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Jüdische Volkszeitung · 1874-02-10 · 6 (10.2.1874) · p. Seite 44

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
6 (10.2.1874)
Date
1874-02-10
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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Trennung des Staats von der Kirche — und verwendet für christliche Cultuszwecke Millionen; das Judenthum aber geht leer aus. Wir haben freilich keinen Bischof und — wollen keinen haben. — Aber man kann auch, wie Sie, Herr Redacteur, neulich richtig hervorgehoben haben, dem Judenthume nicht wohl gerecht werden, ganz einfach darum, weil es keine Gesammtorganisation besitzt. Wollte man z. B. zur Besoldung der Rabbinen beitragen: welcher Richtung gebührte hier in Berlin z. B. die Bevorzugung? Wessen Gehalt soll vom Staate gezahlt werden, der Geiger's, Ritter's oder Hildesheimer's? Will man die jüdische Wissenschaft unterstützen: wo soll es geschehen? In der Hochschule, dem Breslauer oder Hildesheimer'schen Seminare, die sich gegenseitig einander anfeinden und perhorresciren? Bei aller Anerkennung der Bestrebungen des Vorstandes der Synagogengemeinde zu Berlin für Erhaltung der Gemeindeeinheit hätten wir trotzdem gewünscht, daß diese zugleich auf die Schöpfung einer, wenn auch nur äußerlichen, losen, dem Staate gegenüber aber rechtsgültigen und wirksamen Gesammtorganisation hingewirkt hätten und wir hoffen, daß die Nothwendigleit recht bald zu solchen Bestrebungen führen wird. Ober - Ingekkeim. Gelegentlich einer Festversammlung des Wohlthätigkeitsvereins dahier am ersten Chanukaabenve wurde beschlossen, eine Wanderarmencasse zu bilden, um dem verderblichen Bettelunwesen, das eine Schmach für das Judenthum ist, Einhalt zu thun. Die Mittel für eine lange Zeitdauer wurden alsbald durch freiwillige Gaben beigebracht und der Verein ist jetzt in Thätigkeit. Hoffen wir, daß die sämmtlichen Gemeinden Rheinhessens unserem Beispiele folgen; der Segen wird bald fühlbar werden. Als Grundsatz gilt, daß arbeitsfähige Menschen nur so viel erhalten, daß sie bis zur nächsten Stadt kommen können und daß innerhalb eines halben Jahres eine und dieselbe Person nur einmal hier eine Gabe bekommt. Hiergegen soll älteren Personen und solchen Armen aus dem Umkreise, deren Lage man kennt, namhaft Unterstützung von Halbjahr zu Halbjahr zugesendet werden. Hausbettel ist strengstens untersagt und zieht unnachsichtlich die Ausschließung jedweder Unterstützung nach sich. — Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Beitrag der hiesigen Gemeinde für den Gemeindebund festgesetzt und für die Jahre 1872/74 alsbald abgeführt. Auch hier hoffen wir auf Nachahmung; nur dann wird es für Süddeutschland von Erfolg sein. Laaäau (Pfalz). In meiner jüngsten Correspondenz sprach ich davon, daß die Communalschule dem Unterricht im Hebräischen nicht günstig sei. Es kann aber dem Beobachter keinem Zweifel unterliegen, daß gerade dieser Schule sowohl aus Culturwie aus staatsökonomischen Gründen die Zukunft gehört. Es dürfte daher geeignet sein, daß wir als Israeliten unsere Stellung ihr gegenüber uns möglichst klar machen, um dieser einerseits nichts zu vergeben, andererseits nicht gegen Windmühlen anzukämpfen, oder uns auf den Jsolirschemel zu setzen, wodurch besonders die Landgemeinden, die sowohl was die Zahl als was die Mittel betrifft, immer mehr dem Verfall entgegengehen, völliger Sterilität zugeführt würden. Ich finde mich daher veranlaßt, obige Behauptung in meiner früheren Correspondenz näher dahin zu präcisiren und werde dafür den Nachweis zu liefern versuchen: daß die Communalschule jenem Unterrichtsgegenstande nicht absolut im Wege stehe, sondern nur dann ihn beeinträchtigen dürste, wenn über Ziel und Methode und über das, was man heutzutage auch von der isolirten israelitischen Volksschule in dieser Beziehung billig fordern darf, nicht vollkommene Klarheit herrscht, wie dies allerdings, leider! auch noch bei vielen Lehrern der Fall ist. Hierüber nun möchte ich hier meine Ansicht niederlegen, besonders auch in der Hoffnung, daß dies zur Erörterung dieser für die Zukunft des Judenthums so wichtigen Frage in diesen Blättern den Anstoß gebe. Ich bin übrigens, außerdem daß mich mein Beruf seit fast 40 Jahren, schon durch alljährlich zweimal in 15—20 israelitischen Schulen vorgenommene Religionsprüfungen, in die innigste Beziehung zum Volksschulwesen brachte, seit länger als 30 Jahren selbst Religionslehrer an der hiesigen Latein- und Gewerbsschule, und dürfte daher einigen Beruf zur Beurtheilung dieser Frage haben. Was nun zuerst das Ziel des israelitischen Religions- Unterrichts in der Volksschule betrifft, so habe ich hier zunächst nur den stofflichen Inhalt im Auge; das Formale gehört der Besprechung der Methode an. Hier ist nun vor Allem im Auge zu behalten, daß bei den zahlreichen Anforderungen, die jetzt an den Elementarunterricht gestellt werden, Anforderungen, die oft geradezu als Ueberbürdung erscheinen, die Zeit auch in der isolirten israelitischen Volksschule für die Gegenstände des Religionsunterrichts so karg zugemessen ist, daß auch hier die Forderungen für das Hebräische, besonders da, wo Ein Lehrer sämmtliche Classen zu unterrichten hat, wie dies auf dem Lande und in kleinen Städten fast durchgängig der Fall ist, nur bescheiden sein dürfen, wenn wir nicht Unmögliches verlangen, oder ein äußeres, nur die Menge täuschendes Abrichten wünschen wollen. Hier aber, wo der blos äußere Schein mehr als irgend anderswo schadet, gilt vor Allem Maß halten, hier besonders muß das: non multa sad multum unsere Devise sein. Allein als das Notwendige muß anerkannt werden, außer dem Unterricht im Katechismus und dem wesentlichen Inhalte der biblischen und theilweise der nachbiblischen Geschichte, z. B. des Chanukafestes, das Hebräischlesen, die Uebersetzung und das Verständniß der wichtigsten Gebete und des wesent-

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