Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 48 (26.11.1873)
- Date
- 1873-11-26
- Page
- Seite 379 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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379 f i ( ן ׳ 1 * \ || t Ü i!’ v H nießen, als Holland. Hierher floh in traurig dunkler Zeit die Blüthe der aus Spanien und Portugal verjagten Juden; von hier aus geschahen unter Cromw ell's Regierung Schritte für die Wiederaufnahme der Juden in England. In jeder Beziehung werden die holländischen Juden mit ihren christlichen Mitbürgern auf ganz gleichem Fuße behandelt, und es wird ein Theil ihrer Gemeindeausgaben, wie in Frankreich, aus der Staatscasse bestritten. Die höchsten Stellen werden oft von unseren Glaubensgenossen bekleidet: noch vor Kurzem war Hr. Godefroi Justizminister; Hr. Hofstede, Chef des Kriegs-Departements, ist eben als einer der Führer mit der zweiten Expedition nach Atschin gegangen; Hr. E. E. van Raalte, Advocat und Municipalrath von Antwerpen, ist zum Staatsprocurator ernannt worden — kurz, unter den höchsten Gerichts- und Verwaltungsbehörden finden sich Juden. Holland ist auch Ursache gewesen, daß die Schweiz ihre Juden, die sich noch vor Kurzem nur in gewissen Gemeinden aufhalten durften, emancipirt hat, indem die holländische Regierung, auf Anregung Ludwig Simon's in Haag, sich weigerte, den Handelsvertrag mit der Schweiz abzuschließen, bis allen Bürgern ohne Unterschied gleiche Behandlung zugesichert war. Inzwischen sind die holländischen Juden, vielleicht gerade dieser größeren Freiheit wegen, in Manchem hinter ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern zurückgeblieben. Jüdische Lehrer, in der Regel CHasan und Schochet dazu, erhalten (wie die Jewish Times erzählen) 300 bis 350 Gulden Gehalt und müssen allerlei, oft lächerliche Nebenbeschäftigungen betreiben, um nicht Hungers zu sterben. Die holländische Presse selbst räth den jüdischen Lehrern des Landes, höhere Besoldung zu verlangen, und wenn sie nicht gewährt würde, Strike zu machen. — In Amsterdam wird jede jüdische Leiche durch 10—12 Träger vom Sterbehause durch die Straßen der Stadt bis ans Synagogenthor getragen. Stets läuft ein Mann vorher mit einer Büchse in der Hand, die er auf- und abschüttelt mit möglichstem Geräusch, um die Aufmerksamkeit vorübergehender Juden zu erregen, die eine Münze, groß oder klein, hineinwerfen. Die Leidtragenden folgen der Leiche zu Fuß. Vor der Synagoge wird der Sarg in den bereit stehenden Leichenwagen geschoben, die Leidtragenden besteigen die wartenden Wagen und nun geht's erst auf den Vegräbnißplatz. Vor Kurzem wollte der Synagogen-Vorstand diese Ceremonie abschäften und ordnete anständige Leichenbegängnisse an vom Sterbehause aus, fand aber einen solch hartnäckigen Widerstand, daß er es beim Alten lassen mußte. Corre^ronäenz. Aus Unterfranken. Sie erhalten wie im Vorjahre die Uebersicht der im Jahre 1872 gegründeten neuen Stiftungen zu Gemeinde-, Unterrichts-, Wohlthätigkeits- und Cultusstiftungsvermögen für den Regierungsbezirk Unterfranken mit dem wiederholten Bemerken, daß es sehr wünschenswerth wäre, wenn ähnliche Mittheilungen auch aus den übrigen Regierungsbezirken, durch Sie veranlaßt, zusammengestellt und veröffentlicht werden könnten. Demnach entziffern sich nach konfessionellen, örtlichen und allgemeinen Bestimmungen 367 katholische mit 158,133 fl. 304/ג kr. 16 protestantische 30,001 ״ - — - 5 israelitische 19 - 33,988 ״ - 13 ohne Confessionsunterschied 3/4 28 - 13,977 ״ - 236,100 fl. 18 kr. Die von unseren Glaubensgenossen gegründeten Stiftungen bestehen: 1. 33,675 fl. für den Zweck der Aussteuer unbebescholtener israelitischer Mädchen bei ihrer Verheirathung und Armenunterstützung in Würzburg. 2. 130 fl. 12 kr. für den Schulfond zu Unsleben. 3. 77 fl. für den israel. Armenfond ״ 4. 86 fl. 48 kr. für den Rabbinatssond ״ 5. 19 fl. 19 kr. für den Friedhofsfond ״ Für Schul- und Unterrichtszwecke fließen in der Regel keine Zusendungen zu, obwohl gerade nach dieser Richtung das Bedürfniß so nahe liegt und viel Segensreiches geschehen konnte. Hiezu fehlt jede Anregung, wie nicht minder der gute Wille, und so wird dieses Feld noch lange nicht in diesem Grade bestellt sein, wie es zu wünschen wäre. — In Würzburg bestehet auch ein Ohaye-Emeth- SSerem, Lokal: Kettengasse 14. Wann wird mir Veranlassung gegeben sein, die Gründüng eines Lehrer-Vereins, der sich täglich mehr und mehr als ein unabweisbares Bedürfniß fühlbar macht, melden zu können? — Wenn Sie seither seltener Mittheilungen aus Unterfranken erhielten, so beschuldigen Sie ihren Correspondenten hierüber nicht. Die sachlichen Erscheinungen in Unterfranken bei unfern Glaubensgenossen lassen sich ohne Personal-Kritik nicht leicht darstellen, und Letzteres meide ich bekanntlich prinzipiell. Ich möchte Ihnen stets Gutes anzeigen, und da ich seither nicht in der Lage war, dieses thun zu können, so hielt ich es für besser, zu schweigen, nach dem bekannten Grundsätze: il sait taire ce cju’il faut taire. Hu8 dem Aabkinatskezirk Dürkkeim, 22. October 1873, Gestern wurde hier ein ebenso schönes, als seltenes Familienfest gefeiert. Unser Mitbürger Herr David Kauffmann und dessen Gattin Fanny, geb. Feist, beginget: ihre Diamant- Hochzeit. Wenn es schon eine große Gnade ist, 60 Jahre