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Jüdische Volkszeitung · 1874-01-06 · 1 (6.1.1874) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
1 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 W Ife die Facta selbst werden dadurch nicht alterirt, einiger Ausputz des Gebäudes mag immerhin wegfallen, das Haus an sich bleibt intact. Der große Maimonide sagt schon, daß wir an die Wahrheit der Worte Mosis und der Propheten nicht der von ihnen verübten Wunder und Zeichen wegen, sondern ob des von ihrem höheren Ursprünge zeugenden Inhaltes und Geistes derselben glauben; und wenn Schleiermacher pathetisch behaupten konnte, er gebe alle von Christo erzählten Wunderthaten darein, sein Leben selbst sei das größte Wunder, so gilt dies sicher in tausendfach vergrößertem Maßstabe von dem, durch den Geist des Mosaismus, trotz aller um feinetwillen erduldeten Todes- und Folterqualen, bis aus den Heutiaen Tag in intellectueller Frische und ungeschwächter moralischer Kraft erhaltenen israelitischen Volkes. Die Schriften des sogenannten alten Bundes vertragen deshalb die Kritik, auch die schärfste, der Neuzeit sehr wohl, da Forschen und Nachdenken von je her in Betreff ihrer nicht nur erlaubt, sondern selbst nachdrücklich eingeschärst worden, und mag sich dabei auch Herausstellen, daß vieles den einzelnen Verfassern Zugeschriebene erst einer späteren Zeit angehöre und nur mit ihrer Autorität sich bekleidet habe, sowie daß in einem unv demselben oder in verschiedenen heiligen Büchern sich widerstreitende Relationen vorhanden und nur eine derselben der Historie, der andere theils oder ganz der Dichtung zuerkannt werden müsse, es würde den um sie verbreiteten Nimbus der göttlichen Offenbarung und Inspiration nur insoweit abschwächen, als Zuzugeben wäre, daß sie nicht sammt und sonders wörtlich und buchstäblich vom. Himmel herabgekommen und eingegeben, sondern dieser Vorzug höchstens einigen besonders hervorragenden Theilen eingeräumt werden dürfe, im Uebrigen aber nur das freie Walten und sich Entfalten des oben bezeichneten Geistes und Sinnes der israelitischen. Nation, der in verschiedenen Köpfen^) sich mannigfach gestaltete, angenommen werden müßte. Wie wenig solche auch im weitesten Umfange geübte Kritik die volle, ungetheilte Liebe zur väterlichen Religion, ja die reinste Begeisterung für ihren erhabenen Inhalt und Gehalt zu schmälern vermöge, das hat Schreiber dieses, und sicher viele ihm Gleichgesinnte und -Gestimmte ebenso, an sich selber hinlänglich erfahren, indem die in den hh. SS. enthaltenen Gebote, Lehren, Erzählungen, Sittenspräche u. s. w. ihm um nichts weniger ehrwürdig und beachtenswerth erscheinen, ob sie nun als directe Revelationen list jedoch unter den obwaltenden Umständen Josua selbst gar leicht kommen konnte), also nach der kindlich-frommen Auffassung des Volkes jedes Mal durch unmittelbares Eingreifen der Gottheit, wovon bei den Makkabäerkämpfen schon nicht mehr die Rede, erobert. *) Nach dem bezeichnenden rabbinischen Ausspruch: Zwei Propheten weissagen niemals in derselben Weise. aus göttlichem Munde oder als indirecte Ausfltlsse Seines Geistes, wie diese sich im Innern der von Ihm beseelten Männer (und Frauen) kundgaben, betrachtet werden. (Fortsetzung folgt.) ^knula. Zu meinen Beweisen für den Zusammenhang der christ lichen Weihnachten mit dem jüdischen Chanuka in denr dies- , jährigen Festbuche (״Zu Chanuka" S. 33 ff.) verweise ich! auch noch auf den Umstand, daß das Nikolasfest am 0. Dej cember, das Bescheerungsfest der katholischen Kirche, in jedem : ersten Jahre des 19jährigen Mondcyelus, in welchem bekan.lt-! lich immer wieder die Differenz der Tage zwischen den Mond- ' und Sommerjahren zur Ausgleichung kommen, mit dem! 25. Kislev zusammenfällt. Auf der Kircheiwersaiümlung zu j Nicäa im Jahre 325 wurde die Trennung von den orientaj lischeu Judenchristen für die Osterfeier dabin beschlossen, daß j man nicht wie diese den 14. Nissan, sondern deir 25. Mürz! sesthielt, welcher im Todesjahr Jesu aus den 14. Nissan ge-! fallen war. Ebenso hielt vlan für die Chanukafeier oder doch > die an diesem Feste übliche Kinderbescheerung den (3. De-! cember fest, welcher im Jahre 325, dem ersten im l9 jährigen > Mondcpclus, mit dem 25. Kislev, also dem Chanukaseste, zu , sammensiel. Nikolas, Bischof von Myra, war auf der Kirchen-! Versammlung zu Nicäa mit zugegen und ein Hauptverfechter dieser Trennung. Er ward deshalb auch Patron des 6. December und wird als besonderer Kinderfreund geschildert. A. ‘ Dr. R. Correjpvmlenz. Jlürn?'fcg. Rabbiner Dr. Loewi in Fürth bat nach längerem Krankenlager am 25. December das Zeitliche ge-! segnet. Veit ihm, dem alten Kämpfer um Fortschritt und!Licht im Jüdenthume, schließt eine Geschichtsepoche des jüdischen : Culwrlebens in Baiern. Er hat lange gerungen, Vieles ge-! wagt mit großer Hingabe für die Sache des Fortschritts, bis! nach und nach die Zeit und ihre Genossen die hochgehenden! Wogen zwischen ״Schwarz" und ״Weiß", wie sich die Parteien j damals nannten, nach und nach beschwichtigte. Inzwischen ist aber auch der Arm des Kämpfers ermattet; denn Loewi zog sich ermüdet immer mehr zurück. Sein hochanstrebeuder Geist, seine tiefe Gelehrsamkeit init voranstehender Weltbildung und liebenswürdigem Charakter machen ihn unvergeßlich. In seiner Gemeinde Fürth hat er sich durch Hebung des Gottesdienstes und seine ausgezeichnete Kanzelberedtsamkeit ein ehrendes Denkmal geschaffen. B—n. Fürtk, 28. Decbr. Wohl selten wird die Achtung unk f!1־. fi i

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