Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 3 (20.1.1874)
- Date
- 1874-01-20
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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rssüajB ■י\ V ־יי 19 der Wissenschaft zur möglichst verklärten Potenz seiner Entfaltung fortbilden und den Gottglauben dieser Maßen also gestalten müssen, daß Intelligenz sowohl als höchste Sittlichkeit, göttliches Wohlgefallen und menschliches Wohl darin ihre vollste Befriedigung finden. Jegliches anders, sei es mit Ueberwiegen der Phantasie oder des Verstandes, angelegte Religionssystem trägt unwiderbringlich von Anfang an den Keim der Fäulniß in seinem Schooße und hat weder eine Gegenwart, noch weniger eine Zukunft. Mag auch der Stolz und die Selbstüberhebung der gelehrten, bei aller liberalen Gesinnung doch geringschätzig auf den Urquell aller wahren Moral und Religion herabblickenden Herren sich trotzig dagegen auflehnen und sträuben, doch wird ״Der Stein, den die Bauleute verachteten, Am Ende der Tage zum Ecksteine werden." Berlin, am Chanuka-Neumond 5634 (21. Dec. 1873). Dr. M. St. Der Decernber-Kerickt äer ,Müianz" beschäftigt sich größtentheils nur mit den in Bezug auf die russischen (polnischen) Israeliten zu unternehmenden Schritte. Dr. Bamberger in Königsberg faßt diese letztere in zwei Punkte zusammen: 1) die Auswanderung, 2) die Erziehung der Waisen und das Erlemen eines Handwerks. Ersteres betreffend, so müßten jedes Jahr mindestens 100 Personen, 20 Familien und 20 Ledige, befördert werden, was eine jährliche Ausgabe von 5000 Thlr. erfordere. Letzteres -müsse mit großer Energie fortgesetzt werden. Es handle sich, setzt derselbe auseinander — und darin stimmen wir ihm vollkommen bei — nicht blos um die Opfer der letzten Hungersnoth, sondem es litten dort die Juden unter permanenten Uebelständen, die zu lindern eine Pflicht der Allianz sei. Er schlägt vor, ein Depot zu gründen, wo die Kinder vorläufig und auf die Dauer von sechs Monaten untergebracht werden sollen, theils um sie für ihre zukünftige Bestimmung vorzubereiten, theils um diejenigen wieder in ihre Heimath zurücksenden zu können, die keinen Erfolg versprächen — es würden dadurch sehr viele unnöthige Kosten erspart werden. — Dr. Schwarz in Cöln schließt sich diesen Ausführungen völlig an. Die russischen und polnischen Israeliten, bemerkt derselbe, haben nicht weniger Ansprüche auf unsere Sorgfalt, als die des Orients, und da es uns unmöglich sei, bei ihnen Schulen zu gründen, bleibe uns nichts anderes übrig, als die׳ Kinder zu erziehen, die zu uns kommen. Auch käme es dabei gar nicht darauf an, ob diese noch ihre Eltern haben oder nicht; aller geistigen, moralischen, gewerblichen Erziehung beraubt, seien beide Categorien gleich bedauemswerth. Auch er ist für eine neue Organisation dieses guten Werkes (bis zum 1. Juli 1870 waren vom Cölner Comits 62 polnische Kinder untergebracht; jetzt sind es deren 70, von denen 19 durch Privatleute adoptirt worden sind). — Auch Dr. Neumann in Berlin hält, bei der geistigen und materiellen Verkommenheit der zu unterstützenden Bevölkerung, die Auswanderung, die Erziehung der Waisen und das Erlernen eines Handwerks für die drei einzig möglichen und wirksamen Hülfsmittel und schlägt eine Conferenz zur Berathung der Angelegenheit vor. Ein Auftuf zu Beiträgen würde in diesem Augenblicke einerseits nicht von gehörigem Erfolge sein, andererseits eine zu große Masse Hülfesuchender und Auswanderer herbeiziehen. — Zu einer solchen Conferenz schlägt Dr. Landsberg aus Liegnitz Königsberg vor und drückt den Wunsch aus, daß der Centralausschuß der Allianz dabei vertreten sei. — Eine Conferenz wünscht Dr. Treuenfels in Stettin, der Jahreszeit wegen, noch verschoben, glaubt auch nicht, daß man sich in diesem Augenblick mit der Auswanderungsfrage beschäftigen solle, legt dagegen desto mehr Gewicht auf die Erziehung von Kindern — Waisen oder nicht —, da die Ursache der schrecklichen Hungersnoth von 1869, eine verfehlte Ernte, jederzeit dieselbe Noth wieder herbeiführen könnte. — Hr. E. Ponheinoli aus Vercelli behauptet, daß es nur ein einziges Mittel gegen die religiösen Vorurtheike und gegen den Pauperismus gäbe: die Arbeit (bravo!) und daß wir unsere Glaubensgenossen daran gewöhnen müßten, nur von der Arbeit ihr Heil J 3« erwarten. Um zu arbeiten, sei es aber nicht nöthig nach Amerika zu gehen (wenn aber in der Heimath, beim besten Willen, sich die Gelegenheit Zur Verwerthung der Arbeitskraft nicht bietet, wie dies in den theilweise mit Juden überfüllten polnischen und westrussischen Dörfern thatsächlich der Fall ist?!). Er sei daher gegen die Auswanderung, aber für Erziehung der Kinder und das Erlernen eines Handwerkes. — Der in der Sitzung anwesende Herr Benjamin Hart, Präsident des Ausschusses von Nerv-Jork, macht Mittheilungen über die der Auswanderung geleistete Beihülfe, fügt jedoch hinzu, daß dieselbe wegen der in Amerika jetzt herrschenden Krisis momentan unterbrochen sei. — Sämmtliche anwesende Glieder des Ausschusses sind der Ansicht, daß das gute Werk in Rußland allerdings in den Zwecken der Anstalt liege mit gleichem Rechte, wie das im Orient. Nicht zu verkennen sei jedoch, daß das Letztere bei weit geringeren Kosten einen viel ausgedehnteren Erfolg darböte: Ganze Städte zögen Nutzen aus dem bei ihnen ertheilten Unterricht, dessen ersprießliche Folgen sich auf Generationen hinaus verbreiteten, während bei dem guten Werke in Rußland die Wohlthaten nur einer kleinen Anzahl von Personen zu gute kämen und die heilsamen Folgen sich nur auf einen beschränkten Kreis ausdehnen könnten, weshalb, nach der Behauptung eines Mitgliedes, das gute Werk der Schulen im Orient, als nützlicher und wirksamer, dem russischen