Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 5 (3.2.1874)
- Date
- 1874-02-03
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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( 39 ten sie sich; auf ihn hofften unb »jjfrauten sie. Von ihm er- 1a warteten sie Heil, Trost, ErhöruyZ^Genesung für alle Wun- ^.ben, Erlösung von allen Leiben. Sie brachten ihm bie reichsten Geschenke unb Opfer; ״was nützt auch alle Habe, wenn ber Erlöser balb auszieht unb wir mit ihm?" Unb er war ein wirklicher Erlöser, ein Abgott, ihr Stolz — ber wieberum in Menschengestalt umherwanbelnbe Messias. Bevor wir in unserer Erzählung weiterschreiten, gestatten wir uns einen Blick auf bie vorausgegangenen, hier einschlägigen Ereignisse, bie in ber jübischen Geschichte ein ziemlich bunkles Blatt füllen. Wir werben baburch einiges Licht erhalten über bas Wesen ber Sabbatianer. Klarheit werben wir freilich nicht verlangen; — ffe find sich ja in ber That selbst nicht klar. Aberwitz — unb Klarheit? Sabbatai Zwi war in Smyrna, etwa ums Jahr 1626 geboren. Von ungewöhnlicher Schönheit unb mit außerordentlichen Geistesgaben ausgerüstet, hatte er schon in seinem zwanzigsten Jahre einen Kreis von Schwärmern um sich versammelt, benen er bie Schwinbeleien ber Kabbala vortrug, bie er burch bie widersinnigen Schriften eines gewissen Lurza kennen gelernt hatte. Einflüsse der Zeit und die in seinem Elternhause genährte Hoffnung auf einen bald erscheinenden Messias brachte in ihm den Gedanken zur Reife, daß er der Erwartete sei, oder doch als solcher erscheinen könne. Hatte doch der ״heilige Sohar", ein Werk der ungezügelsten Phantasie und gottesschänderischen Lügen, schon prophezeit, daß A im Jahre 1648 die Erlösung beginnen oder doch mindestens vorbereitet werde. So offenbarte sich denn Sabbatai schon in seinem Zwanzigsten Jahr als Erlöser, mit dem die Gnadenzeit wieder angebrochen sei. Verfolgungen, die er von Heller- und Besferdenkenden in der jüdischen Gemeinde Smyrna erdulden mußte, nährten feinen Aberwitz und mehrten seine Anhänger. Er entfloh aus Smyrna und kam nach Kairo, von dort nach Jerusalem, fand überall Anhänger und Lügenpropheten aller Art, die seine Messianität der Welt verkündeten. Und die jüdische Welt glaubte! Ach, der Bedrückte, Elende glaubt ja so gern! Und das Geschlecht jener Zeit war niedergebeugt und geistesarm geworden durch äußeren und inneren Druck. Warum sollte es nicht ausjauchzen, wenn ihm ein Erlöser nahte? Ueberallhin drang die Kunde und überall verbreitete sich der Wahnsinn und vernichtete den Wohlstand und die sittliche Kraft, löste die alten Gemeindebande und brachte den entsetzlichsten Zwiespalt in die Judenheit, ja in die einzelnen Familien. Sabbatai aber nannte man ״den heiligen König", den ״Urmenschen", den Messias, und — Briefe und Erlasse begannen mit dem wahnsinnigen und verbrecherischen, gottschänbenschen Worte: ״Ich, ber Herr, euer Gott Sabbatai Zwi." Später in bie Enge getrieben, nahm er in Constantinopel ben Turban, würbe Muhamebaner, schwur ben Gott Israels ab! — Das störte jeboch seine Anhänger nicht; ber Schwinbel blühte fort, auch als bie türkische Regierung ihn in Fesseln legte. Hatte ja ״ber Messias" gesagt: ״Gott hat mich zum Israeliten gemacht; er befahl unb ich vollzog seinen Befehl." Man gab Alles für Täuschung, Geheimniß aus unb ber Unsinn wucherte unb siegte, trotz bes Bannes ber gelehrtesten unb frömmsten Rabbiner. — Seine Propheten weissagten gemüthlich weiter — unb bas Volk glaubte. Und als er todt war, glaubten sie auch noch an ihn. Unb an bie Spitze seiner Anhänger unb Gläubigen stellten sich jeberzeit Schwinbler, bie Zuchtunb Sittenlosigkeit — ober Ascese predigten, wie es ihnen gerade gefiel und bie Leichtgläubigkeit ber Menge mißbrauchten. Unb bieser Führer Einer, Elisa Schor, lebte jetzt in bem pobolischen Dörfchen, wohin bie obenerwähnten Wanberer zogen, unb wohin wir jetzt auch unsere geschätzten Leser uns im Geiste zu folgen bitten. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaction. Herrn Lehrer Schwab, unbekannt wo? — Es wird uns soeben Nr. 50 des Mainzer ,.Jsraelite" vorgelegt, worin ein .,Eingesandt" an meine Adresse. Es betrifft Rabbiner vr. Hirsch in B., den Sie. nicht der Correspondent unseres Blattes, namentlich anführen. Nun denn, wir haben keine Veranlassung, dem, was Sie über diesen Herrn Günstiges berichten, zu widersprechen. Hiergegen j halten wir mit jenem, in Unterfranken lebenden und bekannten Correspondenten die Wahrheit seiner Behauptung ebenfalls Wort für Wort aufrecht, die ja auch in Ihrem Eingesandt nicht widerlegt ist. Die Geschichte ist einfach und bekannt: fie betrifft eine einzige unleugbare Thatsache, die Sie nicht berühren. Wir finden uns deshalb bis auf Weiteres nicht veranlaßt, zu untersuchen, wie weit die anderen gerühmten Handlungen des Hrn. Dr. H. zu erweisen find. — Gegenüber der Aufforderung des Hrn. Ludwig Stern von Würzburg bleibt unser Correspondent ebenfalls auf seiner Behauptung und ist erbötig. die erforderlichen Beweise beizubringen. Wir möchten die beiden Herren gebeten haben, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Wir haben schon einmal angedeutet, daß wir Herrn Stern, trotz seiner einseitigen parteiischen Stellung auf religiösem Gebiete, doch ob feiner pädagogischen Kraft zu hoch stellen, um ihn allzusehr blosstellen zu wollen. Wird sich Hr. Stern mit dem Seminar zu Würzburg identificiren wollen? Wir können das nicht glauben. Uns dünkt, daß ein Seminarlehrer, der die Seele eines solchen ist, nimmermehr seine Stellung verlassen wird, wenn seinem gesegneten Wirken sich nicht unübersteigliche Hindernisse entgegenstellen und er seiner Aufgabe gewachsen ist. Es kann keinen schöneren Beruf geben, als der eines freiwirkenden Seminarlehrers. — Aber wenn das, was wir über das Seminar zu Würzburg gehört haben, auch nur znm zehnten Theil wahr ist, so begreifen wir Stern ganz gut. daß er da nicht verbleiben konnte. Wir nehmen Anstand, die betreffende Correspondenz, die sich auf Erlebnisse eines Zöglings der Anstalt beziehen, und die wir nach einem Theile, in Bezug auf einen gewissen St., aus eigener Erfahrung nur bestätigen können, zu veröffentlichen. Wird man uns nöthigen? — Nur eins: Ist es wahr, daß die Zöglinge des Seminars in W. wegen Uebertretung minutiöser Gesetze, wie z. B. das Nachhausetragen einer am Sabbath gefundenen Cigarrenspitze, das Trinken von Kaffee mit Milch im Kaffeehause, mit Gelb st rasen belegt werden und daß sie im Voraus zur Sicherung derselben bei ihrem Eintreten resp. am Ansange eines jeden Semesters Summen bis zu 50 fl. hinterlegen müssen? _