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Jüdische Volkszeitung · 1873-12-24 · 52 (24.12.1873) · p. Seite 413

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
52 (24.12.1873)
Date
1873-12-24
Page
Seite 413 (sequence 5)
Language
German
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413 Kreisen zu dem Entschluß gekommen ist, die jungen Geistlichen in und mit der Welt zu erziehen, in der zu wirken sie bestimmt sind — in dieser Zeit will man für Israeliten mit bewußter Absicht jene Erziehungs-Principien wieder zur Geltung bringen? Unsere Geistlichen sollen sich ihre Bildung da holen, wo die ganze wissenschaftliche Welt sie schöpft — an unseren Universitäten. Und was uns einzig und allein zu wünschen und eiftigst zu erstreben bleibt, ist, daß für den Unterricht in den specifisch jüdischen Fächern durch Anstellung tüchtiger Professoren an den Universitäten gesorgt werde. Das ist unsere Meinung. 203. Eine Kundmachung aus Jerusalem warnt davor, dem Rabbi Saul Benjamin Cohn, Ex-Cassier des dortigen Talmud Thora, Gaben für Jerusalem zu verabreichen. Der würdige Mann durchreise seit sieben Jahren die Welt als Scheluoch, sei aber schon lange abgesetzt und weigere sich, von den bedeutenden, von ihm für Jerusalem empfangenen Summen etwas einzuliefern oder Rechnung darüber zu stellen. „Gebet gar nichts, trauet gar Keinem, ruft die „Jewish World" bei dieser Gelegenheit den Abendländern zu. Mag der Scheluoch bitten und weinen, behandelt ihn als Lügner nnd Betrüger und meist ihm die Thüre . . ." Würden die (israelitischen) Behörden des heiligen Landes einmal diesen Entschluß kennen, so würden auch die guten Folgen nicht ausbleiben und erst dann könnten wir hoffen, bessere Tage für Palästina zu sehen, das nicht mehr der Schauplatz von Kämpfen und Beraubungen der Wittwen und Waisen sein würde. 204. Hier ein Decret Lizarragay's, eines Generals des spanischen Prätendenten, welches zeigt, was in Spanien zu erwarten ist, wenn diese Leutchen zur Herrschaft gelangen würden und zugleich, welcher Gefahr Frankreich so eben dadurch entgangen ist, daß der dortige Bourbon sich unmöglich gemacht hat. Nachdem das Decret die Einführung von Fabriken in Spanien beklagt, welche so viel „Unmoralität und Sabbathschändung" mit sich gebracht, erklärt es die Cultusfreiheit als ein „Uebel, das wir aufs Aeußerste bekämpfen" und verbietet dann jede Sonntagsarbeit bei einer Strafe von 40 Realen für das erste, 100 Realen fürs zweite, Gefängniß und Vertreibung aus dem Orte fürs dritte Mal; die Eigenschaft als Fremder oder Bekenner einer anderen Religion könne keinesfalls als Entschuldigungsgrund geltend gemacht werden. (Nach „Arch. isr.") 205. Für Rheims, welches jetzt 239 meist aus dem Elsaß eingewanderte Israeliten zählt, und Epernay, wo deren 89 eben daher eingewandert sind, soll, auf Kosten des Staats, ein neues Rabbinat errichtet werden; die beiden Gemeinden hätten nur die Wohnungsräumlichkeiten zu stellen. 206. Unter 1,549,738 Einwohnem zählte das Elsaß 1871 nicht weniger als 40,812 Israeliten, 19,875 männlichen und 20,937 weiblichen Geschlechts, also auf 38 Einwohner 1, während Deutschland erst auf 70 Einwohner 1 Israeliten zählt. Mit Hinzurechnung des Consistorialbezirks Metz wurden ungefähr 47,000 Israeliten von uns annectirt. Seit der Annexion haben, nach derselben Statistik, 6000 Personen Elsaß-Lothringen verlassen. 207. Algier zählt unter 59,140 Einwohnern 40,850 Europäer, 11,201 Muselmänner und 7089 Israeliten . . . Das Koscherfleisch kostet in dieser Stadt 30—40 Centimes mehr als das nicht koschere. 208. Unweit des britischen Consulats zu Constantinopel wurde so eben ein imposantes Gebäude errichtet und eingeweiht, der „schottischen Mission" gehörig, deren einziger Zweck die Judenbekehrung ist. Dr. Thompson, der Vorsteher, konnte sich bei der Eröffnungsrede hoher Resultate rühmen: er hat 3, sage drei Bekehrungen spanischer Juden zuwege gebracht, von denen Einer wieder abgefallen, Einer ins Innere gewandert und, wie man glaubt, gestorben ist, der Dritte sich als Colporteur (Hausirer mit Traktätlein) im Dienste der Gesellschaft befindet. Herrlich! und das Gebäude allein kostete 7500 Livres Sterling!! Man will sich jetzt blos auf den Unterricht beschränken und den bekehrten wie unbekehrten Judenkindern den gleichen Unterricht angedeihen lassen — es der Zukunft anheim gebend, welchem Glauben sie angehören wollen; 60—70 Schüler wurden unter Leitung der Miß Whittet, wie man sagt, trefflich unterrichtet. — Schon aus diesem einzigen Grunde beglückwünschen wir die Alliance, welche, wie im November-Bericht gemeldet, für das im Argen liegende israelitische Schulwesen Constantinopels ins Mittel treten will. Literarisches. Haber, Dr. Johannes: Der Jesuitenorden nach seinerVerfassung und Doctrin, Wirksamkeit und Geschichte. 564 Seiten. Berlin, Lüderitz'sche Buchhandlung 1873. (Von einem katholischen Lehrer besprochen.) (Fortsetzung.) Was den Orden vor allen anderen auszeichnete und noch auszeichnet, das ist sein agressiver kriegerischer Geist. Fort und fort vergleichen sie sich mit einem allzeit schlagfertigen Kriegsheer, sie sind die wahren Mameluken des Papstes, nennen sich die allzeit bellenden Hunde der Kirche. Die absolutistisch monarchische Verfassung des Ordens, der blinde Gehorsam befähigte sie zum erfolgreichen Angriff, wie zur zähesten Vertheidigung. Nur mittels dieses Kriegsheeres war es dem Papste möglich geworden, den Protestantismus, dem ohne allen Zweifel das katholische Europa zugefallen wäre und größtentheils schon

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