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Jüdische Volkszeitung · 1873-11-19 · 47 (19.11.1873) · p. Seite 374

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
47 (19.11.1873)
Date
1873-11-19
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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374 hochherzigen, jehovaglüubigen Abraham gegenüber. Feiner und > dabei kräftiger konnte mit wenigen Federzügen der Contrast! Zwischen Licht und Schatten der Charaktere zweier Menschen,! die sich gegenüberstehen, nicht gegeben werden.! Vor Allem darf man nicht aus dem hochtrabenden Namen ״König der Gerechtigkeit" auf des Mannes Charakter günstige Schlüsse ziehen. Wir finden im Buche Josua wieder einen König von Jerusalem (wahrscheinlich das hier genannte ״Schalem") an der Spitze der Coalition der 31 petty kings gegen Israel unter dem Namen ״Herr der Gerechtigkeit" (Adone Zedek). Man darf, im Oriente am wenigsten, den Titel nicht für den Mann nehmen. Dann darf man von dem Umstande, daß er Priester des El eljon, des obersten Gottes, genannt wird, und daß er zweimal diesen EI eljon so feierlich ausruft, noch nicht annehmen, daß er auf der Höhe der Gottesidee gestanden. Im Gegentheile: der Ausdruck ״höchster Gott" setzt den Glauben an viele Götter verschiedener Abstufungen voraus. Dem EI eljon des heidnischen Priesters stellt die hl. Schrift den Adonoi El eljon Abrahams gegenüber, den Jehova, der allein im Himmel und auf Erden mit Allgewalt und Barmherzigkeit waltet. Nachdem wir nun den Anhalt für ein Vorurtheil für Malchi Zedek beseitigt zu haben glauben, sehen wir nun, was gegen ihn spricht. Betrachten wir die Situation: Abraham befand sich mit seinen Bewaffneten auf der Rückkehr von seinem Siegeszuge. Die Kriegsbeute von neun Königen in seiner Hand. Männer, Weiber und Kinder als Gefangene in seiner Gewalt. Was war nach dem unbestrittenen Rechte jener Zeit das bittere Loos der unglücklichen Gefangenen? Sclaverei! Da stellt sich denn der König von Sodom ein und fleht: ״O, gib uns unsere Mütter und Väter, unsere Geschwister und Kinder wieder; unsere Reichthümer behalte!" Noch harret der arme König in flehentlicher Stellung; da erscheint auf dem Schauplatze der vornehme, hohe Priester des höchsten Gottes. Was mag er wollen? Was er wollen mag? Was Anderes mag er wollen, als für die unglücklichen Gefangenen ein gutes Wort ablegen beim Sieger? Der Priester hebt die Augen zum Himmel; er ruft zweimal hintereinander den El eljon. Zu welchem Zwecke? Zu welchem Zwecke?! Welche Frage?! Was wird er Anderes von seinem El eljon erbitten, als die Freiheit der Elenden? Der Priester theilt auch Brod und Wein aus. An wen? An wen sonst als an die schmachtenden Gefangenen? — O, wie irrt ihr euch! Er segnet den Sieger und danket seinem El eljon: daß er die Elenden in des Siegers Hand gegeben. Das Brod und der Wein sind für Abraham und seine siegende Schaar bestimmt. Hätte er Abraham bei seinem Auszuge zum Kampfe so zweifelhaften Ausganges mtt feinem Besuche geehrt, mit seinem Gebete gestärkt, mit Brod und Wein erquickt, so hätten wir wenigstens eine Probe von hingebender Freundschaft darin erblicken können. So aber ist auch nicht eine Spur eines Seelenadels in dem Auftreten Aialchi Zedek's zu entdecken. Und Abraham? Abraham, der keinen Anspruch machte: in dem Hofstaate des Himmels irgend eine hervorragende Stellung einzunehmen, weder König war, noch Priester, — Abraham hatte kein Wort der Erwiederung für die Schmeichelei. Er weiß, was der Priester will. Er gibt ihm den Zehnten. Der Priester, den guten Preis für Brod und Wein und Gebet in der Hand, zieht zuftieden heimwärts, an dem btttenden Könige, an den in peinigender Spannung harrenden Gefangenen vorbei. Abraham aber gewährt ihnen mehr, als was sie erfleheten: er gibt ihnen im Namen seines Adonoi El eljon Freiheit und das Ihrige wieder zurück. So erklärt sich auch die Jneinanderschiebung der Theile dieser verschiedenen zwei Erzählungen. Ob nun das Leben Malchi Zedek's über zehn Generationen bis in die vorsündflulhliche Zeit hinaufreicht, ob Malchi Zedek mit Schem identisch ist, das möchten wir nicht unterschreiben. Gewiß ist aber, daß der Herr ein zähes Leben haben muß; denn man will ihn noch in unseren Tagen an verschiedenen Orten gesehen haben. Feuikketon. Das todte Meer. Früher hat man die auffallenden Eigenschaften des todten Meeres, soweit man sie kannte, aus ein unmittelbares Eingreifen Gottes zurückgeführt, indem man glaubte, um die durch Feuer und Schwefel vom Himmel zerstörten Städte Sodom und Gemorrha Zu bedecken und das Andenken an dieses Gottesgericht durch seine Schauder ewig frisch zu erhalten. Die Wissenschaft hat diese Ansicht, dem Anscheine nach vollständig, umgestoßen und dieser Punkt ist so wie mancher andere, namentlich in angeblich populären Schriften schon oft verwendet worden, um die hl. Schrift und dadurch den christlichen Glauben anzugreifen; doch wird die folgende Darstellung zeigen, daß gerade das, was auf den ersten Blick mit der hl. Schrift in Widerspruch zu stehen schien, als nichts Anderes sich erweist, denn als die glänzende Bestätigung dessen, was die Bibel über das todte Meer wirklich sagt. Wir wissen nun, daß die merkwürdigsten Eigenschaften des todten Meeres sich theils aus seinem großen Salzgehalt erklären. Somit wird das Räthsel vollständig gelöst sein, wenn wir nun die Frage beantworten: Woher kommt die tiefe Lage und die

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