Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 5 (3.2.1874)
- Date
- 1874-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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t Wochenschrift rctttttlc Lestelluagea m nehmen alle Postanst ltcn und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!!1k Ngr. ^rmrrndr mb ßt\uht I^nsgogr mb Arllw. ז«נ««!. sind an die Verlagshandlung von Joh. Friede. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. HimgMslsw in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. s. Leipzig, den 3. Februar. 1874. I a k a k t : Die Revision des Gebetbuches der neuen Synagoge in Berlin. — Correspondenzen: Ingelheim. Nürnberg. Aus Prag. — Literarisches. — Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach.— Briefkasten der Redaction. — Anzeigen. Die Revision äe8 Gebetbuches äer neuen ^ljnagoge in Kerkin. Die Synode hat eine Commission für den Cultus niedergesetzt. Wir glaubten, daß dadurch die einzelnen Religionsgemeinden, welche die Synode beschickten, gewissermaßen moralisch verpflichtet seien, alle weiteren Veränderungen im Cultus zu unterlassen, bis jene ihr Elaborat veröffentlicht und die Synode entschieden hat. Wir erfahren nun, daß eine Commission in Berlin zufolge Gemeindebeschluß über eine Revision des dortigen Gebetbuches, das seiner Zeit von Dr. Aub redigirt wurde, sich ausgesprochen hat. Dieser Commissionsbericht liegt uns vor. Mit tiefem Schmerze constatiren wir, daß wir glauben, daß damit das Todesurtheil der Synode gesprochen ist. Jedenfalls ist für eine lange Zeitdauer jedem gemeinsamen Vorgehen auf dem Gebiete der Reform die Möglichkeit abgeschnitten, wenn die bedeutendste Gemeinde selbstständig vorgeht; wenn die Männer, welche das Präsidium der Synode bildeten, an einer Commissionsarbeit sich betheiligen, welche mit den Bestrebungen der Synode gleichsam in Concurrenz tritt. Wir bedauern dies tief; aber wir waren darauf vorbereitet - der Zug der Zeit, den wir seit lange zu beobachten hinlänglich Gelegenheit gefunden haben, deutet auf Neutralisirung aller, auch der bestgemeintesten Bestrebungen hin, die auf die Erkräftigung der fteigesinnten, aber positiven Richtung im Judenthum abzielen. Was den christlichen Richtungen der verschiedensten Art gelingt sich zu consolidiren, auf gegebenem Boden zu einigen, — es gelingt im Judenthum nur der orthodoxen Partei. Und gerade diese ist das, was sie ist, nur etfcs Partei, nicht als Richtung. In Wahrheit recrutirt sie sich aus den oppositionellen Elementen der verschiedensten Art in den Gemeinden, bei denen an eine übereinstimmende Ueberzeugung nicht im Entferntesten gedacht werden kann. Die Uebrigen sind indifferent und dies ist der Tod. Was vermögen die wenigen Reste überzeugungstreuer, begeisterter Juden gegen diese Calamität? Doch, es ist einmal so, und so müssen wir rechnen mit den vorhandenen Elementen und auf diesem Boden können wir dem vorliegenden Commissionsberichte unsere Zustimmung im Ganzen und Großen nicht versagen. Er sucht den Principien der auf der Basis des Bestehenden sich entwickelnden Reform gerecht zu werden und ist im Allgemeinen der Ausdruck der Ueberzeugungen, welche im Judenthume unserer Zeit leben. Ueber die Entstehung der Commissionsvorschläge spricht er sich folgendermaßen aus: ״An den Commissionssitzungen betheiligten sich — dem Gemeindebeschlusse gemäß — unausgesetzt auch die Herren Rabbiner Dr. Aub, Rabbiner Dr. Geiger und Rabbinatsassessor Dr. Ungerleider. Dieselben bildeten in Gemeinschaft mit dem Commissionsmitgliede Herrn Professor Dr. Lazarus ein Subcomits, welches seine Ansichten und Vorschläge dem Plenum der Commission zur Erwägung und Beschlußnahme unterbreitete. Bei den solchergestalt fortgesetzten, in den Gegenstand immer tiefer eindringenden Verhandlungen gelangte man indessen zu der Erkenntniß, daß die vorzunehmende Durchsicht keineswegs auf den deutschen Theil beschränkt bleiben könne.