Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 46 (12.11.1873)
- Date
- 1873-11-12
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn er baares Geld braucht; hätte der Bauer keine Steuern zu bezahlen, so ließe er das alte Zeug wohl ruhig in der Rumpelkammer liegen; ob's da verrostet und zu Grunde geht, das genirte ihn wenig; was da liegt, ist einmal sein Eigenthum. Erst wenn er sich gedrängt sieht, baares Geld haben muß, dann öffnet er diese Schatzkammer seines Hauses und Hofes und sucht zusammen, was ihm entbehrlich scheint; dessen findet er nun freilich die Menge. Hat nun der Dorfgeher, der diese Dinge an sich bringen will, kein Geld in der Tasche, dann ist dem Bauer wenig geholfen; kann der Dorfgeher aber mit seinen Münzen ein bischen klappern, dann bekommt er die Sachen noch einmal so billig. Und so fühlte sich denn unser David etwas mehr und trat auch etwas fester auf. Nicht etwa, daß er deshalb stolz geworden wäre! Nein, er lebte nur in dem angenehmen Bewußtsein, daß er es nicht nöthig habe, sich zu demüthigen, wie es ehedem gar manchmal der Fall gewesen. Der gute David, er lebte jetzt seine glücklichsten Tage. Der Schmerz um die verlorene Mutter hatte sich im Laufe der Zeit bereits zu jener sanften, stillen Wehmuth abgeklärt, die das Herz nicht mehr einengt und belastet; die Rückerinnerung an die liebe Todte, die da draußen auf dem Gottesacker schlief und von deren Grabe ihm auf seiner stillen Wanderung das schlichte Denkmal, das er ihr gesetzt, so oft er hinblickte, einen Gruß herüberzuwinken schien, hatte nicht mehr das Bitterherbe, und Gewaltigaufregende der ersten kummervollen Tage. Seine Mutter war ihm nur vorangegangen. Er sah sie im Geiste in dem herrlichen Garten Eden, wo die Frommen wohnen im ewigen Anschauen der Gottheit versunken, sie war dort an Gottes Thron eine Fürsprecherin für ihn, den geliebten Sohn, den sie zurückgelassen, und er hoffte dereinst, ״über hundert Jahr" — sie daselbst wieder zu sehen und bei ihr zu bleiben für alle Zeit — ins Unendliche — ohne Trennung. Von solchen Gedankenausflügen in das Reich des Jenseits wendete sich sein Blick aber auch wieder der schönen, trauten Stätte zu, die er jetzt seine Heimath nannte, und dort schaltete und waltete im kleinen Häuschen das geliebte Weib, das ihm die Tage des Daseins versüßte. Die ganze Woche war er draußen auf dem Dorfe, und ging da umher von Haus zu Haus, von Hof zu Hof — um zu sehen, wo es etwas zu erwerben gab. Er war nicht träge, der gute David, er ging häufig umher, machte des Tages über gar oft die Runde und hielt fleißig Nachfrage; denn er kannte seine Bauern, er wußte, daß man sich da keine Mühe verdrießen lassen darf, wenn man etwas gewinnen will. Seine mehrjährige Erfahrung auf diesen Wanderungen hatte ihn belehrt, daß der Bauer nicht jedesmal gleich aufgelegt sei, etwas herzugeben, daß er sich von manchem alten Stück Hausrath nicht gerne trenne, daß er es aber schließlich doch thue, wenn man nur die Geduld nicht verliert, wenn man es über sich gewinnt, da — wo man Vormittags rundweg abgewiesen worden, des Nachmittags oder Abends wieder anzuklopfen. Er wurde von den Bauern aber auch als ein Ehrenmann geschätzt, und gar Manches überließen sie ihm, just weil er es war, was sie einem Andern nicht hergegeben hätten. Sie sagten von ihm, daß er sie nicht übervortheile, daß er eine augenblickliche Geldverlegenheit des Einen oder Andern unter ihnen nicht ausnütze, um sie etwa zu drücken, er ist ein Mensch, der leben, aber auch leben lassen will. Und so erschien ihnen dann auch sein Fleiß im Geschäfte nicht als Zudringlichkeit, in welche derselbe so oft ausartet. Er war fleißig und arbeitsam, er hatte es aber auch nöthig, denn er hatte jetzt nicht nur für sich, sondern auch für sein Weib zu sorgen und — — — Ach! Mit welchem Entzücken erfüllte ihn der Gedanke, daß er bald auch noch für ein anderes Leben, für ein Leben, das sich bereits im Mutterschoße regte, zu sorgen haben werde. (Fortsetzung folgt.) — Die höhere Handels-Fach-Schule, verbunden mit Pensionat und Erziehungs-Institut des Herrn Dr. M. C. Wahl in Erfurt ist eine den Ansprüchen des modernen Lebens so ganz und gar entsprechende Anstalt, daß wir es uns nicht versagen können, hier darauf aufmerksam zu machen. Die Anstalt stellt sich die Aufgabe, ihren Zöglingen eine radicale Durchbildung in den modernen Sprachen zu geben und cultivirt sowohl die für den Kaufmann so nothwendige fremdsprachliche Correspondenz, als Conversation. Sie gewährt ferner eine tüchtige kaufmännische und universelle Bildung, indem sie für sämmtliche entsprechende Unterrichtsfächer tüchtige specielle Kräfte besitzt, welche ihre Aufgabe streng reell und auf wissenschaftlicher Basis lösen. Jnsbesondere erhalten diejenigen Zöglinge (es existiren 3 Claffen: Tertia, Secunda, Prima), welche sich dem Handelsstande widmen wollen, einen vorzüglichen und anregenden Unterricht in den Handelswissenschaften, der sie befähigt, nach Absolvirung der Anstalt ihre geschäftliche Thätigkeit schon als Commis, Buchhalter oder Volontair für jede kaufmännische Branche zu beginnen. Der Anstalt ist überdem die Berechtigung zur Ausstellung gültiger Zeugnisse für den einjährig-freiwilligen Militärdienst zugestanden. Die Anstalt hat so vorzügliche Factoren schon in sich selbst, daß wir jede weitere Empfehlung für überflüssig halten, und steht es kaum zu bezweifeln, daß auch ferner dem Dr. Wahl'schen Institute die verdiente Beachtung zu Theil werde, und weisen wir noch darauf hin, daß das Winter-Semester in Kürze beginnt.