Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1873-12-03 · 49 (3.12.1873) · p. Seite 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
49 (3.12.1873)
Date
1873-12-03
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9588641-9578452-9578885--438-9578889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

388 den Beweis der Berechtigung zu einer gesonderten Existenz aufzuerlegen, und zwar dadurch, daß sie den größten Theil der für ihren Bestand nöthigen Kosten aufbringe. In diesem Falle sei alsdann der noch fehlende Theil auf das Budget der Gesammtgemeinde zu übernehmen. Die Versammlung spricht ihre Zustimmung zu den in der Broschüre aufgestellten Gesichtspunkten aus, und beschließt, daß die Schrift unverzüglich unter den Ausschußmitgliedern zur Prüfung cursiren solle. — (Schluß folgt.) Correfponäenz. Jagekkeim, 16. November. Aus Dresden berichtet man uns, daß auf Anordnung des dortigen Oberrabbiners Herrn Di־. Landau das jüngst in dieser Zeitung veröffentlichte Gebet für die Bedrängten um des Glaubens willen deutsch an jedem Sabbath, an welchem gepredigt wird, an ״guten" Sabbath und wenn ראש החדש verkündigt wird, vorgetragen. Wir haben, im Einvernehmen mit unserem Gemeinde- Vorstande, diesem Beispiele alsbald Folge gegeben. Aus äer Provinz Nassau. Vor einiger Zeit haben Sie die Schauder erregende Nachricht gebracht, daß ein israelitischer Fruchthändler von Bibrich der auf seinem Geschäftsgänge in Eltville plötzlich des Abenvs verstorben, am darauffolgenden Mittag bereits beerdigt wurde. Neulich bin ich in den Stand gesetzt worden, Ihnen Folgendes zur Illustration jenes Actes mitzutheilen, mit der gebührenden Voraussetzung, daß ich damit durchaus nichts gegen die Ehre des Verstorbenen sagen will, der in Frieden ruhen möge. Hr. Di־. Kahn zu Wiesbaden, nachfolgend dem bescheidenen Grundsätze, den Korach einst aufgestellt hatte כי כל העדה כלם קדשים. daß Alle, die seiner Parteigemeinde angehören, lauter Heilige sind, soll den Verstorbenen eine Extratrauerseier (הכפר) in der Synagoge oder in dem Trauerhause zu widmen pflegen. Dies geschah denn auch bei dem eben erwähnten, so plötzlich Verstorbenen. Nun hören Sie, wie Dr. Kahn diesen Verstorbenen nach dem Berichte eines schlichten, durchaus glaubwürdigen Landmannes gefeiert hat. Die ängstliche Gewissenhaftigkeit, mit welcher der Verstorbene alle Religionsübungen verrichtet habe, verglich er u. A. mit der Gewissenhaftigkeit des Königs Salomo. Wie dieser ftomme König, so habe auch er — dessen Vomame Salomo war — sich schon früh Morgens um 4 Uhr zum Gottesdienste von seinem Lager erhoben; sein plötzlicher Tod sei darum wie der Tod des Moses und Aron (מיתת נשיקה) ein gottbegnadigter Tod, durch einen göttlichen Kuß gewesen. Mein Gewährsmann und die ganze übrige simple Zuhörerschaft wurde durch diese und ähnliche Auslastungen natürlich höchlich erbaut und bekam einen ganz besonderen Respekt vor dem Seliggesprochenen, dessen überschwängliche Verdienste während seines Lebens Allen, die ihn kannten, ganz entgangen waren. Ich aber, als ich von diesen Auslassungen hörte, fragte mich: Hat man es hier mit einem Manne — ich meine Hrn. Dr. Kahn, nicht den Verstorbenen, der an diesen Uebertreibungen nach seinem Tode höchst unschuldig ist — zu thun, der seine Zuhörer absichtlich täuschen wollte, oder hat man es mit einem groben Ignoranten zu thun? Denn von Salomo wird wohl in einem Midrasch berichtet, daß er sich in der vierten Morgenstunde von seinem Lager erhoben habe; aber das ist nicht, wie Dr. Kahn meint, um 4 Uhr Morgens, sondern — wie Jeder, der mit Talmud und Midrasch nur irgend bekannt ist, weiß — um 10 Uhr Morgens. Es wird daher auch dieses späte Aufftehen nicht mit Lob, sondern mit einem scharfen Tadel gegen Salomo erwähnt, zumal dadurch der Frühgottesdienst im Tempel gestört worden sei. Ebenso ist es falsch, wenn er den plötzlichen Tod als מיתת נשיקה bezeichnet, was von dem Standpunkte einer Orthodoxie, zu deren Vertreter sich Dr. Kahn und Consorten auswerfen, geradezu an eine Gotteslästerung streift; denn eine solche in dem Lebensalter des Verstorbenen eingetretene plötzliche Todesart wird von dem Talmud als מיתת המנפה und als von sehr übler Vorbedeutung betrachtet, während sie das Volk eine מיתת משננת — wovor Gott bewahre — nennt. Bedenkt man nun noch, daß die Leiche des Verstorbenen in dem Hause eines katholischen Christen liegen mußte, woselbst an dem Thürpfosten des Zimmers statt der Mesusa an den Wänden Crucefixe, Muttergottesbilder u. s. w. auf die Leiche herabblickten, — Dinge, die ein neuorthodoxes Gemüth doch auf das Empfindlichste verletzen müssen, — so war es gewiß einfaches Gebot der Klugheit, über die, von solchen Umständen begleitete Todesart mit gänzlichem Stillschweigen wegzugehen. Doch nach dem, was wir früher über Dr. Kahn gehört haben, scheinen dessen Auslassungen nicht einer Absicht, sein Publikum zu täuschen, sondern seiner groben Ignoranz zuzuschreiben zu sein. Als ein Beweis für diese Behauptung wird die folgende Mittheilung, die uns von glaubwürdiger Seite zugegangen ist, genügen.. Bei einer öffentlichen Prüfung seiner Religionsschule hat nämlich Dr. Kahn über die bekanntlich unbiblische Feier der sogenannten ״zweiten Festtage" gesprochen und dabei die Talmudstelle angeführt, in welcher es heißt, daß man von Palästina aus den Bewohnern außerhalb Palästinas kund gemacht habe, daß man auch femer den Gebrauch der Väter beibehalten und statt des von der Thora vorgeschriebenen Einen Festtages immer zwei Festtage feiern solle; denn wenn wir auch in Folge der religions-gesetzlich eingeführten Berechnung nicht mehr wie die Früheren :גיד &

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.