Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 47 (19.11.1873)
- Date
- 1873-11-19
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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373 putzte Frauen und Mädchen, die laut ihre schrillen Stimmen ertönen ließen — so standen sie in Gruppen von 10 oder 12, Gott bittend, ihre Sünden mit dem strömenden Wasser von ihnen wegzuspülen. Die Mehrzahl war polnischer Nationalität, doch waren auch viele Deutsche dabei, von denen Jeder seine brennende Cigarre im Munde hatte — beten und Tabak ׳( rauchen! Wir dächten, deren sollte jedes zu verschiedenen Zeiten vorgenommen werden. Das Ganze war weit entfernt, einen religiösen oder auch nur wohlthuenden Eindruck zu machen und wir möchten unseren Glaubensgenossen, welche ״Taschlich" machen wollen, rathen, sich in Zukunft irgend ein einsames Plätzchen dafür auszusuchen. 178. Hr. Di־. Ernst Lehmann (Sohn des den süddeutschen Lehrern insbesondere in der Pfalz und Hessen wohlbekannten und Vielen befteundeten Di־. Ignaz Lehmann in Nürnberg) wurde zum Lehrer der Kreisgewerbschule (für die Pfalz) in Kaiserslautern ernannt. Mibkiscüe Ckarakterbikäer. Von Liebmann Adler in Chicago. (Aus ״Jewish Times".) (Schluß.) So sind auch heute die Fälle nicht gar zu selten, daß der wohlhabende Mann aus dem Hause der Armuth ein f braves, rechtschaffenes Mädchen heimführt in sein stattliches Haus. Allein wann hört man von einem Falle, daß ein Mädchen heraustritt aus einem Leben des Ueberflusses und einem verdienstvollen, aber in bescheidenen Vermögensverhältnisten lebenden: Manne die Hand reicht zum ewigen Bunde? Wo findet man das Mädchen, das stark genug ist: dem Zauber der Diamantenringe, der Armbänder, der Carossen, der Opern, "der glänzenden Parlors zu widerstehen? Ein arbeits- und entbehrungsvolles Leben an der Seite eines tüchtigen/ aber in bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen lebenden Mannes zu wählen, und das goldene Elend im Bunde mit einem Unwürdigen abzuweisen? — Sind da die jungen Männer nicht gezwungen, alles idealistische Streben von sich fern zu halten und dafür alle Kraft auf das Goldgraben zu verwenden? Sind da die jungen Männer nicht verlockt, mit allen Mitteln, schlechten oder rechten, aus ihren bescheidenen Stellen emporzuklimmen zu einer Höhe, von welcher sie hoffen dürfen, daß das Mädchen ihres Herzens ihnen folgen werde? Wenn dann die Goldjäger, kahl und abgelebt, ihr Ziel * erreicht; die freien, frischen, fröhlichen Mannesjahre dahin find und der nüchterne, lederherzige, bedächtige Bräutigam die Braut heimgeführt hat: ja, dann ist es natürliche Folge, daß sie ihren Frauen nicht seelenvolle Liebe bringen, mit ausdauernder Treue belohnen, mit achtungsvollem Zuvorkommen erfreuen, nicht Zeit und Umgang ihnen weihen in ihren fteien Stunden; sondern sie ablohnen mit Sammt und Seide, sie beschenken mit Gold und Brillanten und mit allen Arten von kostbarem Tande sich mit ihnen abzufinden suchen, — daß nur sie sich selbst zu geben brauchen. III. Wie der Priester des Alterthums dem Gelde huldigt, dabei aber die Augen zum Himmel erhebt. (1. B. M., Cap. 14, 17—23.) V. 17. Und es kam heraus der König von Sodom, Abraham entgegen, nachdem dieser zurückgekehrt aus dem siegreichen Kampfe mit Kadalomer . . . 18. Und Malchi Zedek, König von Salem, brachte Wein und Brod — er war Priester dem höchsten Gotte. 19. Und er sprach: Gesegnet sei Abraham dem höchsten Gotte (61 eljon) .... und gelobt sei der höchste Gott, der deine Feinde dir in die Hand gegeben. Und er (Abraham) gab ihm den Zehnten von Allem. 20. Und es sprach der König von Sodom zu Abraham: Gib mir die Gefangenen, die Beute magst du behalten. 21. Aber Abraham sprach: Ich erhebe meine Hand Zu Adonoi, dem höchsten Gotte (Adonoi (61 61)011) . . . nicht einen Faden, nicht einen Schuhriemen will ich nehmen von Dem, was dir war. Das wäre nun an sich eine unbedeutende Affaire: daß einer dieser Zaunkönige in Abrahams Umgegend Abraham gesegnet und mit Wein und Brod traktirt habe. Die Verehrer der hl. Schrift können dem Gedanken keinen Raum geben: daß dieses göttliche Buch Unbedeutendes berichte. Man suchte darum die Persönlichkeit dieses Malchi Zedek aufs Höchste zu verherrlichen, um mit der Person den Werth der Handlung zu heben. Unsere Alten sehen in diesem Malchi Zedek Schem, den Sohn Noahs, der zu dieser Zeit noch gelebt habe. Das Brod und der Wein zeige auf das einstige heilige Opfer an Brod und Wein im Tempel hin. Die Kirche aber legt ihre Hand auf die Geschichte und spricht: Dieser Malchi Zedek ist unser; er ist kein Geringerer als Jesus selbst, und zeigen dabei auf Psalm 110. Die ältesten Schriften der Kirche sind voll von diesem Gedanken. Wir zählen nun zwar auch zu Denen, die in jeder Aeußerung der hl. Schrift einen nicht gering zu schätzenden Gedanken enthalten glauben; aber wir suchen die Bedeutung dieser Erzählung nicht in dem Wert he Malchi Zedek's, sondern im Gegentheile: in der Darstellung seines Unwerth es, des Unwerthes des Priesters des LI eljon, dem edelmüthigen.