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Jüdische Volkszeitung · 1874-01-06 · 1 (6.1.1874) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
1 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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und durch Aemulation, öffentliches Lob und andere Reizmittel erzeugter Fleiß in ungewöhnlichem Grade bei ihnen zu finden waren. Anders muß das Urtheil lauten, wenn zugleich von echt pädagogischer Erziehung zu wahrer Sittlichkeit, zur Freiheit im Denken und Wollen geredet wird. Ein sehr hartes Urtheil über ihre Schulen hat in neuester Zeit einer ihrer eigenen Schüler, Graf Deym, über fie gefällt, das im Buche ausführlich wiedergegeben ist. Besonders tadelt er die Ueberwachung Aller durch Alle, die gemeine Angeberei, zu der sie verpflichtet werden, die Unterdrückung jeder selbstständigen Entwickelung u. s. w. Die Jesuiten selbst berufen sich den schweren Angriffen gegen ihren Orden, daß eine Reihe bedeutender Geister aus ihren Lehr- und Erziehungsanstalten hervorgegangen. Da sie aber es verstanden, gerade die talentvollsten Jünglinge bevorzugter Stände in ihre Anstalten zu ziehen, so wird der Schluß nicht ungerecht sein, wenn wir sagen, daß diese groß geworden nicht weil, sondern obgleich sie in die Schulen der Jesuiten gegangen sind. Oder sollte dies nicht wahr sein, wenn wir an Geister wie Voltaire, Moliöre, Descartes, Montesquieu, Fontanello denken. In Beziehung auf das höhere Lehrwesen verdient noch bemerkt zu werden, daß sie nach und nach nicht ohne manche Kämpfe in Deutschland die Herrschaft an den Universitäten in Ingolstadt, Wien, Prag, Heidelberg, Breslau, Freiburg, Würzburg, bekamen/ Auch da sind es ihre eigenen Schüler, wie M. I. Schmidt, Oberthiir, Onymus, Berg, welche ihre Wirksamkeit verwarfen. Sie hatten es dahin gebracht, daß Deutschland am Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts fast keinen einzigen bedeutenden katholischen Theologen mehr besaß. Höchst interessant ist das Capitel, welches uns die Kämpfe der Jesuiten und ihres Anhangs mit dem Jansenismus und dem Institut von Port-Royal schildert. Sie sind in vieler Hinsicht denen des päpstlichen Jnfallibilismus, also eigentlich der Jesuiten mit den Altkatholiken, ähnlich. Auch da sind es echte Katholiken, sehr fromme, gelehrte Männer, welche mit Rom und den Jesuiten nominell um Dinge kämpften, die nicht des Kampfes werth waren, während es sich eigentlich darum handelte und heute darum handelt, ob die alte Lehre der Kirche, oder das persönliche Belieben des Papstes und der mit ihm verbündete Jesuitenorden die katholische Christenheit beherrschen!ollen. In Port-Royal, einem alten Bernhardinerkloster, sehen wir Fromme mit anderen Frommen im Streite, Richelieu und die Jesuiten und damit die Weltlichkeit und Arglist mischen sich aus persönlichen Rücksichten ein. Port-Royal wird um diese Zeit durch eigene Umstände der Aufenthaltsort frommer, gelehrter Einsiedler, unter denen sich Anton Arnauld, Nikola, Tillemont, Edelleute hohen Ranges, zuletzt auch der berühmte Pascal, befanden. Arnauld ergriff dort Partei für die augustinische Lehre des Jansenius von der Gnadenwahl, der die Jesuiten eine andere entgegen fetzten, von denen, beiläufig bemerkt, eine so unsinnig wie die andere war. Pascal nahm dort Veranlassung, seine berühmten Briefe eines Provinzialen anonym gegen die Jesuiten in die Welt zu streuen, wodurch zum ersten Male ihr berüchtigtes Moralsystem in einer Weise gebrandmarkt wurde, die es für alle Zeiten dem lebendigsten Abscheu preis geben mußte. Die Briefe verursachten eine ungeheure Aufregung in allen Kreisen der gebildeten Gesellschaft. Man muß diese Sachen im Buche selbst Nachlesen, um zu sehen, wie in Religion gemacht wird und welcher Art das Wirken Roms und der Jesuiten war. (Schluß folgt.) Feuikketon. Die Menorah zu L. Eine Erinnerung aus alter Zeit. (Schluß.) Auf Befahl des Fürsten wurde nun schleunigst Alles herbeigeschafft, was unser junger Held verlangte; Nußschalen — und Sand; Oel und Baumwolle zu Docht und bald war eine improvisirte Chanukalampe zur Hand, wie sie Jsaac in seinem Mutterhause am Chanuka täglich zuzubereiten und wieder zu vernichten pflegte. Er wollte nun in einer Ecke das kunstvolle Geräthe aufstellen, im Stillen und unbemerkt seine ״Beraschah"*) über die Chanukalichte sprechen. Allein die Prinzessinnen waren neugierig geworden, neckten ihn — und so faßte er sich denn ein Herz, bedeckte sein Haupt mit seiner baumwollenen Zipfelmütze, stemmte die linke Hand in die Seite, erhob mit der rechten den ״Schammos"** ***)) und mit voller, weicher, wunderbar wohlklingender Stimme sprach er laut die hebräischen Worte, mit welchen das Anzünden der Chanukalichte eingeleitet wird: Baruch attah adonay^*) u. s. f. — Dann sagte er leise: Hanerot halalu;ch) und wieder begann er dann laut und andächtig das Volkslied, das den Schluß der häuslichen Feier bildet: ״Maos zur jeschuosi", worin in 5 (früher 6) Versen die Güte Gottes für sein Volk und die wunderbare Befreiung aus aller Noth besungen wird. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden der einfachen Handlung. Das war eine wundervolle Stimme! Ungeschminkt und kunstlos und doch so herrlich, wie sie selbst in diesen stolzen Räumen nie gehört worden, eine Knabenstimme und doch so rund und voll. Der Fürst, ein Kenner *) Seinen Segensspruch. **) Wörtlich: ..Diener": hier: Licht zum Anzünden der Lichter. ***) Gelobt seist du Ewiger. -s) Diese Lichter zünden wir an rc.

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