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Jüdische Volkszeitung · 1874-01-20 · 3 (20.1.1874) · p. Seite 21

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
3 (20.1.1874)
Date
1874-01-20
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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21 Gefängniß geworfen. Da der Jude nur gethan hatte, was im ganzen Lande üblich sei — indem die Arbeiter mit dem empfangenen Lohn die Pfänder treulich wieder auslösen — bittet man die Allianz um ihre Vermittelung. — Beschluß wie Nr. 6. 8) Hr. Löwy von London, der die Lage der Juden in Persien zum Gegenstand seiner Erforschungen gemacht hat, spricht seine Ueberzeugung dahin aus: es könne unseren Glaubensgenossen in diesem Lande nur geholfen werden, wenn man jährlich mindestens 20 junge Israeliten nach Europa kommen ließe und ihnen eine Erziehung gäbe, durch welche sie, in ihr Vaterland zurückgekehrt, in den Stand gesetzt würden, ihr Fortkommen zu finden. — Der Ausschuß erwartet Berichte aus Persien und wird sich nach dem Eintreffen über den Vorschlag schlüssig machen. Corresponäenz. Lanäau i. (1. Matz. Wenn es im geistigen wie im physischen Leben wäre: daß dasselbe um so gesunder sein müßte, je weniger man davon empfindet, wie dies bekanntlich bei den leiblichen Organen der Fall ist, so müßte in der Pfalz das gesündeste, kräftigste Geistesleben, besonders unter unseren Glaubensgenossen herrschen. Denn Todesstille herrscht hier überall. Ganz besonders aber ist dies in Bezug auf das religiöse Gebiet der Fall. Man sollte kaum glauben, daß hier jüdische Gemeinden oder Synagogen bestehen. Selbst die Blitze der Jungorthodoxie, die einige Zeit auch in der Pfalz unter ״Donnergepolter" geschleudert wurden, scheinen verloschen zu sein. Und Letzteres wenigstens dürfen wir als ein Zeichen innerer Gesundheit betrachten. Es ist eben in der That in der Pfalz kein Boden für solche Wühlereien. Einzelne An- Hänger finden sich auch hier wohl, allein sie sind zu sporadisch vertheilt und genießen zu wenig Ansehen, als daß sie auf bedeutenden Erfolg rechnen könnten. Das gewöhnliche Mittel dieser Leute: den Klatsch auszubeuten, um den Gegner in den Koth zu ziehen, verfängt auf die Dauer auch nicht. Die fast hundertjährige gesetzlich freie Bewegung der Israeliten, die dadurch geweckte und bethätigte Thsilnahme an den allgemeinen socialen Angelegenheiten in der politischen Gemeinde, dem Kreise und dem Staate hat den Blick von jener beschränkten Besonderheit abgezogen, die ihre Freude an dem kleinlichen, zanksüchtigen Treiben in separatistischen Kreisen findet. Inzwischen leiden wir, vielleicht gerade durch die angegebenen Verhältniffe, an der allgemeinen Krankheit in den heutigen jüdischen Kreism, dem Jndifferentismus, ganz besonders. Viele der intelligenten Männer wenden ihre Aufmerksamkeit den allgemeinen öffentlichen Angelegenheiten zu und ignoriren das jüdische Religiöse, und die Anderen, natürlich wie überall, die unendliche Majorität, lassen es eben gehen, wie es geht. Wenn junge, tüchtige, wissentliche Kräfte in die Pfalz gekommen wären, die ein ebenso warmes Herz für den väterlichen Glauben, wie eine freie, gesunde Richtung bewährt hätten, gepaart mit der Kenntniß des Volksgeistes, statt daß so völlig fremde Elemente, um von Anderem zu schweigen, hereingeschleudert wurden, die, statt sich anzuschließen an die vorhandenen Kräfte, nur durch Gegensatz, nur dadurch, daß sie in dem Streben מתכבד בקלון וחברו zu sein, sich Geltung zu verschaffen suchen: es wäre sicher anders und besser geworden. Der gesunde Sinn des Volkes, der sich jetzt unwillig abwendet, würde gesiegt und das religiöse Leben sich gehoben haben. Auch von dem jüdischen Schulwesen läßt sich leider nicht viel Glänzendes berichten. Viele kleine Gemeinden sind auf den Aussterbeetat gestellt. Ein Theil der Mitglieder, natürlich die wohlhabenderen, siedeln häufig in Städte über, die Alten gehen dahin, und die Jugend ist längst nicht mehr an die Scholle gebunden: Hunderte von jüdischen Jünglingen aus der Pfalz suchen ihr Glück jenseits des Meeres. Aber auch da, wo jüdische Schulen bestehen, wird dem Hebräischen, diesem, nach unserer Ansicht, sichersten Mittel durch Verstände niß der Gebete und, eines Theils wenigstens, der h. Schrift, dem Jndifferentismus ebenso, wie der abergläubischen, jeden Fortschritt perhorrescirenden Frömmelei entgegen zu arbeiten, allzu wenig Aufmerksamkeit mehr geschenkt. In den Städten bricht sich die Communalschule immer mehr Bahn, und so segensreich und wünschenswerth dies auch in vieler Hinsicht ist, besonders vom Standpunkt des allgemeinen socialen Lebens, jenem Unterrichtszweig kann sie schon aus Mangel an Zeit nicht förderlich sein. In anderen Gemeinden sind es andere Factoren, die dem Gedeihen entgegenstehen. Vielleicht trägt auch der Bildungsgang vieler unserer Lehrer einige Schuld daran. — Jedenfalls muß es jeden Denkenden, der die hohe Bedeutung eines gediegenen Religionsunterrichts für die Entfaltung wahrhaft religiösen Lebens kennt, mit tiefem Schmerz erfüllen, wenn er dis Zustände, wie sie gar zu häufig jetzt bestehen, mit jenem regen Streben vergleicht, wo, wie noch vor nicht langer Zeit neben dem gedeihlichsten, tüchtigsten Elementarunterrichte so Bedeutendes auch in jenen Gegenständen geleistet ward. Der verehr!. Redacteur der ״Jüdischen Volkszeitung" wird sich noch mit Freuden der Zusammenkünfte bei dem Herrn Jnstitutsvorsteher Lehmann in Neustadt a. d. H. (jetzt in Nürnberg) erinnern und der zum Theil so tüchtigen Kräfte, die dort zum Zwecke der Hebung des jüdischen Schul- Wesens tagten. (Schluß folgt.) Piksen. Gestatten Sie, zu der in Nr. 52 Ihres geschätzten Blattes enthaltenen Correspondenz ״Aus Süddeutschland, 14. Dec." einige Bemerkungen zu machen, deren Ver-

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