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Jüdische Volkszeitung · 1873-11-26 · 48 (26.11.1873) · p. Seite 381

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
48 (26.11.1873)
Date
1873-11-26
Page
Seite 381 (sequence 5)
Language
German
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381 möglich, daß die Woche, in welcher die Perikope וישב gelesen wird, schon so früh, d. h. schon Mitte November sei, selbst in einem שנת עיבור nicht. Aus diesem Grunde scheint mir das etwas mysteriöse Schriftstück kaum der Beachtung werth, so lange nicht andere Angaben es günstiger beurtheilen lassen. I. Glück, Cantor emerit. Jlun(lfcf1au. 178. Die israelitisch - und protestantisch-französischen Blätter von diesem Monat sind noch voll von Besorgnissen der legitimistischen Restauration und der clerikalen Zwingherrschaft, die der ״Roy" Frankreich als Morgengabe mitbringen wird. Von diesem Alp wird der Selbstmord sie befreien, den der letzte echte Bourbon an sich selbst begangen hat, indem er seinen Brief an Chesnelong schrieb und trotz aller Bitten der Rechten veröffentlichen ließ. Heil, dreimal Heil diesem fanatischen ״Non. possumus“ der Schwarzen, das jeden Frieden und Vertrag mit ihnen zur Unmöglichkeit macht. Möchten sie nur weiter und ewig so starrköpfig und widerhaarig bleiben, dann bleibt auch die Welt und der Fortschritt vor ihrer Herrschaft gesichert! 179. Nach dem ״Ungarischen Lloyd" denke die russische Regierung daran, die unbewohnten Gegenden des Kaukasus mit persischen Israeliten zu bevölkern, und seien bereits Mittel ergriffen worden, die Auswanderung derselben zu erleichtern und zu befördern. — Trotz der freundlichen Aufnahme, welche die jüdisch-europäischen Deputationen beim Schah gefunden und trotz der, vielleicht ganz ernstlich gemeinten Zuficherungen des Letzteren, würden unsre persischen Glaubensgenossen gewiß gut dran thun, diese Gelegenheit der Aus- Wanderung zu benützen. — Von den im Aufblühen begriffenen jüdischen Ackerbau-Colonien in jenen Gegenden haben wir schon ftüher aus gleicher Quelle günstig lautende Berichte gebracht. 180. Dr. Dreyfuß, Elsässer, Augenarzt, der sich während der Belagerung von Paris ausgezeichnet, dabei eine gefährliche Wunde erhalten hatte, die seine Hand verstümmelte und lähmte, und zum Ritter der Ehrenreligion ernannt worden war, begab sich, blos von edlem Berufseifer getrieben und trotz der Bitten seiner jungen Frau — er hatte sich vor Kurzem in Algier verheirathet — nach Spanien zu den Karlisten, wo er von Don Alfonso, dem Bruder des Prätendenten, zum Ober-Lazareth-Arzt ernannt wurde. Von den Republikanern gefangen wurde er, trotzdem er die Genfer Binde trug, als Fremder, ohne Urtheil und Recht, sofort erschossen. — Wie kann aber auch ein Jude seine Dienste einem Don Karlos widmen? Wehe unseren Glaubensgenossen in Spanien und Frankreich, wenn dort ein Karl VII., hier ein Heinrich V. zur Herrschaft gelangen sollten! 181. ״La France du Nord" erzählt ernsthaft ihren Lesern: ״Dieser Tag, Jom Kippur, ist eine Art General- Beichte. Beim Erscheinen des ersten Sternes hört das Verbot (jede Art von Nahrung zu sich zu nehmen) auf und unter dem Blasen von Steinbock- (bouquin-) Hörnern ertönt in allen Tempeln dreimal der laute Ruf: ״Nächstes Jahr in Jerusalem!" — Ist das nicht gut? 182. Die Japanesen schreiten auf dem Wege des Fortschrilles rührig voran. Nachdem sie mit Hülfe europäischer Sprachgelehrten ihre bisherige Wörterin eine Buchstabenschrift umwandelten, sind sie jetzt im Begriff, aus den bestehenden Confessionen heraus, sich eine vernünftige, ihnen passende Religion zu erwählen. Zu Aeddo soll ein Concil abgehalten werden, zu dem Geistliche aller Religionen, man versichert, auch Freidenker, eingeladen worden sind. — Etwas Wahres scheint wirklich dran zu sein! 183. In Amerika sind unter den Auspicien des Dr. Wise, Sammlungen für Errichtung einer jüdisch-theologischen Hochschule im Gange, und Herr Oberrabbiner Isidor in Paris fordert zur Bildung eines Fonds auf, aus welchem jüdische Theologen, Rabbinats-Candidaten, unterstützt und Gemeinden und Synagogen in französischen Städten gegründet werden sollen, wo sich seit der Vertreibung im 11. und 12. Jahrhundert bis jetzt keine neuen mehr hatten bilden können. — Glück zu! Denn der Andrang zur Theologie in allen Religionen ist zur Zeit noch immer stark in Abnahme begriffen. 184. Der Ultramontanismus scheint wieder eine Parole ausgegeben zu haben und er ist so tüchtig geschult und organisirt, daß ein Wink von Oben genügt, um aller Orten gefügige Werkzeuge zu finden, die allesammt aus demselben Tone pfeifen. Auch der ״Tablet", das Organ des englischen Ultramontanismus, sucht die Engländer aufzureizen, gegen die den ״Weltmarkt beherrschenden", den ״Handel und das Geld monopolisirenden Juden" — Was geht uns die im Verhältniß zur Gesammtheit so geringe Zahl jüdischer Millionäre an? Wahrlich! sie haben uns durch den Neid, den sie erweckten, mehr Uebles zugefügt, als sie je an Stiftungen oder dergleichen uns Gutes gethan! Und dann: pecunia non ölet! War der ״katholische" Baron Langrand ein Jude? Die das große mit Juwelen besetzte Kreuz tragende Spitzeder eine Jüdin? Ist nicht Ouistorp ein eifriger, frommer protestantisch er Christ? Der Schwindel ist an keine Confession, keine!Nationalität gebunden. Und steht es Euch an, uns wegen ( des ״blos dem Handel zugewendeten jüdischen Geistes" zu! schmähen, Ihr, die Ihr uns fast zwei Jahrtausende lang jede : andere Lebens- und Ernährungsweise gewaltsam abgeschnllten : habt? — abgesehen davon, daß die National-Oeconomie, die

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