selbst für diese Zwecke angegriffen werden, doch nur unter Zustimmung des Geschenkgebers und (nach dessen Tode) seines Sohnes. 3) Es soll über diese Gelder ein eigenes Conto geführt werden. 4) Der Geschenkgeber behält sich ein Appellationsrecht für den Fall bevor, wo in dem Centralausschuß abweichende Meinungen hinsichtlich der Verwendung der Gelder herrschen sollten und 5) im Falle die Allianz aufhören oder offene Mißbräuche sich einschleichen sollten, kann der Baron (oder dessen Sohn) eine Untersuchung durch das Central-Consistorium in Paris und die Bildung eines Verwaltungsausschusses veranlassen. 2) 693 neue Mitglieder sind der Allianz beigetreten; vr. Löwenstein, Rabbiner in Gailingen, führt dem Verein 130 Mitglieder zu. — Unter den Geschenken bemerken wir 1000 Frs. von I. E. Kann in Paris für die russischen Israeliten (Waisen und Auswanderung). 3) Die Schule zu Bagdad unter Hrn. Garat wurde von dem englischen General-Consul, Obersten Herbert, besucht, der seine Zufriedenheit mit den Fortschritten der Zöglinge kund gab. Dasselbe geschah in Rustschuck durch den österreichischen Consul und in Lariffa von dem türkischen Gouverneur. Der Lehrer, Garat, bittet um die Mitwirkung des Ausschusses, damit die in Bagdad sehr nützliche englische Sprache in der Schule gelehrt werden könne. Im Besitze dieser Sprache, könnten die Israeliten nach Indien auswandern und dorten 1 1 > ח 1־־*.;1 | (f ■ -»H-.