Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 6 (10.2.1874)
- Date
- 1874-02-10
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9588641-9578923-9578974--528-9578977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
43 feierte. Ich glaubte dabei, Gott würde mich für zwei gefeierte jj, Tage belohnen, und ich bekomme nicht einmal den Lohn für einen. Auf sie (die rabbinischen Feiertage) wandte R. Jochanan den Vers an: ״Und auch Ich gab ihnen Gesetze, die nicht gut sind" (Ezechiel), worauf Raschi die Bemerkung macht: ״d. h. die Gesetze unserer Rabbinen s. A.".wie den zweiten Feiertag, von dessen Feier kein Lohn zu erwarten ist." (כלומר חוקי חכמינו זל בית חלות בית ימים טובים שאין להם קבול שכר.) Wir sehen von Belegen weiterer Auetoritäten ab, indem uns dabei der Gedanke leitet, daß die angeführte, gewichtige Auetorität, deren Ausdruck an Prägnanz und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, jeden Zweifel eines noch so unschlüssigen Gemüthes zerstreuen kann. K. Amitti. Corresponltenz. Kerkin» 1. Februar. In der Sitzung des Abgeordneten- Hauses vom 30. Januar wurde durch den Abgeordneten Kallenbach der Wunsch ausgesprochen, daß am Gymnasium in Straß bürg (Westpreußen) jüdischer Religionsunterricht ertheilt werde. Geh. Rath Dahrenstedt (als Regierungs- Commissarius) erwiderte, daß vom Jahr 1875 ab die Einrichtung des jüdischen Religionsunterrichts erfolgen werde. Was zu Straßburg recht, ist anderwärts billig; und es unterliegt also keinem Zweifel, daß die preußische Regierung geneigt ist, für den Religionsunterricht jüdischer Kinder an höheren Schulen nach Maßgabe der Verhältnisse Sorge zu tragen. — Das wurde verhandelt einen Tag nach der großen Redeschlacht zwischen den Centrumsmännern Reichensperger und Mallinckrodt einerseits und dem altkatholischen Abgeordneten Petri und dem Cultusminister Dr. Falk andrerseits, Schlachten, wie sie jetzt leider in jenem Hause zur Tagesordnung gehören und den Frieden des deutschen Volkes vergiften. Es handelte sich um eine Etatsposition; es wurden zu ״Bedürfnißzuschüssen und einmaligen Unterstützungen, insbesondere für einen neuen katholischen Bischof (dem altkatholischen Bischof Reinkens) 16,000 Thaler gefordert. Lumpige 16,000 Thaler! Was will das für den preußischen Staat heißen? Und darum so viel Lärm? Allein der Herr Cultusminister bemerkte und gestand zu, daß die Regierung sich mit diesem Anträge resp. mit den Altkatholiken und ihrem Bischöfe eine Waffe habe schaffen wollen gegen Rom und das erbitterte die Römlinge! — Nun, wir haben gewiß nichts dagegen, wenn die preußische Regierung die Waffen gegen die geschworenen Feinde des Staats, der Cultur, der Ge- Wissensfreiheit schürft und mehrt und wir mißgönnen den Altkatholiken ihren Zuschuß nicht. Aber wir weisen auf das hin, was in diesen Blättern bereits hervorgehoben wurde, als diese Etatsposition zum ersten Male austauchte. Der Altkatholiken gibt es nach den Angaben in derselben Sitzung überhaupt jetzt 70,028 und die Zahl der fest constituirten Gemeindeglieder wird auf 4342 geschätzt. In dieser Gesammtzahl sind die Altkatholischen von ganz Deutschland eingerechnet. In Preußen wird wohl kaum die Hälfte davon zu suchen sein. Trotz des Redekampfes über Alt- und Neukatholicismus dürfen wir als unleugbar annehmen, daß es Altkatholiken doch erst seit etwa 3 Jahren gibt, daß sie in Folge der vaticanischen Beschlüsse vom 2. Juli 1870 sich aus der bis dahin allein vorhandenen katholischen Kirche abgezweigt. Nun, wie kann gegenüber diesen Thatsachen eine Berechtigung der jüdischen Gesammtheit zu Anforderung von Beisteuern für Cultusbedürfnisse geleugnet werden; der Juden, die seit unvordenklichen Zeiten in Preußen wohnen, dort gleichberechtigte Bürger sind und wohl in vielleicht zwanzigmal so großer Zahl, als die Altkatholiken? Sind die Juden vielleicht in dem Kampfe gegen Rom weniger sicher als die Altkatholiken? — Wir weisen hin auf die Wahlen, auf die gewählten jüdischen Abgeordneten und Reichstagsmitglieder, die zu den sichersten Nationalliberalen und Fortschrittsmännern gehören. Die Sache ist anscheinend so einfach und wir glauben, daß die preußische Regierung nicht abgeneigt sein kann, die Gerechtigkeit solcher Forderungen an die Staatscaffe, wenn sie gestellt würden, anzuerkennen. Aber sie werden nicht gestellt und können nicht gestellt werden. Wohl erhielten wir! vor einigen Tagen den Abdruck einer Petition des Rabbiners j und Vorstands der jüdischen Gemeinde in Trier, welche diese Consequenzen mit warmen und beredten Worten zieht; aber die jüdischen Abgeordneten Lasker und Marburg schweigen. Warum? Es ist eine eigenthümliche Thatsache, daß neue Theorien, Probleme, Tendenzen und Principien stets zu allererst Anwendung finden in Bezug auf das Judenthum, und daß der Jude sich scheut, gegen die im Geiste der Zeit aufgestellten Theorien anzukämpfen, obgleich sie im Christenthum noch lange keine Geltung haben und erlangen können. Da spricht man von unbedingter Gewissensfreiheit — und während das Christenthum diese nicht beeinträchtigt findet durch Synodal- und Gemeindeverfaffungen, soll sich im Judenthum alsbald die Auflösung in Atome vollziehen; der Bestand der jüdischen Gemeinde allein wird dem Principe geopfert. Da spricht man von der confessionslosen Schule — und entzieht dem jüdischen Lehrer als Consequenz alle Rechte, während noch viele Dezennien darüber hingehen können, bevor man an die Durchführung des Princips der Gemeindeschule und! an die folgerichtige Anstellung jüdischer Lehrer an solchen! Schulen (in Preußen, wir hoffen, nicht so in Süddeutschland!! Redaction) auch nur denken kann. Man spricht von der;u j } 1: 1