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Jüdische Volkszeitung · 1873-12-03 · 49 (3.12.1873) · p. Seite 390

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
49 (3.12.1873)
Date
1873-12-03
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 in die betreffende Bibelstelle sich als falsch herausstellt: Im 2. B. M. Cap. 4 V- 4 ist allerdings die Rede von einer zum Stabe verwandelten Schlange, allein der Vers 3 daselbst spricht von einem zur Schlange verwandeltem Stabe, womit wohl die Entdeckung des Prof. Pancri nichts gemein hat. Uebrigens bleibt das ״Wunder" der h. Schrift auch in ersterer Beziehung ungeachtet der genannten Entdeckung ein solches, wenn man bedenkt, daß es dort gerade sich um ein Erfassen der Schlange am ״Schweif" handelt, während bei Prof. Pancri von einem Kneifen am ״Genick" die Rede ist." — Wir sind hiermit dem Wunsche nach Veröffentlichung nachgekommen; große Wirkung seiner ״Wunder"- Ansichten wird der Einsender wohl selbst kaum erwarten." 186. In Marocco dauern die von uns mitgetheilten Judenverfolgungen fort und wurden in neuester Zeit aus Juden, welche französische Bürger sind, ausgedehnt. Trotz Paß und Empfehlungsbrief dürfen sie, wie die Einheimischen, z. B. in den Städten nicht auf Pferden reiten, müssen im Mellah d. h. im Ghetto wohnen, dürfen sich nicht europäisch kleiden und müssen noch, wenn sie das maurische Stadtviertel betreten, ihre Babuschen oder Pantoffel, die einzige ihnen gestattete Fußbekleidung, ausziehen. Sie wurden ״Hundesohn" angeredet und mit der Bastonnade bedroht, als sie sich auf ihr französtsches Bürgerrecht berufen wollten. — Wird das ehr- und ruhmliebende Frankreich nicht Macht und Willen genug finden, um seinen Bürgern bei den Barbaren ihr Recht zu verschaffen? 187. Neue, merkwürdige Entdeckung gemacht durch ״Illustration", eine französische Zeitschrift, im Jahre 1873!! Hört und staunt! — Ihr kennt ja wohl die ״Hyänen des Schlachtfeldes", jenen Abschaum der Menschheit, der nach der Schlacht die Todten und Halbtodten plündert? Wie oft drang Euch wohl der Schauder durch Mark und Bein, wenn ihre düsteren Gestalten und ihre verruchten Thaten in den Zeitbildern Euch vor Augen traten. Nun, diese Räuber und Mörder ohne einen Funken menschlichen Gefühls, sie sind — Juden, und was noch mehr, deutsche Juden. Sie glauben diese Perfidie, diesen Wahnsinn nicht? Aber die ״Illustration" in Paris sagt's — zweifelt da noch Jemand? ״Der Jude", sagt sie in ihrer Nummer vom 27. September, ״der Jude ist die wahre Geißel der Invasion gewesen. So lange die Schlacht dauert, bleibt der Jude dahinten, weit davon ist gut vor'm Schuß. Aber ist der Feind geflohen, ist das Schlachtfeld frei, dann eilt der deutsche Jude herbei. Da ist er Herr und König. Ihm gehören die Leichen, alle . . . In aller Ruhe, von Gruppe zu Gruppe eilend, raubt er die Todten aus. Wenn man ihn sich über sie neigen, begierig, athemlos herbeieilen steht, so sollte man glauben, es sei ein Verwandter, der einen Bruder, einen Freund sucht. Er sucht nur Gold. Zuweilen hört man ein Aechzen, ein Schmerzgeschrei: es ist ein Verwundeter, der um Hülfe ruft. Aber hat der ״Rabe" wohl Zeit, sich wegen solcher Bagatell aufzuhalten? Hat er nicht eine Mission zu erfüllen? Denn man vergesse nicht, der würdige Mann ist auch Staatsbeamter, ein wichtiger Bestandtheil deutscher Organisation; er beschränkt sich nicht darauf zu stehlen, das geht ihn persönlich an: er ist auch Spion .. . Er geht der Armee voran, erspäht die Hülfsquellen jedes Dorfes, zieht über Stellung und Streitkräste des Feindes Nachricht ein. Manchmal wird der Jude, wenn er gefangen wird, erschossen; doch das geschieht sehr selten. Vorerst wegen der unerklärlichen Leidenschaft, die er für die Erhaltung seiner traurigen Person hegt und die ihn veranlaßt, alle mögliche Vorsicht zu üben und sich nur so weit zu wagen, als es sich mit seiner Sicherheit verträgt. Und dann, wenn er trotz seiner List in eine Schlinge fällt, weiß er sich meistens durch Vergrößerung seines Geschäfts zu retten: er verräth die Deutschen, wie er die Franzosen ausspionirt, in Zukunft führt er doppelte Buchhaltung, gibt Nachrichten hüben und drüben, das Geschäft ist nur um desto einträglicher. — Aber der Triumph, der süßeste Traum dieser ekelhaften und seltsamen Persönlichkeit, ist der Waffenstillstand; man hat dann Friede genug, um weder den Strick noch die Kugel fürchten zu müssen, und Krieg genug, um sein ehrliches Handwerk noch weiter üben zu können. Da sind die Requisitionen, die was eintragen, und dann — der Soldat ist ja dumm genug, für einen Gulden herzugeben, was hundert werth ist! Wir selbst, in eigener Person, konnten in der Gegend von le Mans constatiren, daß Juden, welche die deutsche Armee in ihrem Gefolge mit sich führte, sich preußische Soldaten tagweise mietheten, und mit ihrer Hülfe die Dörfer brandschätzten, d. h. Requisitionen eintrieben. Der Bauer konnte keinen Widerstand leisten -— die Soldaten waren ja da als drohender Beweis für die Richtigkeit vorgewiesener Papiere; er lieferte sein Vieh aus, das der Jude verkaufte. . ." Was sagen unsere Leser zu solch bodenloser Perfidie? zu solch grober Lüge, die nur etwa bei dem dümmsten französischen Bauer, der auch nicht den entferntesten Begriff von außerfranzösischen Zuständen hat, einigen Glauben finden kann! Welche Leser muß das Schandblatt voraussetzen, um mit ihnen von ״preußischen Soldaten" zu sprechen, die ein Jude ״leihweise" mit sich nehmen kann, um Requisitionen zu machen, die er in seinem Nutzen verwerthet? Tausende von Juden vergossen auf deutschem, italienischem, französischem Boden ihr Blut neben ihren christlichen Kameraden im Dienste ihres Vaterlandes, und ein französisches Schandblatt wagt es, solchen Schimpf auf eine ganze religiöse Gemeinschaft zu häufen! Vorausgesetzt, aber noch lange nicht zugestanden, es hätte sich wirklich ein oder das andere

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