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Jüdische Volkszeitung · 1873-11-26 · 48 (26.11.1873) · p. Seite 380

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
48 (26.11.1873)
Date
1873-11-26
Page
Seite 380 (sequence 4)
Language
German
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380 in ehelicher Gemeinschaft zu leben, so ist diese Gnade eine doppelte und dreifache, wenn diese Ehe eine glückliche und segensvolle, wenn solche bejahrten Ehegatten noch so rüstig und ftisch an Körper und Geist sich befinden, wie dies hier der Fall, und war darum Nichts natürlicher, als daß dieses herrliche Fest in schönster Harmonie von Statten ging. Morgens schon war der katholische Ortsgeistliche, Nachbar des Jubelpaars, gekommen, um seine Glückwünsche darzubringen. In warmen und liebevollen aus dem Herzen kommenden und mit tiefer Rührung gesprochenen Worten hob er hervor, wieviel Gutes das Jubelpaar seiner Gemeinde schon erzeigt, wie er also nicht allein als Nachbar, sondern Hauptsächlich als Vertreter seiner Kirchengemeinde Dank und Glückwünsch darzubringen sich gedrungen fühle. In oer heutigen Zeit thuen solche Worte aus solchem Munde doppelt wohl. Bis zum Mittag waren Gäste aus Nah und Fern herbeigeeilt, alle Kinder und viele Enkel suchten durch ihr Erscheinen und ihre herrlichen Hochzeitsgeschenke die lieben Eltern und Großeltern zu erfreuen; Verwandte und Freunde fanden sich ein, um Theil zu nehmen an diesem Ehrentage. Es waren der Gäste nicht wenige; denn das greise Jubelpaar ist mit 10 Kindern, 45 Enkeln und 10 Urenkeln gesegnet. Zum Festredner war Herr Lehrer Marx aus Alsheim berufen, und wies derselbe namentlich in seiner Ansprache darauf hin, daß Gottes Gnade nicht allein es war, die das Jubelpaar so rüstig erhalte und glücklich mache, sondern, daß anschließend an die Worte der Weisen: ״Eine herrliche Krone ist das Alter; aber nur auf dem Wege der Tugend wird sie gefunden," — seine vernünftige Lebensanschauung und Lebensweise, das einträchtige Zusammenleben als Ehegatten, die gediegene Kindererziehung, welche ausgezeichnete Resultate geliefert, die Handlungsweise nach Außen als Wohlthäter, Berather und Helfer, als Menschen überhaupt und als Israeliten insbesondere im edelsten Sinne des Wortes, einen eben so großen Theil zu diesem Glücke beigetragen habe, darum habe es sich nicht allein der treuesten Anhänglichkeit und Liebe der Seinigen, sondem auch der Achtung und Ehre Aller, die es kennen, zu erfreuen, und sei mit vollem Recht ein solches Eheleben für die Mit- und Nachwelt aufzustellen, das Jubelpaar könne darum mit dem Gefühle treuer Pflichterfüllung auf seine thatenreiche Vergangenheit, mit Wonne und Freude auf seine Gegenwart und mit froher Zuversicht in eine glückliche Zukunft schauen. Die Feier war eine erhebende und Freudenthränen glänzten in Aller Augen. Den andern Theil des Festes betreffend, trugen eine herrlich geschmückte und reichbesetzte Tafel, Musik und gelungene Toaste, ausgebracht von einem Schwiegerenkel, einem Neffen, einem Sohne des Jubelpaares und dem Lehrer der Gemeinde das Ihrige bei, um die ftohe Stimmung, die nun bei Allen eingekehrt war, zu erhöhen. Die großen und zum Zweck des Festes schön geschmückten Räume ermöglichten es, daß die Enkel und jüngeren Gäste sich noch durch Tanz erfteuen konnten; aber auch die Jubelbraut walzte mit ihrem jüngsten Sohne so tapfer, daß keine ihrer Töchter es auch in diesem Punkte ihr wohl zuvor thun dürfte. So verlief das herrliche Fest in schönster Weise und trennte man sich mit dem gegenseitigen Versprechen, das man sich, auf Wunsch eines Tischredners, gegeben, nach 10 Jahren wieder zu kommen, um die eherne Hochzeit zu feiern. — Möchte dieser Wunsch in Erfüllung gehen! Erfurt, 11. Nov. 1873. In Nr. 45 Ihrer geschätzten Zeitung geben Sie Ihren Lesern ״ein Nüßchen zu knacken", wozu ich mir folgende Bemerkung erlaube. Meiner Meinung nach kann man dem angeführten Schriftstück so lange keinen historischen Werth beimessen, als nicht über- Haupt Factum und Identität der Personen mehr Wissenschaftlich begründet ist, und es wäre thöricht, jeden Papierschnitzel als Antike zu verehren, blos weil er alt und vergilbt ist. Aber selbst hiervon abgesehen und von der Voraussetzung ausgehend, daß die deutsche Uebersetzung dem lateinischen Original genau entspricht, muß es auffallen, daß das letztere nicht ebenfalls wie das Hebräische die Namensunterschrift des Geldempfängers Salomon von Paris hat, und was bedeuten überhaupt die hebräischen Zeilen auf einer für einen christlichen Schuldner bestimmte Quittung? Die drei Buchstaben ק׳ט׳ג scheinen mir keine erhebliche Schwierigkeit zu bieten. Ich halte sie allerdings für die Jahreszahl 5143 1382, und der Einwand, daß seit 1292 die Juden aus England vertrieben waren, ist nicht stichhaltig, indem dies keineswegs die Möglichkeit ausschließt, daß nicht dennoch einzelne Juden behufs Abwickelung von Geldgeschäften ins Land gekommen wären. Außerdem kann man auch die Zahl '1282 43 — מ׳ג annehmen, und das 'ק — vielleicht ein wenig abgesondert stehend — soll קטן, soviel als פרט קטן, kleine Zahl, mit Hinweglassung der Tausender, bedeuten. Bekanntlich hat man häufig die beiden Buchstaben פק mit einander verschnörkelt, und es mag in diesem Falle vielleicht nur das ק noch kenntlich sein, oder der Schreiber hat in der That das פ weggelassen, was ebenso häufig vorkam. Eine andere, weit größere Schwierigkeit scheint mir in folgendem Umstande zu liegen. Sollen die hebräischen Zeilen inhaltlich dem lateinischen Original entsprechen, so müßten sie auch dasselbe Datum haben. Das ist aber hier nicht der Fall. Der erste Montag nach dem Martinsfest, 11. November, kann nicht weit über die erste Hälfte des November hinausgehen, und es ist nicht

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