Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1873-12-10 · 50 (10.12.1873) · p. Seite 395

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
50 (10.12.1873)
Date
1873-12-10
Page
Seite 395 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9588641-9578452-9578894--446-9578897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

395 Summen verausgabt, vieles Elend gelindert. Jeder Lehrer kann eintreten. Wohl ist die Zahl der Mitglieder klein; aber wir täuschen uns wohl nicht, wenn wir sagen, daß dies die Schuld von Umständen ist, die auch ein neues Institut nicht ändern würde. In der Achawa selbst kann die Schuld nicht liegen. — Wozu also eine Concurrenzanstalt? Wir vermögen ' einen Grund hierfür nicht abzusehen. Die Achawa ist offen — für Wohlthäter, wie für Mitglieder. Hat man ein Bedenken gegen die Statuten? sie können verändert werden! Wünscht man einen Einsius; des Ausschusses des Gemeindebunds, als einer deutsch-israelitischen Centralanstalt? Man suche sie zu stützen und einem solchen Wunsche wird kein Hinderniß entgegenstehen. Einen Verein, ein wohlgeordnetes Statut wird man doch auch jedenfalls beabsichtigen; denn eine bloße Wohlthätigkeitsanstalt, die jedem hergelaufenen Schnorrer, der den Namen „Lehrer" und gar „Rabbiner" usurpirt und schändet, wird man doch wohl nicht eine Schnorrergabe zusertigen und dies „Pension" nennen wollen? Wohlan; wenn etwas Gutes geschaffen werden soll, wir sind dabei. Aber wir protestiren so lange gegen das Neue, wenn das Gute, das man schaffen will, schon vorhanden und der weitgehendsten Vervollkommnung fähig ist. Will man eine wohlthätige Anstalt unterstützen, gut, die Achawa ist da; sie wird verwaltet von Männern aus Frankfurt a. M., Kaufleuten, neben welchen nur 3 Lehrer und 1 Rabbiner in der Verwaltung sitzen. Wir sind dabei, wenn man das Bessere ( auf Kosten des Guten schafft. Aber wodurch kann das neue Institut im Voraus erweisen, daß es wirklich das Bessere ist, oder auch nur ebenso gut werden wird? Wir sind weder eitel noch eifersüchtig auf unsere Schöpfungen. Wir haben schon manchmal herbe Erfahrungen machen müssen in dieser Richtung. Aber über die Achawa, so hoffen wir, wird man nicht zur Tagesordnung übergehen! — (Schluß folgt.) Sa Cütinaka. Es gereicht uns zur herzinnigen Freude, unseren freundlichen Lesern als Festesgruß von dem Gelingen des Werkes Mittheilung machen zu können, das in dieser Zeitschrift angeregt und nun herrlich ausgeführt worden. Das „Chanukabuch" ist, wie unsere geschätzten Leser bereits aus dem Jnseratentheile dieser Zeitschrift erfahren haben, erschienen. Die deutsche Judenheit ist dadurch in den Besitz eines Haus- und Volksbuches gekommen, wie wir noch keines besitzen; das ihr zur Ehre, zur wahrhaften Erhebung gereichen wird. Möge es seinen hehren Zweck erfüllen! Möge es aus den jüdischen Häusern jene schale Sorte von Büchern verbannen, die alljährlich „zum Christfest" den Markt überschwemmen; Schriften, „in welchen der Weihnachtsbaum und der heilige Christ das A und O ist"; welche den warmen tief gemüthlichen festlichen Anregungen, das das Judenthum seinen Bekennern bietet, geradezu entgegenwirken. Und das Buch ist herrlich gelungen! Es ist ein köstlicher Anfang — möge eine lange Reihe seines Gleichen ihm alljährlich folgen; möge es Verbreiter, Leser finden in allen jüdischen Häusern und der Herausgeber wird eine Saat ausgestreut haben, die unendlichen Segen birgt. Wir kennen die christlichen Volksschriften, die gleiche Zwecke verfolgen; wir dürfen es mit gerechter Befriedigung und ohne Anmaßung sagen: es übertrifft weitaus an innerem, wahrhaft reichem poetischen Gehalte die christlichen Schriften gleichen Zweckes; Dank wohl der hingebenden Liebe Lehmann's und seiner Mitarbeiter! — Doch dürfen wir mit Stolz auch hinzufügen: Dank auch den hehren Gedanken des Judenthums! In diesem Buche erfahren wir, wenn wir es noch nicht wissen sollten, wie überreich das Judenthum, das jüdische Leben an gemütherhabenen Anregungen ist, denen das Christenthum Nichts als etwa eben den Christbaum entgegensetzen kann, der dem verhimmelten Ideale geweiht, aber nicht entsprossen, in dieser Weise aber keinen realen Boden hat: der Christbaum ist nur als Gebrauch sinnig; — er stammt aus dem Heidenthume; sein jetziger Inhalt, seine Bedeutung für sich — ein Nichts. Tausende zünden ihn an, ohne des historischen Christus zu gedenken oder an den „Sohn Gottes" zu glauben. Wir skizziren kurz den Inhalt des herrlichen Buches. Als Einleitung bringt dasselbe ein Gedicht „die Menorah"; Chanuka und Weihnachten. Ein Vorwort vom Herausgeber *). Ein Gedicht „zum Weihefest"; und schließlich „Chanuka" von Dr. Rothschild, das die Bedeutung des Festes, das ihm zu Grunde liegende geschichtliche Ereigniß ausführlich zeichnet. Der weitere Inhalt wird durch die Worte I. Die Lehre, die hehre, Erquickt uns hienieden II. Im häuslichen Frieden, III. In. festlichen Stunden IV. Gemeinsam verbunden. V. Aus düsteren Tagen VI. Zum strahlenden Licht Hat sie uns getragen. Sie lassen wir nicht poetisch eingetheilt. Es umfaßt daher der erste Theil eine Reihe von Gedichten, welche die Lehre Israels verherrlichen *) Aus dieser Zeitung, die erste Anregung, Nr. 2 dieses Jahrgangs.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.