Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 47 (19.11.1873)
- Date
- 1873-11-19
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
- Tiberias 1× ep/1048138
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372 chen vergebens, auch der kranke, unglückliche Vater sah seine Tochter nicht wieder, welche nach Berlin gesandt worden ist, um sie dem Christenthum zuzuführen. Man erklärt sie für unwissend in jüdischen und christlichen Dingen. Dies ist die Folge des so häufigen Mangels an genügendem Religionsunterrichte bei den Juden. Die Christen glauben ein gottgefälliges Werk an diesen: Mädchen zu thun und kümmern sich um die Trauer des Vaters über den Verlust seiner Tochter wie den in der ganzen Familie verursachten Riß nicht. Es geschieht so um Gottes und der Religion willen. Für uns um solcher Lehren und Handlungen willen keine Muster-Religion. ״Gelobt sei Gott, der mich zum Juden gemacht und uns seine Thora gegeben hat!" Aullareft. Den 27. October fand dahier die feierliche Eröffnung der jüdischen Schule in der Straße Mircea Voda statt. Die gesammte Bevölkerung jenes Quartiers, die Behörden, eine große Zahl der hervorragendsten Bewohner der Stadt und der jüdischen Gemeinde wohnten der Festlichkeit bei. Die Schule verdankt bekanntlich ihr Entstehen insbesondere der patriotischen und aufopfernden Hingebung des edlen Herrn Jacob Lebel. Der Ceremonie wohnte der Minister des Unterrichts, Herr General Tell, bei. Unter den Anwesenden fanden fich der Polizeipräfect Hiott, der Abgeordnete Bra'iloi, der amerikanische Generalconsul Peixotto, Baron Hahn, österreichischer Consul, Hr. Const. Racote, russischer Viceconsul, Professoren der Universität, Municipalräthe u. A. m. Im Tempel wurde der Act durch hebräischen Choralgesang und Ansprache des Hrn. Adolph Stern in rumänischer Sprache eröffnet, worauf Hr. Ur. Beck, Rabbiner und Director der Schule, einen längeren deutschen Vortrag hielt. Hr. General unterhielt sich mit mehreren der Anwesenden und richtete an dieselben Worte der Anerkennung und Aufmunterung. — Die Schule kostet etwa 100,000 Frs. und zählt nahezu 900 Schüler in 9 Classen! — Möge sie zur sittlichen und materiellen Hebung der rumänischen Judenheit beitragen und ihr eine ruhige Entwickelung gegönnt sein. Aus Lonftantiae (Algier) berichtet ״Jew. Chronicle" von einem jüdischen Leichenconducte, welchen ein Araber insultirte. Die Juden straften den Beleidiger mit einer Tracht Prügel. Der Geschlagene suchte Hülfe bei seinen Landsleuten, woraus fich zwischen Juden und Arabern ein heftiger Streit entwickelte, in welchem zwanzig Araber verwundet wurden, worunter drei tödtlich. Das Militär stiftete endlich Ruhe. Munä^au. 171. Zu wiederholten Malen sind uns bittere Klagen über die kaltherzige Administration des hiesigen israelitischen Hospitals zu Gehör gekommen, und wurden wir gebeten, denselben Ausdruck zu geben. Wir nehmen denn keinen Anstand, folgenden neuerlich vorgekommenen Fall, der die genannte Verwaltung in ihrem wahren Lichte zeigen mag, der Oeffentlichkeit zu übergeben: Vor einigen Tagen bat ein armer kranker Mann, dessen Kräfte aufs Aeußerste erschöpft waren und der das Mitleid eines jeden fühlenden Menschen erregen mußte, in genanntem Hospital un: Aufnahme, wurde aber mit den Worten, als deutscher Jude fände er keine Aufnahme, abgewiesen. Durch gütige Hand gestützt, wurde er in ein christliches Hospital geführt, und hier, wo man weder confessionellen noch nationalen Abneigungen Raum gab, wo man in ihm nur den kranken leidenden Mitmenschen erblickte, hier fand er gütige Aufnahme. Zu dem (mild gesagt) engherzigen Verhalten der französischen Judenschaft steht das Verfahren der deutschen Israeliten in erfteulichem Contrast. Die letzteren sind soeben im Begriff, einen Wohlthätigkeits- Verein ins Leben zu rufen, welcher der großen Armuth der unteren israelitischen (französischen) Bevölkerung in etwas abhelfen soll. ״Metzer Zeitung". 172. Die israelitische Gemeinde Paris erhielt im vergangenen Monat 8290 Frs. an Geschenken für sich und 925 Fr. für das heilige Land (darunter 600 Fr. von Fr. v. Rothschild zu Arzeneien für Tiberias und Sefat). — Bei einer dieser Tage gehaltenen Versammlung, in welcher beschlossen wurde, in dieser Stadt, die jetzt 30,000 Israeliten, d. h. die Hälfte aller ftanzösischen Juden zählt, eine eigentliche jüdische Cultgemeinde zu errichten, machte G. v. Rothschild, der präsidirte, der neuen Casse ein Geschenk von 100,000 Fr. (״Arch. isr.") 173. Sie wissen, daß man in Südaftika eine Gegend entdeckt hat, in welcher zahlreiche Diamanten gefunden werden und daß sich dort eine neue Colonie, Diamond Fields, gegründet hat. In englischen Blättern lesen wir, daß sich in der jungen Colonie soeben eine jüdische Gemeinde, Griqualand West Hebrew Association, von 100 Mitgliedern gebildet und eine Synagoge eröffnet hat. 174. In der Nähe von Constantine (Algier) wurde ein wandernder jüdischer Arzt ermordet. 175. Die spanischen Insurgenten von Carthagena haben, englischen Blättern zufolge, Gold- und Silberbarren an die (?) Juden von Oran verkauft; der spanische Consul sei beauftragt, Beschlag darauf legen zu lassen. 176. Die ״Jewish World", ein Londoner Blatt, erzählt: Am ersten Tag Roschhaschana waren wir Zeuge eines sehr eigenthümlichen Vorgangs. Auf der großen Esplanade vor dem Zollhause, am Ufer der Themse, waren zwischen 1500 bis 2000 Juden versammelt, um ״Taschlich" zu machen. Am Rande des Quai's, über ihre Gebetbücher eifrig gebeugt, ge-