Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 8 (24.2.1874)
- Date
- 1874-02-24
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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, w , ■,;ך״וו ויו.:j^zasaas^ .1 w — 59 — ein abgekarteter, vorher wohlbedachter Kunstgriff war. — Uebrigens brauchen wir nur auf das Jahr 1868 zurückzugehen, und wir treffen Hildesheimer wieder und zwar auf dem Pestsr Congreß gerade bei der Seminarfrage bei derselben geradezu unglaublichen, kaum zu erfassenden Inkonsequenz. Erst spricht er sich in einer langathmigen ermüdenden 12/ג stündigen Rede für die Dringlichkeit eines Seminars in Ungarn aus, und kaum acht Tage nachher stimmt er gegen dasselbe mit den Schomerhadathlern zugleich. מעיקרא מאי קסבר ולבסוף מאי קסבר? Was mag da wohl dahinter gesteckt haben? Soll das Ueberzeugungskraft heißen? — Immer und immer der Egoismus, der Ehrgeiz, die seit seinem Auftreten die alleinigen Triebfedern seiner Handlungen sind, sein ganzes Thun und Lassen genau kennzeichnen und charakterisiren. Wie wir schon angeführt haben, daß Alles, selbst das scheinbar diametral Entgegengesetzte, geradezu für schädlich gehaltene, doch durch allerlei Windungen und Krümmungen des geschichtlichen Stromes hindurch, endlich zum Heile des Guten, des Wahren ausschlägt! הכל טסייעין בשביל כבוד ממה הקבר, ואפילו שדים ואפילו רוחות (Mid. Rabbah - Hohelied 1), so hat die Erfahrung auch hier gelehrt, wie wahr diese Behauptung sei. Nachdem dieses zu errichtende Institut, welches gerade durch die nicht ganz exclusive Richtung, die es einschlagen sollte, der gesunden Fortentwickelung hätte gefährlich werden können — um so mehr, als einige wirklich Gelehrte daran wirken sollten — zu Wasser geworden, durch Hinzuthun der eigenen Partei in den Sand sich verlief, sich der Ausspruch: מהרסיך ומחריביך ממך יצאו (Deine Zerstörer und Verwüster gehen von dir selbst aus), den unsere Gegner gerne bei jeder Gelegenheit auf Freunde des Fortschrittes anwenden, an ihnen selbst am Eclatantesten sich bewährte, wurden die liberalen Vertreter doch aus ihrer Lethargie gerüttelt, aus dem <10166 farniente aufgeweckt — denn täuschen wir uns nicht, es bedarf immer erst eines Anstoßes der Gegenpartei, einer mahnenden Anspomung von Außen, ehe diese Partei zum kräftigen Eingreifen in das Fortschrittsrad sich gedrungen fühlt, — daran erinnert, daß es auch einmal Zeit sei, für die wichtigsten Interessen des Judenthums im Allgemeinen, für die jüdische Wissenschaft insbesondere, etwas Dauerndes und Nachhaltiges zu thun. Wirklich wurde bald darauf durch die intensive Mitwirkung des um das Judenthum hochverdienten Profeffor Lazarus ans Werk gegangen und die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, bestehend aus dem Lehrercollegium Dr. Geiger, Dr. Cassel, Dr. Lewy und Professor Dr. Steinthal errichtet. Daß die Zweige der jüdischen Wissenschaft von solchen Männern wohl gepflegt, an dieser wahren, von allem Scheine entfernten Stätte mit der tiefften Gründlichkett gehandhabt würden, war vorauszusehen. Besonders wird beispielsweise die Exegese von Dr. Geiger in einer bisher noch nie dagewesenen, ganz neue Gesichtspunkte eröffnenden Weise behandelt, die um so fruchtbarer und lehrreicher ist, als an Universitäten von nicht jüdischen, selbst hochberühmten Gelehrten unmöglich dies geboten werden kann, schon wegen der hierbei einen integrirenden Bestandtheil bildenden talmudischen und midraschischen Literatur, die ihnen noch immer mehr oder weniger terra inoo§nita ist. (Schluß folgt.) Correjponäenz. Air« Dreräen, Anfang Februar. Den Wunsch, daß Ihr geschätztes Blatt möglichst aus allen jüdischen Gemeinden Berichte bringe und möglichst in allen Gemeinden Leser finde, bethätige ich mit diesem Briefe. In unserer Gemeinde hat sich auch im abgelaufenen Jahre ein verhältnißmäßig reges Leben gezeigt. Die Religionsschule, geleitet vom würdigen Oberrabbiner Dr. Landau, hat durch diesen und die tüchtigen Lehrer Katz und Auerbach sich als das, was sie sein soll, als den Quell des religiösen Lebens, bewährt. Unser Oberrabbiner, obschon sehr vorsichtig und gemäßigt, hat doch den Wünschen auf Abänderung der in die Augen springendsten Mißstände im Gottesdienste, wie ftüher, so jetzt nachgegeben, wenn auch noch viel zu wünschen bleibt. In den Schlußsegenssprüchen zu Maftir ist das Störendste beseitigt, im Haschibenu das Kekedem in Letobah verwandelt, die al chatoim sind leider nicht gestrichen, aber doch — durch Ausschluß vom Gesang, durch schnelle Recitaüon gekennzeichnet. Um die Mißstände bei Grabpredigten, die gar zu leicht in Lobhudeleien ausarten, zu beseitigen, ist dem Rabbiner zur Pflicht gemacht, daß er in der Regel nur ein kurzes deutsches Gebet spricht, eine wirkliche Grabrede aber nur bei hervorragenden Verdiensten des Verstorbenen und auf Anordnung des Gemeindevorstandes halte. Als Auskunftsmittel bleibt ihm die Rede im Trauerhause, die weniger amtlich und mehr persönlich sein kann, auch dort in Rücksicht auf die weiblichen Angehörigen, welche bei der Beerdigung nicht anwesend sind, weit mehr am Platze ist. Ein neues Ritual für Beerdigungen ward beschlossen und wird demnächst veröffentlicht. Danach empfangen die Leidtragenden auf dem Friedhofe Bücher, in denen die Gebete hebräisch und deutsch und außerdem noch neue von Hrn. Dr. Landau abzufassende deutsche Jahrzeitgebete enthalten sind. Auch unser Ritual zur Todtenfeier ward verändert. Das ansprechende hebräische und deutsche Gebet erhalten Sie demnächst. Das Beten während des Sargtragens ist beseittgt. Ebenso der Büchsenumgang während des Gottesdienstes und bei religiös-festlichen Gelegenheiten (Hochzeitsmahl rc.), dafern der Festgeber ihn nicht ausdrücklich fordert.