Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 49 (3.12.1873)
- Date
- 1873-12-03
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9588641-9578452-9578885--439-9578890- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
im Zweifel seien, auf welchen Tag der Anfang eines jeden Monats falle und daher ebenso gut wie die nur Einen Tag feiernden Bewohner Palästinas wußten, an welchem Tage z. B. der 15. Nissan sei, so wäre es doch möglich, daß in Folge eines Machtgebotes der Staatsbehörde den Israeliten die Beschäftigung mit dem Thorastudium untersagt und dadurch auch die jüdische Kalenderberechnung wieder vergessen werde!! Bei dieser Gelegenheit gebraucht nun der Talmud den Ausdruck שלחו מתם, daß man von dort aus, d. h. von Palästina aus, die Kundmachung den Bewohnern außerhalb Palästinas zugeschickt habe. Hr. Di־. Kahn aber, dem dieser stehende Ausdruck für Palästina unbekannt war, hielt das Wörtchen Ln (dort) für den Namen eines Ortes und übersetzte: man schickte von Tam aus! (hört! hört!) Hierdurch wäre also zur Ehre des Di־. Kahn constatirt, daß derselbe aus Mangel an talmudischer Kenntniß, nicht aber in der Absicht zu täuschen, die angeführten Stellen zur Verherrlichung des Verstorbenen angewendet habe. Und ככה יוסף אכא בשוקה zu deutsch: ״Man wird auf der Straße gar Manchem begegnen, der vom Talmud nichts versteht und doch ein ehrenhafter Mann ist." — Zum Schlüsse möge aber doch das Mahnwort aus den Sprüchen Salomos Cap. 17, V. 28 eine Stelle hier finden: ״Auch den Thoren, wenn er schweigt, kann man für weise halten und für einsichtsvoll — wenn er sein Maul hält." Aus Württemberg. Die königl. israelitische Ober-Kirchen- Behörde hat an die Nabbinate folgendes Circular erlassen: ״Um zu verhüten, daß das Stiftungsvermögen des württembergischen Landesvereins der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden in stets steigender Progression und zu ftühe aufgebracht werde, hat der Verwaltungsrath dieses Vereins an sämmtliche Ober-Kirchenbehörden des Landes das Ersuchen gestellt, wie im Jahre 187k, so auch dieses Jahr in der Zeit der ruhmvollen Tage des 30. November und 2. December eine kirchliche Feier und allgemeine Kirchencollecte anzuordnen. Diesem Wunsche für ihren Theil entsprechend ertheilt andurch die kgl. israelitische Ober-Kirchenbehörde dem Rabbinate den Auftrag, am Samstag, den 29. d. M., über die Stelle des Wochenabschnittes 1. Mos. 28, 20—22 einen zweckentsprechenden Vortrag zu halten und zu Spenden für den edlen Zweck der Kaiser-Wilhelms-Stiftung aufzufordern. Von diesem, am 29. d. M. zu haltenden Vortrage ist bereits am 22. d. M. von der Kanzel herab der Gemeinde Kenntniß zu geben, mit dem Anfügen, daß am Vorabende des 29. jedem Gemeindegenossen durch Aufstellung einer Opferbüchse Gelegenheit zu einer Spende für den genannten Zweck gegeben werde, daß aber besonders die am 29. zur Thora Aufgerufenen es nicht versäumen mögen, ihre Spenden diesem Zwecke zuzuwenden. Die eingehenden Spenden sind von den israelitischen Kirchenvorsteherämtern direct an die Casse des württemb. Landesvereins der Kaiser-Wilhelms-Stiftung einzusenden. Das Rabbinat wird Sorge tragen, daß dieser Anordnung in allen Synagogen des Bezirks nachgekommen werde. Stuttgart, den 10. November 1873. Schmid. Steiner." In der Kammer der Abgeordneten wird demnächst die Frage wegen Aufhebung der Personalsteuer bei den Israeliten des Landes zur Verhandlung kommen. Diese Steuer war früher das sogannte Schutzgeld. Der verewigte König Wil- Helm verzichtete auf den Bezug desselben und überließ die Steuer zur Gründung eines Centralkirchenfonvs den Israeliten des Landes. Von jedem selbstständigen Israeliten wurden bis jetzt jährlich 6 fl. als Cultsteuer erhoben. Diese Abgabe ist wegen ihres odiosen Ursprungs und, als eine Art Kopfsteuer, längst schon von den Israeliten beanstandet worden und sind Petitionen an die Stände um Umwandlung derselben in einen gerechten Modus abgegangen. Nun wird dieser Gegenstand seine gesetzliche Erledigung finden. Kundfcfiau. 185. Die ״Fr. Z." enthielt jüngst folgende Mittheilung: ״(Schlange und Stab Mosis.) Der italienische Professor Pancri, welcher vor einigen Jahren an der Universität in Pavia und gegenwärtig an der Universität in Neapel seine Vorlesungen hält, ist kürzlich von einer wissenschaftlichen Reise aus Egypten zurückgekehrt und hat vor einigen Tagen in der Akademie der Wissenschaften in Neapel einen Vortrag über Schlangen gehalten. Die Beschreibung, die er von der sogenannten Nayaschlange gab, erregte allgemeines Erstaunen. Von dieser Schlangengattung hat Prof. Pancri einige lebende Exemplare mitgebracht. Die Thiere haben die Eigentümlichkeit, daß, wenn man sie am Genick an einer gewissen Stelle ziemlich stark kneift, sie ganz steif und unbeweglich wie in Stein verwandelt daliegen und wenn man an derselben Stelle wieder nach einer anderen Richtung hin drückt, sofort ihre frühere Lebendigkeit wieder gewinnen. Diese EigenthümlichkeiL der Naya scheint also Moses vor Jahrtausenden schon gekannt zu haben, da er bekanntlich vor den Augen des Pharao dies ״Wunder" mit den Schlangen ausführte und so dem Gott Israels zur Anerkennung verhalf." Die Sache war gefährlich! Einige Tage später fanden wir in derselben Zeitung Nachfolgendes: ״(Ein gläubiger Rabbiner) schreibt uns mit der Bitte um Veröffentlichung Folgendes: ״Unter den ״Kleinen Mittheilungen" in Nr. 318 d. Ztg. (2. Blatt) befindet sich ein Artikel ״Schlange und Stab Mosis", der bei einem Blick