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Jüdische Volkszeitung · 1874-02-03 · 5 (3.2.1874) · p. Seite 34

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
5 (3.2.1874)
Date
1874-02-03
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 Sowohl zum Zwecke der Kürzung des für den Gottesdienst erforderlichen Zeitmaßes als auch aus inneren Gründen müssen vielmehr auch in dem hebräischen Texte Aenderungen vorgenommen werden, wie solche zum Theil schon bei der Redaction des Gebetbuchs von Herrn Rabbiner Dr. Aub — im Drange der damaligen Verhältnisse aber ohne entsprechenden Erfolg — angestrebt wurden, zum Theil erst durch die im Laufe der Jahre geschehenen Beobachtungen und gesammelten Erfahrungen als nothwendig sich herausgestrllt haben. Ebenso erachtet die Commission einige Modification der hergebrachten gottesdienstlichen Einrichtungen für höchst wünschenswerth, um einerseits diese mit den festgehaltenen Principien mehr in Einklang zu bringen, andererseits den Gottesdienst im Ganzen würde- und weihevoller zu gestalten." Als Grundsätze der Aenderungen im hebräischen Texte gilt, daß consequent die Stellen, ״welche mit den Hoffnungen auf die Rückkehr nach Jerusalem, auf das Erscheinen eines politischen Messias und die Wiederherstellung eines jüdischen Meiches, welche mit den leitenden Principien im Widerspruche stehen", ausgeschieden werden müssen. Ferner sagt der Commissionsbericht: ״Soll indessen die vorzunehmende Revision eine möglichst correcte und zweckentsprechende sein, so kann es bei der Ausscheidung oder Umbildung solcher oder ähnlicher Stellen allein nicht bewenden, sondern müssen die leitenden Principien überall und mit logischer Consequenz durchgeführt werden. Hat man den ehemaligen Thieropfercultus als einen allenfalls zu jener Zeit entsprechenden, aber keinesweges an sich angemessenen Ausdruck religiöser Empfindung erkannt und in dieser Erkenntniß die Bitte um Wiederherstellung desselben beseitigt, so muß man folgerecht mit den — namentlich im Mußafgebete — noch beibehaltenen historischen Reminiscenzen in gleicher Weise verfahren, da auch die Erinnernng an die früheren Thieropfer und die Aufzählung der einzelnen Opfergattungen auf das Gemüth des Betenden keinen Eindruck mehr machen können. Dasselbe gilt von den auf das versuchte Sohnesopfer — — bezüglichen Stellen. Die Darbringung von Menschenopfern erscheint nicht blos der späteren Zeit als ein unmenschlicher Act, sondern ist als solcher schon in der heiligen Schrift verpönt. Die Bibel bezeichnet die Opferung des Sohnes und der Tochter als ״Gräuel" und verbietet solche Opfer mit nachdrucksvollen Worten. Auch den biblischen Vorschriften sogar und nicht blos unserem Zeitbewußtsein widerstrebt es also, wenn wir die Bereitwilligkeit, den Sohn zu opfem, im Gebete verherrlichen und, im Hinblick auf die Akedah, Gottes besondere Gnade für Israel anrufen. Unvereinbar mit den Grundgedanken des Gebetbuchs sind ferner: 3.) der Hinweis auf das mit dem ehemaligen Tempelgottesdienst zusammenhängende Priesterthum, das für die Jetztzeit alle Bedeutung verloren hat; b) die Schilderungen der Engel und ihrer Thätigkeit, Schilderungen, welche zum Theil in dem Judenthume ganz ftemden Vorstellungen von den Himmel belebenden Geistern wurzeln, zum Theil den visionären Darstellungen Ezechiels entstammen. Sodann bedürfen verschiedene Sätze, in welchen die Stellung und die weltgeschichtliche Mission Israels hervorgehoben werden, insofern der Modification, als seine religiöse Ausgäbe allerdings scharf und nachdrücklich betont, dagegen jeder auch nur scheinbar auf eine nationale Absonderung hindeutende und jede mit einem schroffen Seitenblick auf andere Völker verbundene Selbstüberhebung vermieden werden muß. Endlich müssen manche Formeln gekürzt und vereinfacht werden, weil die Ueberschwänglichkeiten im Ausdruck, die hintereinanderfolgenden Wiederholungen eines und desselben Gedankens, und die Anhäufung von Synonymen den Eindruck des Gebets nur zu schwächen und nicht zu stärken geeignet sind." Ferner sagt der Commissionsbericht: ״Was die Uebersetzungen anbetrifft, so ist zu beachten, daß dieselben vorzugsweise für der hebräischen Sprache Unkundige bestimmt sind, mithin sich nicht allzusehr an die hebräische Ausdrucksweise anichmiegen dürfen, sondern in einem dem Leser heimischeren und sein Gemüth ansprechenden Tone bearbeitet werden müssen. Es erscheint daher zweckmäßig, daß nur bei Uebersetzung derjenigen Stücke, welche für die Liturgie aus den biblischen Schriften entnommen sind, möglichst wortgetreu, sonst aber freier verfahren werde, um, unter Wahrung des wesentlichen Textinhalts, denselben der deutschen Denk- und Sprechweise anzupassen. Die Umarbeitung der Uebersetzungen bleibt zur Zeit noch Vorbehalten*), da es zunächst über die Commissionsvorschläge überhaupt, insofern diese auf einen Umdruck des Gebetbuchs abzielen, eines definitiven Gemeindebeschlusses bedarf. — Im Zusammenhänge mit den liturgischen stehen auch diejenigen Aenderungen, welche der Commission in Bezug auf die Vorlesung aus der Thora und den prophetischen Büchern nothwendig erscheinen. *) Dagegen sind die selbstständigen deutschen Gebete größtentheils sofort redigirt worden und als Anlage 6. dem Berichte beigefügt.

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