Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1874-01-06 · 1 (6.1.1874) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
1 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9588641-9578923-9578929--481-9578930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wochenschrift ■füt? tlt: Zesteikungen nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!!1k Ngr. in ikMKndr und Irknls, Z^nngogr und Krken. * *.־ז"* sind an die Berlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Himgvnslom in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Isr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". N0. 1. Leipzig, den 6. Januar. 1874. I n lr u l t: Die Zukunft der Religion oder die Religion der Zukunft. — Chanuka. — Correspondenzen: Nürnberg, Fürth, Lemberg. — Rundschau. — Literarisches (Fortsetzung statt Schluß.) — Feuilleton: Die Menorah zu L. (Schluß). — Anzeigen. Die Zukunft äer Rekigion oder die Keligion der Zukunft In der Nachschrift zu meinem neulich in diesen Blättern gelieferten Artikel (״Eiu Mahnruf der Zeitgeschichte") fand ich nrich veranlaßt, gegen die Parattelifirung der biblischen (sogenannten alttestamentlichen) Erzählungen mit profanen Novellen, Romanen re. energisch Protest zu erheben, da in jenen und diesen ein innerlich ganz verschiedener, wenn auch äußerlich ähnlicher Geist wehe. Um hierfür nur ein Kriterium hervorzuheben, sei hier blos das bemerkt, daß in letzteren Unterhaltung und ästhetisches Wohlgefallen Hauptbelehrung und Besserung dagegen Nebensache, in ersteren aber das Gegentheil statthabe, da der moralisch-religiöse Zweck der allein dabei vorschwebende, die mehr oder weniger zierliche äußere Form jedoch nur Mittel und daher jenen gänzlich untergeordnet sei. Ist doch das Gleiche sogar in den eigentlichst poetischen heiligen Schriften: den prophetischen Reden, den,sichern ״Emeth" (Jjob, Sprüche und Psalmen) und kaum mit Ausnah'.ne des Hohenliedes der Fall, da auch hier die Wohlredenheit, die Blumensprache und der Rhythmus durch ihre einschmeichelnde Hülle nur dem ethischen Inhalte den Weg zum Herzen bahnen und zu seinem dauernden Besitzthum machen wollen und sollen.^) Was aber ganz besonders die Signatur all dieser *) Wie hinlänglich bekannt, war und ist ja im Orient jede nicht ganz triviale Rede poetisch gefärbt, wie der Morgenländer — schriftlichen Ueberlieferungen ausmacht, ist: daß alles Geschehene zwar als von und durch Menschen, aber nur unter Gottes specieller Leitung und Fügung, und ebenso nicht zum Ruhm und Preis der einzelnen Thäter oder des gesammten Volkes, sondern allein zur Erhebung und Verherrlichung des göttlichen Namens und Wesens bei allen Hörern der Mit- und Nachwelt, vollbracht berichtet wird. Das zieht sich als rother Füden vom ersten Blatte der Genesis bis zum letzten Worte der Chronik hindurch; die Geschichte Adams, Noahs, der Patriarchen, Josephs, der Knechtung Israels in und seiner Befteiung aus Egypten, seiner Führung durch die Wüste und nach dem gelobten Lande, nebst Allem, was sich daselbst bis über das babylonische Exil hinaus ereignete, alles das ist Gottesthat zu Menschenwohl, ohne daß damit — was vielmehr öfter ausdrücklich und scharf betont wird — dem freien Thun und Selbstbestimmen des Menschen Eintrag gethan werden soll. Es kann nun nicht befremden, daß von diesem durchgehenden Stand- und Gesichtspunkte der Autoren aus einestheils nicht Alles im regelmäßigen Lauf der Dinge, sondern Vieles auf wunderbarem, übernatürlichem Wege sich vollzogen haben mußte, und nmn andererseits auch Mancherlei als übermenschlich und unbegreiflich anstaunte, was bei nüchterner Betrachtung, wie unsere Zeit sie zu üben gewohnt, in weit einfacherem Lichte erscheint.*) Doch, ob so oder so angesehen. woher sich ohne Zweifel auch der übliche singende Vortrag der Thora- und Propheten- Abschnitte herschreibt — auch nicht einfach zu sprechen, sondern, und das vorzüglich bei allem Feierlichen, mehr zu singen liebt. *) So werden z. B. die beiden ersten Städte in Kanaan: Jericho durch bloßen Umzug mit Posaunenschall (worunter wir wohl Sturmlauf zu verstehen haben), und Ai durch einen, aber erst aus ausdrückliches Geheiß Gottes gelegten Hinterhalt (aus welche Kriegs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.