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Jüdische Volkszeitung · 1874-01-13 · 2 (13.1.1874) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
2 (13.1.1874)
Date
1874-01-13
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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י , י "י*־ -- 11 behütet oder preisgegeben, beseligt oder verdammt,*) wird er oagegcn hier zu einem Erzeugmß des All- und insbesondere des irdischen Lebens, das sich nun in eigener Kraft(!) auf dem Boden der irdischen Natur emporgearbeitet hat und mehr und mehr emporarbeitet aus unbekannte Höhen, zu seinem großen Geistesleben, das ihn über die Natur erhebt, ohne doch die Wurzeln seines Daseins aus ihren: Boden zu lösen, auf diesen: Boden seines Lebens eigener Schmied, zugleich aber von dessen Einflüssen sich nie ganz befreiend, wie der Baum, der Blüthen und Früchte selber treibt, aber im Boden wurzelt und von der Witterung abhängig bleibt. So wird die Menschengeschichte des Menschen That, und nicht blos die äußere, sondern auch die innere, auch seine Erkenntniß, auch seine Religion wird zu seiner eigenen That; er selbst, Natur und Menschenverhältnisse bestimmen sein Geschick." , (Schluß folgt.) Stelle gerückt, sondern ist vielmehr für den Unkundigen in der jüdischen Kasuistik ein neuer Ast an dem schon Vorhändenen dickleibigen Stamm. *) — Die weitere Bemerkung: das Gesetz ist schon sehr alt, ist ganz überflüssig, weil selbstverstündlich. Näher liegt die Vermuthung, daß das mehrerwähnte Gesetz mit anderen חקיס, wie Schaatnes, Chliaim, Orla, als ״naturwidriges" und darum verpönt ist; — dies natürlich vorbehaltlich: ״Vermuthungen sind keine Beweise". Wenn aber der Correspondent positiv eruirt: ״das Gesetz hat bekanntlich einen Humanitären Grund", so muß doch die weitere Frage, worin hat es seinen Grund, als schon im *) Daß das Gesetz לא תבשל מ״׳ seine Knabenschuhe längst abgelegt hat, ist all!nä!rniglich bekannt. Ein angehender Talmudjünger weiß auch: Cvrrejpom1enz. Nürnberg. Ein in hiesiger Stadt seither als Apothekergehülfe beschäftigter junger Mann, Namens Weglehner, protestantischer Confession, welcher schon mehrere Jahre mit einer dahier wohnhaften jüdischen Dame ein Liebesverhältniß pflegte, ist vor Kurzem in Wien zun: Judenthum übergetreten, nachdem er sich der Milah ebendaselbst unterzogen hat und den Namen Gerson erhalten. Demnächst soll nun die Hochzeit des interessanten Paares stattstnden, das nun a::ch religiös geeinigt in den Bund der Ehe treten wird. Wenn auch schon öfters dagewesen, so ist die Fama doch vielfach mit dem Ereigniß beschäftigt und, wie nicht anders denkbar, gibt sich hierbei eine vielfach verschiedene Beurtheilung kund. — Die jüngste Bemerkung eines Correspondenten aus Süddeutschland (Nr. 52 d. Bl.), wornach das Verbot von Milch- und Fleischspeisen weder durch sich selbst, unter Hinweis aus Professor Virchow's Aufschlüsse an Vegetarianer, noch durch die Thora zu rechtfertigen sei, weil es bekanntlich einen humanitären Grund ,hat (haben soll?!), nach des Verfassers eigenen Worten, erscheint, mit der Schlußbemerkung verglichen, dunkel und unverständlich. Verfasser bemerkt nämlich: ״wir gehören nicht zu denen, welche über derartige Gesetze leichtfertig den Stab brechen und fragen: worin hat das Verbot seine Entstehung, worin seinen Grund?" Nach dieser Argumentation ist das bez. Gesetz nicht nur kein Jota von seiner *) Hier ist, in der israelitischen Bibel wenigstens, ebenso oder noch minder von Willkür die Rede, sondern nur von Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit, die in der Schöpfung und Leitung des Menschen und der Menschheit walten. לא תבשל נדי 7ןבלו הול אחד לאיסור אכילה ואחד לאיסור בישול ואחד לאיסור הנאה ועוד אעג הכתיב לאו דוקא אלא הוא הדין כל בשר בהמה טהורה אסור, אלא שדיבר הכתוב בהווה שכן היה דרכם לבשל גדיים בחלב ולענין בשר חיה ועוף בזה גורו חכמים שאסור באכילה דשמא יטעה ויאמר מאי שנא בשר חיה ועוף או בשר :0. בהמה ׳Rach dem Gesetze der Thora: Du sollst nicht kochen das Böcklcin in der Milch seiner Mutter, welche Stelle in der Thora bekanntlich dreimal aufgeführt wird, haben die jüdischen Weisen bzw. die Tradition 1) den eigentlichen Genuß, d. i. das! Essen: 2) das Kochen von Milch und Fleisch und 3) jeden R'utzen aus einer solchen Mischung verboten. — Auch behauptet die Tradition. daß ungeachtet des Wortlautes ״du sollst nicht kochen das . Böcklein" das Verbot nicht ausschließlich auf G'di (Bock) zu beziehen ist, sondern daß hierunter alles Fleisch der zum Genuß er- , laubten Thiere zu verstehen märe. Nur spricht die Thora nach dem! Geiste und den Sitten jener Zeit, wonach die Tradition zu wissen! glaubt, daß das Fleisch der Ziegenböcke damals sehr häufig in Milch . gekocht wurde. Daß es in der Thora heißt: Du sollst nicht kochen das Böcklein in der Milch und nicht, du sollst nicht essen das Böck- I lein in der Milch gekocht, hieraus wird die besondere Beziehung ge-!folgert, daß die verbotene Speise nur durch das Zusammenkochen von Milch und Ziegenfleisch, nicht aber, wenn allenfalls das Fleisch mit der Milch durch Einmachen, Einpökeln nach 24sründiger Verbin- : düng oder durch Zusammcnsalzen 5e. als unerlaubt erscheint. Aber! auch das Verbot in letzterer Bedeutung, welches bekanntlich in Kraft getreten ist und noch heute besteht, ist rabbimschen Ursprungs, 1 m'drabanan, und ist min Hathora nicht unter das allgemeine Verbot i subsummirt. vid. § 87 Joreh de ah 5c. Was nun den Genuß von : Fleisch von Chaja und Geflügel mit Milch, herrührend von jenen Thieren. die zum Genuß erlaubt sind, betrifft, so ist dieses auch nach ן rabbinischer Ansicht, anlangend das Kochen und den Genuß, eigentlich : erlaubt: nur haben die Weisen diese Beschränkung aus dem Grunde aufgestellt, man könnte fälschlich schließen, was ist der Unterschied, ' ob man Fleisch von Chaja und Geflügel mit Milch oder gewöhnlichcs Fleisch von Behemoth in Verbindung bringt. Das letztere Verbot heißt daher: Asur mipne marith ajin. Dies die Basis, worauf die Tradition das Verbot von Baffar w'chalab aufbaut. £ f; f i i i i \

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