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Jüdische Volkszeitung · 1874-02-03 · 5 (3.2.1874) · p. Seite 36

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
5 (3.2.1874)
Date
1874-02-03
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 Minuten eintreten und dieselbe durch einen erbaulichen Vortrag ausgefüllt werden. Die Herren Rabbiner werden einige diesem Zwecke entsprechende, an biblische oder auch spätere Schriften sich anschließende Abhandlungen ausarbeiten, von welchen, in regelmäßiger Abwechselung, alljährlich eine durch einen hierzu befähigten Laien vorgetragen werden soll. Endlich hatte die Commission auch noch vorzuschlagen beschlossen, daß am Neujahrsfeste die vor dem Mußafgebete üblichen dreißig Schofartöne dem älteren Ritus gemäß, auf zehn reducirt werden möchten, und zwar auf תקיעה, שברים, תרועה, תקיעה. תקיעה, שברים, תקיעה. תקיעה, תרועה, תקיעה. Sie wurde hierbei von der Erwägung geleitet, daß auch dieser Ritus schon über die Traditionen der Mischnah hinausgeht, die überhaupt nur von neun Schofartönen berichtet, und auch nur von denen, welche inmitten des Mußafgebetes nach Beendigung eines jeden der drei Hauptstücke ,(ם^2י1ת וכרונות,שוברות) geblasen wurden. Da nun diese Schofartöne auch fernerhin unverändert bleiben, so läge bei den Tekioth vor dem Mußafgebete zu der erst aus späterer Zeit datirenden Vervielfachung kein ausreichender Grund vor. Mit Rücksicht jedoch darauf, daß, nach der Meinung einzelner Commissionsmitglieder, ein ansehnlicher Theil der Synagogenbesucher auf das Schofarblasen in seiner bisherigen Ausdehnung noch Gewicht legen soll, will die Commission von ihrem früheren Beschlüsse, obwohl sie denselben principiell für gerechtfertigt hält, zur Zeit Abstand nehmen." Corresponäenz. Ingellleim. Nach den bisher bekannten Wahlresultaten werden im deutschen Reichstag Sonnemann, Lasker, Ludwig Bamberger — im hiesigen Wahlbezirke — und Frankenkurzer Sitz haben; möglich ists, daß auch noch Dr. Oppenheim, der Herausgeber der ״Deutschen Vierteljahrsschrift", in der Nachwahl durchdringt. Jacobi (Königsberg) war in mehr als 10 Orten (von der Socialdemokratie) aufgestellt, blieb aber immer in der Minorität. Noch war der Oberhandelsgerichtsrath Dr. Goldschmidt (in Leipzig) in der Wahl. Bezeichnend mag sein, daß Lasker und Sonnemann sich in Frankfurt einander gegenüberstanden und daß Sonnemann seinen Sieg den Socialdemokraten, die sich bei der Nachwahl zu ihm schlugen, zu verdanken hat. Bezeichnend in der Wahl Bambergers ist die Signatur unseres Wahlbezirks, wo Katholiken und Protestanten sich fast gleichzählig gegenüberstehen. Bezeichnend ist femer, daß, indem in Mainz Muffang, ein Hauptagitator der Ultramontanen, gewählt werden sollte, man vielfach der Haltung der Juden die Schuld beimißt. Den Parteien nach gehören Lasker, Bamberger und wohl auch Frankenburger den Nationalliberalen an; Sonnemann ist Mitglied der ״Volkspartei", die nur in Süddeutschland sehr zahlreich, im Reichstag aber nur durch Sonnemann vertreten ist. Dr. Oppenheim, wenn er gewählt werden sollte, ist ebenfalls ״nationalliberal". — Daß Professor Dr. Lazarus bei den Wahlen in Berlin als Vorsteher eines Wahlcomitss für Simson, also ebenfalls einem ״Nationalliberalen" und einem ״aus jüdischen Stamme" thätig war, ist aus den Zeitungen bekannt. Wahrlich, wenn da die deutschen Christen noch über die Zugehörigkeit der Israeliten zur ״Nation" im Zweifel sein wollten, sie könnten nicht. Die hervorragendsten deutschjüdischen Namen sind Führer der Partei, die sich mit Recht die ״deutsch-nationale" nennen kann, und deren ״nationale" gar oft die ״liberale" Thätigkeit erstickt. Nürnberg. Die Stadt Nürnberg hat bei der jüngsten Wahl zum deutschen Reichstag bekanntlich den hiesigen Rechtsanwalt Herrn Frankenburger, Jsraelite, mit glänzender Stimmenmehrheit zu ihrem Abgeordneten bestimmt, nachdem sie vor etlichen Jahren denselben Herrn in gleicher Eigenschaft zu ihrem Vertreter beim Landtag in München ernannt hat. Dieses selbstredende Zeugniß wahrer Toleranz und Humanität ist ein offenbarer Beweis, wie der Sinn der hiesigen Bevölkerung dem milden, vorwärtsschreitenden Geiste unseres Jahr- Hunderts unbeirrt von allen obscuren Einflüssen die vollste Berechtigung zuerkennt. . Wohl ist es zunächst die Anerkennung des Verdienstes und die Würdigung des vortrefflichen Charakters eines eben so gelehrten als politisch fein geschulten Mannes, wie Frankenburger ist; indessen gibt es der tüchtigen Männer noch manche, welche trotz ihrer Vorzüge solcher Ehre sich nicht rühmen können. Wir mögen dies erfreuliche Ereigniß des Tages betrachten, wie wir wollen; die Stadt hat gezeigt, daß sie die Zeit in Wahrheit begreift nach des Dichters Wort: Das Band der Länder ist gehoben. Die alten Formen stürzen ein. Möge die gute Sache des Fortschritts und der Humanität immer mehr Raum gewinnen! Besonders erfreulich, wenn der intelligentere Jsraelite von der alten Exclusivität nicht mehr betroffen wird. B—n. Nus Prag bringt die ״Deutsche Zeitung" nachfolgenden Bericht, der uns beweist, was aus uns wird, wenn die Orthodoxie Sieger wird. Sie haben vor wenigen Tagen unter dem Titel: ״Auch ein Grund, sich confessionslos zu erklären", nach einem hiesigen Journale die wundersame Geschichte erzählt, wie die *י

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