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Jüdische Volkszeitung · 1873-12-24 · 52 (24.12.1873) · p. Seite 411

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
52 (24.12.1873)
Date
1873-12-24
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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411 knüpften Bedingungen in Kenntniß zu setzen, sowie zu allseitiger reger Mitwirkung aufzufordern seien. Nr. 17 spricht von der Errichtung eines statistischen Bureaus für den Gemeindebund. Nr. 18 von der Einberufung eines zweiten Gemeindetages. In Nr. 19 beschließt der Gemeindebund dem Schriftführer 200 Thlr. Gehalt zu honoriren; und wird endlich in Nr. 20 eine Beileidsadresse an die königl. württemberg'sche Oberkirchenbehörde anläßlich des soeben erfolgten Ablebens des Herrn Kirchenraths I)r. I. v. Maier beschlossen. Es war uns eine angenehme Pflicht, so in Kürze das weite Arbeitsfeld des immer mächtiger aufstrebenden Gemeindebunds zu zeichnen. erhalten hat, durch welche das Licht der Vernunft sich Bahn bricht. Das neueste Dogma der Unfehlbarkeit soll diese Risse verkleben und die gefährdete Einheit, welche auseinander Zu fallen droht, wieder mit Gewalt zusammen klammern. Der Einfluß, welchen der Papst jetzt auch auf Protestanten, als getaufte Christen, üben zu müssen vorgibt, ist ebenfalls eine solche neue Nothklammer. Diese Anschauung ist neu und jesuitisch ausgedacht: In Wahrheit gelten Protestanten als Ketzer und dem Christenthum entfremdet. Wer nicht wie der Papst denkt, ihn nicht für unfehlbar hält, ist abgefallen und ausgeschlossen. Das Judenthum hat eine unanfechtbare und unangefochtene dogmatische Einheit und darum keine Glaubensspaltungen, keine Secten. Es hat auch keine „Unfehlbarkeit" und deshalb, trotz Meinungsverschiedenheiten, keine Ausschließungen und Verketzerungen. Wir müssen uns deshalb mit Kraft und Entschiedenheit dagegen wahren, daß, wie neuerdings versucht wird, die Verschiedenheit cultueller Riten als Glaubensspaltung hingestellt werde. Es ist dies eine Lüge gegen die Principien und die Geschichte des Judenthums. Man greift damit den Baum des Judenthums an seiner Wurzel an und gefährdet seinen Bestand. Wir weisen darauf hin, daß bei den Kämpfen über den erwarteten Gesetzentwurf des preußischen Ministeriums in Betreff der Juden dieser Umstand von keiner Seite bisher mit dem erforderlichen Nachdruck betont worden ist. Und doch ist dies nöthig und führt vielleicht am schnellsten zum Ziele. Aus Züddeutfckkand, 11. Dec. Auf der letzten Synode wurde auch die Nothwendigkeit von Cantorschulen betont. Sie sind ein Bedürfniß und fehlen durchaus. Der Synagogengesang wurde in Israel selbst in den düstersten Zeiten des Mittelalters gepflegt, von der Masse des Volks mehr noch als die Lehre. Und doch sind gute Cantoren zur Zeit seltener, denn vordem. Man findet sie zumeist nur in einzelnen großen Gemeinden; in kleinen aber sind sie wegen Ermangelung eines Chors noch wichtiger und unentbehrlicher. Die vorhandenen Cantorschulen sind nur Privatunternehmungen und nach vorliegender Erfahrung durchaus nicht genügend. Sie sino den Unbemittelten zu theuer und geben keine Bürgschaft für vollendete theoretische und praktische Ausbildung, für das, was man musikalische Schule nennt. Daß die Errichtung einer tüchtigen öffentlichen Cantorschule deni Judenthum als Chanukaj Bescheerung in den Schooß fallen möge, ist Heuer mein besonderer Wunsch. Wir würden dieselbe ebenso willkommen heißen, wie die heurige Bereicherung der jüdischen Literatur mit dem schönen Buche: „Zu Chanuka". Es ist mir ausgefallen, daß kein anderes Blatt der jüdischen Presse, — ich rede nicht von der orthodoxen, obgleich auch diese zugreifen müßte, wenn es ihr ernst wäre um das Judenthum, — aber Die Mescüeerungen am Cüanuka. Die Bescheerungen am Chanuka beruhen nicht auf Nachahmung ftemder Sitten an den christlichen Weihnachten. Das christliche Fest ist ernster Natur und verleugnet doch seinen fteudigen Charakter nicht. Wir wiesen schon nach („Zu Chanuka" S. 33 f.), daß das christliche Lichterfest eine astronomische, kosmische Bedeutung hat und den Sieg des Sonnengottes über den Dämon der Finsterniß bezeichnet, wie er sich in dem von Weihnachten ab erkennbaren, zunehmenden Tageslicht kundgibt. Damit verbanden sich besondere Freudenfeste: Satasnalien, Bacchanalien, die bis zum Närrischwerden ausarteten, wovon die heutigen von Neujahr ab beginnenden Faschingsbelustigungen eine' Nachahmung sind. Aus diesem fteudigen Charakter des Festes entsprangen die Bescheerungen für Groß und Klein. Das jüdische Lichterfest hat ganz unabhängig davon, wie seine historische Entstehung, so auch seine charakteristische Bedeutung. Spiele und Jubelfeste waren schon in alten Zeiten typisch für das Chanukafest, und zwar für Erwachsene, wie für Kinder. A. Dr. R. dtocrefpondenj. Aus Siiddcufscftfaud, 10. Dec. Die gegenwärtigen Streitigkeiten zwischen Kirche und Staat sind nicht neu; sie liegen im Wesen des Christenthums und werden überall von seiner Geschichte nachgewiesen. Das Christenthum ist auf Dogmatik gegründet, auf Glaubensgrundsätze, mit denen es steht und fällt. Diese aber mußten zu Meinungsverschiedenheiten, Sectirungen und Spaltungen führen. „So viel Köpfe, so viel Meinungen"; hierin liegt die Zerbröckelung des Christenthums, seine nothwendige Auflösung. Die katholische Einheit ist nur eine äußerliche, eine gemachte, welche ebenfalls schon Risse X

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