Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 46 (12.11.1873)
- Date
- 1873-11-12
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9588641-9578452-9578858--412-9578863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
365 Nähe seiner Heimath, da sein Vater in Laupheim Rabbiner war, bis zum Uebertritte auf die Universität weilte. Er bezog die Universität Würz bürg und war ein Lieblingsschüler des gelehrten Nabbi Abraham Bing, sein Andenken in j Segen; von Würzburg ging er nach Tübingen. Nach er-, standenen Staatsprüfungen und nachdem rr den Ehrengrad! als Dr. pli. sich erworben, wurde er nach Mergentheim 1833 als Rabbinatsverweser ernannt, und erwarb sich dort die Achtung seiner Rabbinatsuntergebenen. Im Januar 1835 wurde sein Vater Salomon Wassermann auf das Rabbinat Mergentheim und der Sohn Dr. Wassermann nach Mühringen versetzt, wo er bis jetzt weilte. Seine literarische Thätigkeit ist eine vielseitige.: ״Die Mädchen von Chaibar", ein größerer Roman, Metzler, Stuttgart; ״Juda Touro", ein biographischer Roman, Oscar Leiner, Leipzig — sind Tendenzschristen zur Verherrlichung des Judenthums; andere gelehrte Arbeiten über die Synagoga magna etc. sind in j Zenschriften niedergelegt. — Um uns ganz objectiv zu halten, j geben wir noch einen Artikel der Neckarzeitung über die Ab-! schiedsfeier:; ״Mühringen, OA. Horb, 29. Oct. Heute versammel-! ten sich die Vertreter des hiesigen Rabbinatsbezirks nebst ׳ vielen Verehrern und Freunden des bisherigen Rabbiners > Dr. Wassermann, nunmehriger Rabbiner in Stuttgart und ( Mitglied der israelitischen Oberkirchenbehörde, um demselben nach 39jährigem segensreichen Wirken als Freund, Lehrer und I Seelsorger Lebewohl zu sagen. Lehrer Stern begrüßte die zahlreich Anwesenden und drückte dem Scheidenden im Namen der Bezirksgemeinden deren Dank aus, zugleich aber auch den Schmerz, ihn verlieren zu müsien. Oberamtsrichter Ammon aus Horb betonte die Verdienste desselben als Beamter, der katholische Ortsgeistliche dessen Bemühungen für Erhaltung des confessionellen Friedens in der Gemeinde. Die universelle Bildung und bedeutende literarische Thätigkeil Dr. Wassermann's schilderte Pfarrer Dr. Menz aus Vierlingen. Der Gefeierte dankte in bewegten Worten, wobei er auf den allgemeinen Fortschritt hinweist, wodurch geschah (was vor 40 Jahren unmöglich gewesen wäre), daß sich zum Abschied eines Rabbiners außer verschiedenen Geistlichen anderer Confession auch drei Vertreter des Adels, die Herren v. Ow und Münch sich einfanden. Die Feier verlief so in würdigster Weise; möge es dem Scheidenden in seinem neuen Wirkungskreise gut ergehen und dem Bezirk bald ein würdiger Nachfolger zu Theil werden." (Nachbemerkung der Redaction.) Wir gratuliren den Württembergern zu ihrem neuen theologischen Mitglieds der Oberkirchenbehörde, Herrn Kirchenrath Dr. Wassermann, den wir auf der Augsburger Synode als Mann von reichem Wissen und unabhängigem Charakter kennen gelernt haben. Wir zweifeln nicht, daß er seine tüchtige Kraft und reiche Erfahrung zur Förderung des Judenthums und seiner Bekenner einsetzen werde. Mürzburg, 27. Oct. Ein Correspondent ״Aus Baiern" schreibt in Nr. 42 d. Bl., nachdem er von meinem Scheiden aus dem Lehrerpersonal der israelitischen Lehrerbildungsanstalt gesprochen, u. A. Folgendes: ״Herr Lehrer Stern, der obenerwähnte frühere Seminarlehrer, hatte sich dis Mißgunst des Rabbiner B. deswegen zugezogen, weil er seine Söhne die humanistischen Schulen in Würzburg besuchen ließ. Ich habe dies aus dem Munde eines Sohnes des Hrn. Stern selbst vernommen." Ich erwarte von Ihrer Unparteilichkeit, geehrter Herr Redacteur, daß Sie mir gestatten, diese der Wirklichkeit nicht entsprechende Behauptung durch Folgendes zu berichtigen: 1) Hr. Districtsrabbiner Bamberger ני״ hat mich über den Schulbesuch meiner Kinder nie zur Rede gestellt und verkehrte mit mir dienstlich und privatim während der vier Jahre, die ich nach dem Beginn dieses Schulbesuches noch am Seminar zubrachte, ganz aus demselben Fuße, wie vorher, und ich hatte nie Ursache, anzunehmen, daß ich mir aus dem angegebenen oder einem anderen Grunde seine Ungunst zugezogen habe. 2) Die angebliche Aeußerung eines meiner Söhne erkläre ich so lange für erdichtet, bis der Herr Correspondent mir durch Angabe seines Namens die Möglichkeit verschafft, mich nach seiner Glaubwürdigkeit zu erkundigen. Er wird das um so lieber thun, da er doch einsehen dürste, daß es eine Forderung der Ehre ist, mit dem eigenen Namen nicht hinterm Busch zu halten, während man den eines Andern blosstellt. Uebrigens haben meine Söhne kaum die Knabenschuhe abgelegt, und es erscheint mir als Jndiscretion verwerflichster Art, die Worte eines Knaben — ich bestreite jedoch, daß mein Sohn so etwas gesprochen — an die große Glocke zu hängen, unter Umständen, die dem Vater jedenfalls unangenehm sein müssen. 3) Mein Rücktritt vom 'Seminar war mein vollkommen freier Entschluß und ich wurde dazu durch den Herrn Rabbiner ני״ in keiner Weise veranlaßt, geschweige denn durch eine mir bemerklich gewordene Gunstentziehung gedrängt. Ludwig Stern. (Nachbemerkung der Redaction.) Wir glauben nicht, daß der Herr Correspondent ״Aus Baiern" die Absicht hatte, Hrn. Stern Verlegenheit zu bereiten. Es liegt so nahe, wenn denn einmal das Seminar besteht, zu wünschen, daß demselben die vorzüglichste pädagogische Kraft erhalten bleibe — im Interesse der Gesammtheit. Hr. Stern wird aber auch wissen, daß ein Mann in jenen Kreisen verloren wäre, wenn es verrathen würde, daß er ein Correspondent unseres Blattes