Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 47 (19.11.1873)
- Date
- 1873-11-19
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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375 außerordentliche Salzhaltigkeit dieses Sees? Die Erklärung der gewaltigen Einsenkung des Sees unter den Spiegel des Weltmeeres ist verhältnißmäßig leicht. Wenn auch bis vor 35 Jahren die Thatsache gar nicht bekannt gewesen zu sein scheint, so wußte man doch früher eben so wohl wie heute, daß die eigentliche Spalte, durch welche der Jordan sich hin- * schlängelt, mit dem todten Meere nicht ihr Ende findet, sondern bis zum rothen Meere sich fortsetzt, oder vielmehr bis zu dem Ausläufer des rothen Meeres, welcher der Busen von Akabah heißt. Von diesem Meerbusen an zieht sich ein lang gestrecktes, schmales Felsenthal zum todten Meere und über dieses hinaus, dem Laufe des Jordans folgend, bis beinahe zu dessen Ursprung am Fuße des Hermon hinauf. Nicht zu übersehen ist dabei, daß die ganze Beschaffenheit dieses Thales, namentlich die aus hohen Kal-kfelsen gebildeten steilen Seitenwände, unverkennbare Aehnlichkeit mit dem Spalte des rothen Meeres, selbst insbesondere auch des Meerbusens von Akabah, zeigen. Liegt nun da der Gedanke so fern, daß vormals das Weltmeer über Akabah hinaus bis an den Fuß des Hermon gereicht und die ganze Thalspalte des Jordans und dessen Fortsetzung bis zum rothen Meere mit seinen Wassern erfüllt habe? Die größten Geologen, von denen ich nur Leopold von Buch nenne, haben dies angenommen. Liegt ja doch auch heute B. noch außer dem unmittelbaren Quellgebiete der ganze Lauf des Jordan unter dem Spiegel des Meeres; so hat schon der See Merom 6, der See Generferanth 600 h und das tobte Meer 1225 Fuß, sein tieffter Punkt aber sogar 2460 Fuß Einsenkung unter den Meeresspiegel. Wenn aber dieses Thal so tief liegt, warum wird es nicht heute noch von den Wassern des rothen Meeres überfluthet? Nun, durch die jetzige Beschaffenheit der Erdoberfläche ist dem Eindringen des Wassers in das Jordanthal ein Riegel vorgeschoben. Gleich nordwärts von Akabah erhebt sich nämlich in dem Thale, das sich zum todten Meere hinzieht (Wadi el traba), der Erdboden allmälig bis zu> 800 Fuß über dem Meeresspiegel; dann fällt er wieder ab bis zum todren Meere. Diese Erhebung lagert sich also jetzt gleich einem ungeheuren Damm vor dem Jordanthale hin und verhindert das Eindringen des Meeres. Wollen wir nun das Entstehen des todten Meeres begreifen, so vergegenwärtigen wir uns nur die geologische Annahme: in der Urzeit war die Scheidewand zwischen dem rothen und todten Meere nicht vorhanden, das ganze Thal war vom Golf Akabah bis zum Hermon noch ein einziger schmaler Meerbusen. Da entstand (durch vulkanische 4 Kräfte) in dem Meeresarme eine Erhebung, welche so bedeutend war, daß. sie bis 800 Fuß über dem Meere reichte und die ganze Breite des Thales so ausfüllte, daß. das Meerwasser fernerhin in die Spalte eindringen konnte. Was war nun die Folge davon? Das Wasser in der Spalte, nordwärts von dein neu erstandenen Berge war ganz abgeschnitten von dem Meere und mußte allmälig, wenn auch in langer Zeit, verdunsten. Bei dieser Verdunstung zog es sich an den tiefsten Stellen des Thales zusammen und bildete hier, und mehr abnahm, bis zuletzt gerade so viel Wasser, welche zum Theil jetzt erst entstanden, das durch Verdunstung verloren Gehende durch ihre Gewässer genau ersetzen. Von da haben die drei so entstandenen Seen, der Merom-, Tiberias und todte See, ihre gleichbleibende Ausdehnung, da das Wasser, welches durch die Sonnengluth verdunstet, und jenes Wasser, welches durch die betreffenden Flüsse neu zugeführt wird, sich das Gleichgewicht hält. Allerdings erhöht sich in der Regenzeit der Spiegel der drei Seen um etwas und sinkt in der heißen Jahreszeit ebenso um ein Weniges; dies dient aber nur zur Bestätigung des Gesagten. Wie steht es jedoch mit dem großen Salzgehalt des todten Meeres? Das Meerwaffer ist bekanntlich mit Salz geschwängert; durchschnittlich rechnet man auf 1 Pfund Meerwasser 2 Loth Salz. Betrachten wir nun den Verdunstungsprozeß des in dem Jordanthale abgeschnittenen Meerwassers, so ist klar, daß der Salzgehalt dieses Wassers sich gar nicht, oder bei weitem nicht in dem Maße, wie das reine Wasser, durch die Verdunstung in Gasform auflösen könnte, das Wasser verdunstete, das Salz blieb aber zum größten Theile zurück, und zwar theils in fester Gestalt als wirkliches Salz, da wo es von dem zurückweichenden Wasser ganz verlassen wurde, theils aber auch noch aufgelöst in dem immer sich zusammen ziehenden Meeresarme. In der That finden sich an mehreren Stellen des Jordanthales solche Salzlager, welche wohl nur herrühren von dem ehemals das Thal füllenden Meewasser. Jenes Salz aber, welches nicht in ftster Form in dem Thale abgelagert wurde, findet sich jetzt noch aufgelöst in: Wasser des todten Meeres. Man wird sofort die Frage auswerfen: Findet sich denn nicht auch in den beiden anderen Seen, in dem Merom- und Tiberias-See, die doch auf gleiche Weise, wie das todte Meer entstanden sind, derselbe starke Salzgehalt? Man sollte es allerdings erwarten!,, und jedenfalls ist auch ftüher ihre Salzhaltigkeit der des todten Meeres gleichgewesen, jetzt aber enthalten beide Seen nur süßes Wasser. Diese Thatsache kann uns jedoch nicht verwirren, wenn wir nur bedenken, daß der Jordan die beiden Seen durchströmt, und zwar nicht blos seit Jahrhunderten, sondern seit Jahrtausenden. In dieser langen Zeit hat er alles Salz, das in jenen Seen enthalten war, hinabgeführt in das todte Meer, so daß dieses jetzt in sich beinahe sämmtliches Salz enthält, welches früher, in vorhistorischer Zeit, auf einem fünfmal größeren Raume vertheilt war. (Schluß folgt.)