Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 50 (10.12.1873)
- Date
- 1873-12-10
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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von Minna Cohen, Leopold Stein, Löwenstein (Oberndorf), Dr. Rahmer und Abhandlungen (Hanna, die gläubige Mutter und fromme Erzieherin, von Dr. Rothschild, Michal und Jonathan, Pflicht und Neigung von Dr. Feilchenfeld. Der zweite Abschnitt: Im Familienfrieden: Eine Reihe der köstlichsten Dichtungen von dem Herausgeber; dann dem verewigten Dr. Wilhelm Wolfsohn, Sanitätsrath Dr. Dawosky in Celle, Viehof, Dr. Zirndorf und Alphonse Levy, eine warme Anrede an einen Sohn zu Bar Mizwah u. A. m. Wir können uns nicht enthalten, hier das kleinste Gedicht — von Sanitätsrath Dr. Dawosky — dieser Abtheilung wiederzugeben: Kaddisch. Wenn der Augenblick gekommen. Der mich ruft vor Gottes Thron, Dann erfülle meine Bitte, Höre, mein geliebter Sohn. Sage täglich Kaddisch, wie es Unsere Väter auch gethan. Und am Sterbetage zünde Auch das kleine Lämpchen an. Wer der Eltern so gedenket. Nach dem Tode noch sie ehrt. Dem wird Glück und Gottes Segen Hier aus Erden auch bescheert. Ruhig kannst Du dann den Abend Deines Lebens nahen seh'n, Und wenn Gott einst winket, rufen: Herr, dein Wille mag gcscheh'n. Der dritte Theil „In festlichen Stunden" enthält in köstlichen Abhandlungen und Gedichten die Verherrlichung der jüdischen Festtage. Der vierte Theil „Im Gemeindeverband" zeichnet die jüdischen Gemeinde-Institutionen, Synagoge, Vereine, Wohlthätigkeit, Stiftungen. Der fünfte Theil „Aus finsteren Tagen" mahnt zur Erinnerung an die Vergangenheit, während der sechste Theil „Im strahlenden Licht" die Gegenwart verherrlicht', ihre Begründer ehrt und durch den Ruf „Seid Einig" — worin das Wirken des Gemeindebunds und der Alliance israelite universelle gezeichnet ist, der Zukunft der Boden geebnet wird. — Leuchtet, ihr strahlenden Lichter der Menorah! Möge immer mehr der Gedanke der Gewissensfreiheit in Israel und der Menschheit gepflegt werden, an welchen das Chanukafest und das Chanukabuch uns mahnen. Wenn wir auch geschieden sind in manchen nebensächlichen Beziehungen; wenn auch einige Schreier und ihr urtheilsloser Troß die Judenheit als in Parteien zerklüftet und gespalten darstellen; im Herzen glimmt das heilige Feuer der Einigkeit, das Bewußtsein, daß wir Zusammenwirken im Lichte des Herrn — Israel ist nicht verwaist; die Einheit des Judenthums kann nicht zerstört werden, die heilige Lehre nimmermehr untergehn. Wir wissen im Voraus: Der alberne Zelotismus wird sich nicht scheuen, auch an diesem Buche seinen Feuereifer zu versuchen; es muß ihm schon wegen seiner eleganten äußeren Erscheinung zuwider sein. Unsere geschätzten Leser aber werden es überall hin zu verbreiten suchen; sie werden es als Festgabe ausstreuen — zur Freude unserer Jugend und aller Gebildeten unseres Stammes, zur Verherrlichung und zum Heile des Judenthums. Corresponäenz. Ingekkeim, 3. Dec. Wir erfüllen eine traurige Pflicht, indem wir von dem Tode eines Mannes sprechen, der es verdiente, daß seiner in diesen Blättem ehrenvoll gedacht wird. Jeremias Rothfels aus Cassel weilt nicht mehr unter den Lebenden. Zu spät und doch zu früh ist uns zufällig die Trauerkunde geworden. Das war ein Mann! Wer ihm nahe trat, wer ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatte, wird sich sagen müssen, daß es seines Gleichen nur wenige gibt. Sein ganzes Leben war dem Höchsten gewidmet: der Wissenschaft (insbesondere Astronomie) und der Wohlthätigkeit; diese waren ihm gleichsam alleiniger Beruf! Reich gesegnet mit zeitlichen Gütern, streute er mit vollen Händen Gaben aus, wie selten ein Anderer. Die jüdischen Lehrer der vormaligen kurhefsischen Provinz Niederhesfen haben ihm ein großartiges Vermächtniß zu verdanken; das jüdische Seminar zu Cassel erhielt von ihm ein geeignetes Gebäude und bedeutende Sumnren zu feiner Erhaltung. Ueberall, wo immer ein edler Zweck erfüllt werden konnte, war er zu geben bereit. O, daß seines Gleichen so selten sind unter den mit irdischen Gütern Gesegneten! Wir find dem Manne nur einige Male nahe getreten. Und doch sind die mit ihm verlebten Momente bezeichnend; sie haben sich uns so tief eingeprägt, daß wir glauben, den Verewigten nicht bester schildern zu können, als wenn wir diese Züge aus seinem Leben hier mittheilen. Es war im Jahre 1864, als wir im Interesse der Achawa durch Westfalen, Hannover und Kurhessen reisten. Ueberall trafen wir einen jetzt noch nicht überwundenen Particularismus. Wir kamen auch nach Cassel. Dort angekommen, sagte man uns: Gehen Sie zu Herrn I. Rothfels; finden Sie dort Anklang, so ist Ihr Weg nach Cassel gelohnt. Wo nicht — nicht. — In seinem Hause angekommen, führte man uns in ein Zimmer, das unmittelbar unter dem Dache war — ein Observatorium. Hr. Rothfels prüfte zuerst unseren