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Jüdische Volkszeitung · 1874-01-20 · 3 (20.1.1874) · p. Seite 20

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
3 (20.1.1874)
Date
1874-01-20
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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f/ 20 vorgezogen werden müsse. — Einstimmig wird beschlossen: 1) der von D1\ Bamberger verlangte jährliche Credit von 1000 Thlrn., sowie 2) der von Dr. Schwarz beantragte Credit von jährlich 800 Thlrn. sind beide ins Budget der Allianz einzutragen; 3) der ein Depot oder ein vorläufiges Unterbringen der Kinder betreffende Vorschlag soll einer von vr. Schwarz vorgeschlagenen baldmöglichst zusammen tretenden Conferenz unterbreitet werden; 4) diese Conferenz solle zugleich andere das gute Werk in Rußland betreffende Fragen erledigen und die Mittel zur Vermehrung der Hülfsquellen studiren; 5) sie solle namentlich auch die durch die amerikanische Krisis und die Jahreszeit unterbrochene Auswanderungsangelegenheit in die Hand nehmen; 6) der Centralausschuß, welcher es der Großmuth und Freigebigkeit eines seiner Mitglieder verdankt,*) daß er über die zur Fortsetzung des guten Werkes in Rußland nöthigen Mittel verfügt, glaubt auf die kräftige Mit- Wirkung seiner Mitglieder und Local-Vereine in Deutschland, England, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Holland, Italien und Amerika rechnen zu dürfen, um durch ihre edelmüthige Beihülfe dieses so große und so nützliche Werk gehörig fortsetzen zu können. (Wir haben über diese Angelegenheit eingehend und ausführlich berichtet, weil wir sie für unendlich wichtig und weitgreifend halten. In jenen Gegenden, wo sich eine jüdische Bevölkerung dichter zusammengedrängt hat, als auf irgend einem Punkte der Erde und wo, theils in Folge dieser starken Vermehrung, theils in Folge beschränkender Gesetze und Verwaltungsmaßregeln der Obscurentismus und der Pauperismus in erschreckendster Weise zunehmen, hier die frische Luft des Lebens, das Helle Licht der Erziehung und des Unterrichts, den Segen der Arbeit zu verbreiten — das ist eine eben so große als verdienstvolle, der israelitischen Allianz vollkommen würdige Aufgabe, die auch wir mit unseren schwachen Kräften nach bestem Wissen und Willen zu fördern bemüht sein werden.) Anderes Mittheilenswerthes aus dem Berichte: 1) Die Erben des Hrn. L. R. Bischofsheim, ehemaligen Mitglieds des Centralsausschusses, haben der Allianz ein Geschenk von 20,000 Franken Übermacht. 2) 255 neue Mitglieder sind angemeldet. Hr. vr. Salvendi in Dürkheim theilt mit, daß sich in Neustadt a. d. Haardt ein Local-Ausschuß gebildet habe. 3) Hr. Hart von New-Pork theilt mit, daß die Anstrengungen des Ausschusses zu Gunsten neu eingewanderter *) Aus den ״Arch. isr." entnehmen wir, daß dies Hr. Goldschmidt, einer der Vicepräsidenten, ist, der zu diesem Zwecke 50,000 Fr. der Allianz zur Verfügung zu stellen sich bereit erklärt hat. Juden sehr gute Resultate gehabt hätten, so daß Letztere in den Stand gesetzt wurden, sofort für sich selbst sorgen zu können. Wenn in letzterer Zeit einige rumänische Familien in ihr Vaterland zurückgesandt werden mußten, so sei daran einzig die jetzt in Amerika herrschende Krisis schuld. (Wir möchten doch wünschen, daß die in der Auswanderung praktisch thätigen Männer mit strengster Beharrlichkeit nur arbeitsfähige und arbeitswillige Leute zur Auswanderung zuließen.) 4) Die wichtige Frage der Reorganisation des ganz zerrütteten, ja im Augenblick fast gar nicht mehr existirenden israelitischen Schulwesens in Constantinopel betreffend, so liegt das Haupthinderniß derselben in der dort herrschenden Uneinigkeit der Israeliten selbst. Der Centralausschuß ernennt eine Commission (Motho, Bechar, Eskenasi und Coen), die sich mit den Führern der verschiedenen Parteien besprechen, eine Einigung unter ihnen anstreben und in einer nächsten Sitzung über den Erfolg ihrer Bemühungen Bericht erstatten sollen. 5) Die Schulen betreffend: Nachrichten aus Brüssel, Berlin und Amsterdam zufolge versprechen die Sammlungen für die Ackerbauschule zu Jaffa guten Erfolg. Die Allianz in Wien wird 100 Pfund Sterling für dieselbe beitragen. — In Larache ist die Schule in gutem Gang; 70 Kinder, die früher in den Straßen vagabondirten und sie mit ihrem Lärm erfüllten, folgen dem Unterrichte mit Eifer und fangen an, sich an Zucht und Ordnung zu gewöhnen. — Dagegen wird aus Larissa sehr über das Uebelwollen der Eltern selbst und über ein Deficit geklagt, das nur durch neue Beihülfe der Allianz gedeckt werden kann. (Es werden 500 Fr. bewilligt.) In Rustschuk, Salonichi und Smyrna sind die Schulen endlich organisirt und in gutem Gange. In Tanger ist die unter dem Schutz der Allianz stehende Arbeitsschule von 10 Schneidern, 5 Schuhmachern, 2 Schreinern, 2 Zimmerleuten und 1 Barbier besucht. In Tetuan (wo vr. Palma die von der Krätze ergriffene Jugend behandelt) wünscht der Lehrer Gogman eine gleiche Einrichtung wie in Tanger, um Jünglinge, die gerne arbeiten möchten, der Faulheit und dem Elende zu entreißen. Der Ausschuß gewährt einen Credit zu monatlichen Unterstützungen für 20 Handwerkslehrlinge. Die Schule in Widdin vermehrt sich und in Volo hat bereits ein Dutzend die Abendschule besuchender junger Leute Arbeit gefunden. 6) Nachrichten aus Sus (in Marocco) sprechen von den Bedrückungen und Plünderungen, denen die dortigen Jsraeliten, Seitens der Behörden selbst, ausgesetzt seien. — Es werden nähere Erkundigungen darüber eingezogen werden. 7) In Tunis verpfändete ein Jude, ein Silberborten- Verfertiger, Gegenstände, welche ihm ein Araber zum Ausbeffern gegeben hatte. Er erhielt die Bastonnade auf die Fußsohlen, bis das Blut in Strömen floß, und wurde ins < * ' f;

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