Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 1 (6.1.1874)
- Date
- 1874-01-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Verehrung, welcher ein Mensch im Leben sich erfreute, solchen Ausdruck finden, wie dies heute bei der Beerdigung des Hrn. Oberrabbiners Dr. Loewi geschehen ist. Konnten schon bei dem Trauergottesdienste, welcher den Beerdigungs-Ceremonien voranging, nur Wenige im Verhältniß zu den Einlaß Verlangenden in der Hauptsynagoge Platz finden, so war der Zudrang auf dem Friedhofe ein so gewaltiger, daß die Träger des Sarges nur mit Mühe zum Grabe gelangen konnten. Vor der Einsenkung widmeten Herr Notar Dr. Ortenau als Vorstand der hiesigen Gemeinde und Herr Rabbiner Levin aus Nürnberg, im Namen der dortigen Gemeinde, dem Verblichenen ehrende Worte über sein Wirken als Rabbiner und die Liebe, die er Allen, die sich ihm nahten, entgegentrug. Daß diese Worte aus den Herzen gingen und Zu den Herzen Eingang fanden, bezeugten die thränenfeuchten Augen der Redner und vieler der in der engeren Umgebung des Grabes befindlichen Leidtragenden. Mit den üblichen Gebeten wurde die übliche Feierlichkeit beschlossen. Lemberg. In Ausführung der Beschlüsse der General- Versammlung des Vereins ״Schomer Israel" vom 23. Nov. v. I. beschloß das Vereins-Comite anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Regierungs-Jubiläums Seiner Majestät des Kaisers durch eine besondere Deputation, bestehend aus dem Vereinsvorsteher Herrn Advocat Dr. Josef Kühn, dem Vereinsschristführer Hrn. Wilhelm Krakauer und den hervorragenden, in Wien domicilirenden Vereinsmitgliedern Herrn Advocaten und Neichsrathsabgeordneten Dr. Oswald Hönigsmann, Herrn Adv. Dr. Maximilian Landesberqer und Hrn. Samuel Gall, eine Adresse zu überreichen. Die Deputation wurde am 1. December v. I. und zwar pünktlich zur anberaumten Zeit, d. i. um 22/ג Uhr Nachmittags, im Thronsaale der k. k. Hofburg empfangen. Der Vereinsvorsteher Hr. Dr. Josef Kohn als Deputations-Sprecher richtete an Se. Majestät die folgende Ansprache: Ew. Majestät! Der Verein ״Schomer Israel", als dessen Vertreter wir heute des hohen Glückes theilhaftig werden, uns Ew. Majestät nähern zu dürfen, ist der einzige, von galizischen Juden gegründete politische Verein und repräsentirt daher diesen Theil der Bevölkerung Oesterreichs nicht als confessionelle Gemeinschaft, sondern als politisch denkende Staatsbürger , anb österreichische Patrioten. In dieser Eigenschaft aber sind wir Ew. Majestät zu doppelter, unvergänglicher und unauslöschlicher Dankbarkeit verpflichtet, und zwar nicht blos für die bürgerliche Emancipation, sondern auch für die verfassungsmäßige, politische Gleichberechtigung, welche es uns erst ermöglicht hat politisch zu denken, und unseren Meinungen, so wie unserer Treue für Ew. Majestät, das erhabene Herrscher- Haus und das Reich durch frei gewählte Vertreter Ausdruck zu geben. Wir benützen daher die freudige Gelegenheit des 25jährigen Regierungs-Jubiläums Ew. Majestät, um diesen Gefühlen des Dankes warmen Ausdruck zu verleihen, und Ew. Majestät unsere ehrfurchtsvolle Huldigung, sowie unsere ergebensten Glückwünsche darzubringen. Hierauf geruhten Se. Majestät zu entgegnen: Ich danke Ihnen, meine Herren, für Ihren Glückwunsch, und bitte Sie, Meinen Dank auch dem Vereine, der Sie entsendet hat, mitzutheilen. Bewahren Sie auch ferner Ihren österreichischen Standpunkt und halten Sie fest an Ihrer treuen Anhänglichkeit für Mich, Meine Dynastie und das gemeinsame Reich. Hierauf erkundigte sich Se. Majestät eingehend über das Alter, die Mitgliederzahl und die Zwecke des Vereins ״Schomer Israel". Der Deputations-Sprecher Hr. Dr. Josef Kohn erwiederte, daß der Verein im Jahre 1868 gegründet wurde und gegenwärtig an 400 Mitglieder zähle; daß sich derselbe Anfangs mit den inneren Angelegenheiten der Lemberger israelitischen Cultus-Gemeinde befaßte, später aber seine Wirksamkeit auch auf andere wichtige Angelegenheiten, wie Gemeinderaths- und Landtagswahlen ausdehnte, und in Folge dessen zum politischen Verein erklärt wurde. Als solcher habe der Verein ihütigen Antheil an den letzten Reichsrathswahlen genommen, und es sei größtentheils seiner Wirksamkeit zuzuschreiben, wenn aus Galizien eine größere Anzahl verfassungstreuer Reichsraths-Abgeordneten als sonst entsendet wurde, welche Mittheilung Se. Majestät mit sichtlicher Befriedigung aufnahm. Schließlich forderte Se. Majestät die Deputation nochmals zum treuen Festhalten an Allerhöchstdero Person und Dynastie, sowie am österreichischen Staatsgedanken auf, übernahm aus den Händen des Hrn. Dr. Kohn die Vereinsadresse, und entließ huldvollst die Deputation, welche auch zu der am 2. December in den k. k. Redouten-Sälen stattgehabten Hof- Soiree eingeladen wurde. Auf dieser Soiree, eigentlich Cercle, wurde dem Deputationsmitgliede und Reichsrathsabgeordneten Dr. Hönigsmann die seltene Auszeichnung zu Theil, Ihrer Maj. der Kaiserin vorgestellt zu werden, welche sich bei demselben nach dem Stande der öffentlichen Sanität in Galizien, namentlich mit Bezug auf die im laufenden Jahre herrschende Cholera-Epidemie, zu erkundigen geruhte. Kunä^an. D Stutttgart, im December. Bekanntlich finden es selbst Vorstadtbühnen obskurster Sorte geschmacklos, jene Juden- Hetzen, welche hier und da von einer Pöbelmasse noch in Scene gesetzt werden, auf die Bühne zu verpflanzen. Die Stuttgarter Hofbühne jedoch findet es nicht unter ihrer Würde,