Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 46 (12.11.1873)
- Date
- 1873-11-12
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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366 tft. Kann ja auch nur Hr. Stern, der pseudonym Gabiah! diesen Wink auch großes Verständniß gezeigt und mit der ben Psisa es wagen, offen zuzugestchen, daß er unser Blatt! liest. Wir möchten sehen, was geschehen würde, wenn man i so etwas einem gewöhnlichen Lehrer nachsagen würde. Wir! müssen es darum dem Herrn Correspondenten überlassen, J einen Weg zu suchen, wie er ohne Gefahr die Sache mit! Hrn. Stern ausgleichen kann. — Eine Beleidigung für Hrn.! Stern und eine Gefahr für denselben liegt in den Aussagen i des Correspondenten nicht vor und darum auch keine Verpflichtung zur öffentlichen Nennung des Namens, wenn Gefahr für die Integrität der Stellung notorisch damit ver- Kunden ist.! Homburg v. d. K., Mitte October 1873. Schon oft hatten auswärtige Glaubensgenossen ihre Verwunderung ausgesprochen, daß hier nichts für die Alliance israelite universelle geschieht. Um diesen gerechten Vorwurf zu beseitigen, erließ Schreiber dieses einen Aufruf Zum Beitritt, dem sofort zehn! Mitglieder mit einem durchschnittlichen Jahresbeitrag von! zwei Thalern entsprachen. Hoffentlich werden, wenn einmal! die schönen Zwecke und Thaten der Alliance gekannt sind,! noch mehr Mitglieder hier beitreten. — Wenn in jeder Ge-; meinde dafür gewirkt würde, daß alle Israeliten, die Herz j und Mund haben — und Gottlob! es gibt deren viele und! überall —, der so schönen Vereinigung beitreten, so könnte! dieselbe noch viel mehr wirken: noch viel mehr Schulen sind zu; gründen, noch viel mehr Thränen zu trocknen und noch viel j Rischus in der Welt zu beseitigen. — ״Koll Jisroel arebim: seh beseh, koll jisroel achim!" — j An« Kaiern. In Aufseß (Oberfranken) betheiligten sich! bei der Beerdigung eines adeligen Osffciers, der den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht hat, auch die dortigen Israeliten. Dies scheint aber dem dortigen Herrn Pfarrer nicht recht gewesen zu sein, denn er ergoß sich bei seiner Grabrede in allerlei Jnvectiven über die Israeliten, nannte sie vorwitzig,! frech u. s. w.; Jiumlfduui. 168. Württemberg. Der Staatsbeitrag an die israej litische Centralkirchencasse pro 1874j75 beträgt 10,800 fl. 169. Wien. Die polnischen Organe haben in den letzten Tagen Untersuchungen darüber angestellt, wie es denn. komme, daß in den galizischen Landgemeinden die Ruthenen j und Juden den Sieg davongetragen haben, und haben sich! in dem tiefsinnigen Beschluß geeinigt, daß diesem Mißverhältniffe nur dadurch abgeholfen werden könne, wenn das materielle Vermögen der Juden vernichtet würde. Man hat für Plünderung der Judenhäuser in verschiedenen Städten begonnen. Derlei bedeutet übrigens in Galizien nicht viel, da es oft genug vorkommt. — 170. Preußen. Nach einer amtlichen Zusammenstellung beträgt die Zahl der im Jahre 1872 in den acht älteren Provinzen aus anderen Religionsgesellschaften zur evangelischen Landeskirche überbezw. zurückgetretenen Personen überhaupt 16,475, darunter durch Juden-Taufen 55, aus der katholischen Kirche insgesammt 15,455, und zwar Erwachsene 1460, aus Mischehen: durch Confirmation 3545, durch evangelische Taufe 10,450. Ferner sind von den Alt- Lutheranern 394 und von anderen Religionsgemeinschaften 570 Personen übergetreten. Von den vom Judenthum zur evangelischen Kirche übergetretenen Personen gehören der Provinz Brandenburg 26, Schlesien 13, Sachsen 5, den Provinzen Preußen, Pommern und der Rheinprovinz je 3 und der Provinz Westfalen 2 an. Aus der Provinz Posen ist trotz der großen Zahl dort ansässiger Juden kein Fall eines Uebertritts zu verzeichnen. (Und sicher ist auch der der übrigen nur materiellen, kaum sittlichen, am allerwenigsten gar religiösen Motiven zuzuschreiben. Red.) FeuiUeton. David Eiuhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Vierte« Eaxitck. Er war selbstverständlich gleich nach der Hochzeit hinübergegangen in das Häuschen, das er jetzt sein Eigenthum nennen durfte, und die ftomme Jittel wohnte bei dem jungen Ehepaar, ganz wie sie es ausbedungen hatte, als sie Reb Joine Glück zu allererst den Antrag gemacht. Die hundert Gulden baares Geld, die David obendrein noch bekommen hatte, that er Zu den übrigen paar Gulden, die er sich bereits erspart, und so konnte er hoffen, sein Geschäftchen etwas mehr auszudehnen und Einkäufe solcher Art zu machen, wie er es in seinen früheren, beschränkten Verhältnissen nicht wagen durfte. Anfangs ging auch wirklich Alles ganz gut. Er konnte sich ein wenig freier regen. Er hatte Geld in der Tasche; er brauchte dem Bauer im Dorfe draußen, dem er ein paar Metzen Hafer oder Korn, oder ein Hasenhäutchen, oder ein Stück alt Eisen, oder sonst etwas dergleichen abkaufte, das Geld nicht schuldig zu bleiben, er konnte es gleich aus den Tisch niederlegen, und das ist für einen Dorfgeher sehr wichtig. Denn der Bauer verkauft in der Regel nur,