Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 6 (10.2.1874)
- Date
- 1874-02-10
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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45 %,;Jtdjen Inhalts des Pentateuchs. So weit sollte die *^Jugend bis zu ihrem Austritt aus der Schule, also in etwa sechsjähriger Unterrichtszeit, gebracht werden, und wenn man die überaus dürftige Durchschnittskenntniß in dieser Hinficht in den weiland Chedarim der Alten ins Auge faßt, so > dürfte auch die strengste Orthodoxie, welche für die Beibehaltung getrennter Schulen schwärmt, bei jenen Leistungen sich zuftieden geben, wenn sie, wie wir nachzuweisen hoffen, in der Communalschule erzielt werden können. Von der Nothwendigkeit des hebräischen Leseunterrichts brauchen wir nicht zu sprechen: sie ist selbstverständlich, wenn die Uebersetzung von Gebeten und Pentateuchstücken gefordert wird. Was aber zuerst die Gebete betrifft, so ist man doch in unserer Zeit so ziemlich darüber einig, daß nicht alle Gebete in der Muttersprache zu beten sind, sondern ein Theil derselben, besonders der das religiöse Bekenntniß umfassende Theil der alten Gebete, wenn auch allerdings befreit von Dielen, unserem religiösen oder wissenschaftlichen Bewußtsein (in letzterer Hinsicht haben wir nur auf Zunz, Gottesdienst!. Nortr. S. 367 ff. zu verweisen, wodurch die alten Gebete, also auch die Uebersetzungen, für die Jugend vielfach abgekürzt werden) widersprechenden Stücken und Ausdrücken, in hebräischer Sprache beibehalten werden müssen. Dazu muß uns der Gedanke der Erhaltung unseres religiösen Bekenntnisses in seiner ursprünglichen Reinheit ebenso, wie der Um- 4 stand bestimmen, daß die Synagoge das einzige Band ist, welches heutzutage noch die Israeliten aller Länder in ihrem väterlichen Glauben zur Erfüllung ihres lange noch nicht vollendeten Berufs umschlingt, und daß es daher von Wichtigkeit ist, daß eine einheitliche Formel zum Ausdruck ihres Bekenntnisses überall gleichmäßig zur Anwendung kommt, was durch Uebersetzung in die verschiedenen Sprachen kaum zu erreichen sein dürfte. Dazu kommt der sehr der Berücksichtigung werthe Umstand, daß wir den Glaubensgenossen, woher sie auch kommen, welche Sprache sie auch sprechen mögen, die Möglichkeit nicht entziehen dürfen, an unserem Gottesdienste sich zu betheiligen und sich daran zu erbauen. Andere Bekenntnisse haben symbolische Handlungen in ihrem Gottesdienste, die für die betreffende besondere Kirche überall denselben Sinn haben und den Mitgliedern die Möglichkeit der Theilnahme und der Erbauung bieten, wenn sie auch die Sprache nicht verstehen, so der Katholicismus seine Messe, der Protestantismus das Abendmahl. Die Synagoge hat nur das Wort, das Gebet, und verschließen wir hier völlig das * Verständniß, so haben wir die Möglichkeit der Theilnahme abgeschnitten. Aber eben weil das Verständniß das Wesentliche zur ganzen und vollen Theilnahme bildet, so ist es klar, daß die Uebersetzung der wichtigsten alten Gebete ein nothwendiges Erforderniß für die Schule bildet, wenn wir nicht wieder der Klage des Propheten: ״Dieses Volk naht sich mir mit seinem Munde, mit seinen Lippen ehrt es mich, sein Herz aber hält es fern von mir, und seine Furcht vor mir ist ein angelerntes Menschengebot" aufs Neue verfallen sollen, was in unserer Zeit um so gefährlicher wäre, als die Synagoge oft noch das Einzige ist, was den Einzelnen mit der Gesammtheit verknüpft. (Fortsetzung folgt׳) Aus SüddeutMlfand, 18. Januar. Die Eorrespondenz aus Nürnberg (Nr. 2) hat das mosaische Gesetz vom לא תבשל und das rabbinische von בורו nicht auseinander gehalten und dadurch das Verständniß meiner Auslassungen erschwert. Einen Humanitären Grund suche ich lediglich hinter dem mosaischen Gesetze; das rabbinische bleibt mir deshalb unverständlich, weil ich einen inneren Zusammenhang zwischen beiden nicht erkenne. Die Thora verbietet ״Milch und Fleisch" nicht, da das bezügliche Gesetz aus Humanitätsgründen nur das Kochen des jungen Thierchens in der Muttermilch im Auge hat. Das rabbinische Verbot bleibt aber unerklärt, weil Milch und Fleisch keine heterogenen Speisen sind. Die Parallele mit Kilajim rc. paßt demnach nicht. Aus dieser Argumentation war mein reformatorischer Standpunkt zu erkennen. Für die Wissenschaft aber, wie für die Religion ist es von Bedeutung, dem Ursprünge und Grunde eines so alten Gesetzes nachzuforschen. ״Alt", sagte ich, obwohl es nicht in der Thora begründet ist. Ueber solche Dinge bricht der Mann der Wissenschaft trotz Reform nicht leichtfertig den Stab. Haben die Rabbiner der Urzeit ״Milch und Fleisch" vielleicht doch für heterogene Elemente gehalten, dann ist dieser Jrrthum eben zu constatiren. Eine Forschung, resp. Erklärung hierüber zu veranlassen, war meine Absicht. Aber der Nürnberger Correspondent hält ״Milch und Fleisch" für heterogen, denn er bringt das bezügliche Verbot in Parallele mit Kilajim rc. Wie kann er in Frieden leben wollen mit Dingen, welche von Natur, wie er meint, in Kampf und Streit mit einander liegen? Man sieht: der Gegenstand bedarf einer mehr als oberffächlichen Erörterung. Aus Meiningen. Es wird die geehrten Leser dieser Zeitschrift interessiren, zu erfahren, daß so eben dem Verleger derselben, Herr W. French, Inhaber der Firma Joh. Friedr. Hartknoch, in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Verlagsbuchhandels vom Herzog von Meiningen das Verdienstkreuz des Herzoglich Ernestinischen Hausordens allergnädigst verliehen worden. — Das Judenthum theilt keine Orden aus; aber die Anerkennung für die Thätigkeit auf jüdischem Gebiete wird nicht fehlen und sie wird sich durch eine stetig wachsende Theilnahme an den Schriften, welche von dieser Firma verlegt werden, — dieser Zeitschrift, dem Chanukabuch rc. — äußern. Krakau, im Januar. Am 8. d. M. starb hier der reichste galizische Jude, Baruch (?), Besitzer von Dampf-.