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Jüdische Volkszeitung · 1873-11-05 · 45 (5.11.1873) · p. Seite 358

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
45 (5.11.1873)
Date
1873-11-05
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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II. Wenden wir uns nun dem zweiten Bilde zu: wie Eliesar für den Sohn seines Herrn um Rebekka wirbt (1. B. M., Cap. 25). Abraham fordert Eliesar auf, nach Charan zu seiner Familie sich zu begeben und dort für Isaak ein Mädchen auszusuchen. Auf den Einwurf Eliesar's: ״Wenn nun das glücklich gefundene Mädchen mir nicht folgen will, was dann?" antivortet Abraham: ״Gott, der mich bisher so gütig und wunderbar geführt, er wird mir auch in dieser Angelegenheit beistehen." Der Knecht mochte wohl gedacht haben: Mein Herr verlätzt sich auf Gott; aber es könnte doch nichts schaden, wenn man neben dem Gottvertrauen auch noch andere bewährtere Mittel zur Mithülfe nähme. Die heil. Schrift erzählt: ״Der Knecht nahm zehn Kameele und belud sie mit den Reichthümern seines Herrn" — und nun gings zur Brautsahrt. Als er am Ziele angekommen und das rechte Mädchen gefunden zu haben glaubte, da legte er ihm vorläufig die Fesseln an, die die Mädchen schon vor viertausend Jahren so gern getragen: Ringe, Armbänder re., von gutem Golde. Und als Eliesar seine Angelegenheit den Eltern vortrug, da leitete er seine Rede mit den Worten ein: ״Mein Herr ist ein gar reicher Mann an Schafen, Rindem, Gold und Silber, Knechten und Mägden, Eseln und Kameelen. Und Isaak ist von ihm als alleiniger Erbe alles dieses Reichthums eingesetzt." Von Isaaks körperlicher und geistiger Beschaffenheit ist keine Rede. Er durfte ein Krüppel sein, ein Idiot, ein moralisches Ungeheuer. Isaak war eine reiche Partie, — das war den Eltern genug. Sie sprachen: ״Von Gott ist die Sache ausgegangen — so nimm denn unser Kind und gehe." Gesetzt aber, Eliesar's Bericht hätte anders gelautet, etwa: ״Mein Herr ist leider arm, aber ein gar guter, tüchtiger, gottesfürchtiger Mann. Isaak, sein ebenso tüchtiger Sohn, der Erbe seiner Tugenden, wird den geringen Nachlaß mit den Kindern Hagars und Keturas zu theilen haben." Hätten da die Eltern auch gesprochen: ״Von Gott ist die Sache ausgegangen?" — Da haben wir denn wieder die Heuchelei! Das Geld hat gesprochen, die zehnKameele haben gar schöne Reden gesprochen, und der blitzende Schmuck hat ״Amen" gesagt. Und das mit Gold behängte Mädchen — gleich am anderen Morgen folgt es dem Brautwerber aus fremden Landen. Das klingt nun nicht wie ein Märchen aus alter Zeit, sondern wie ein Ereigniß von heute. Nur mit dem Unterschiede zu unserem Vortheil: daß wir nicht so heucheln, wie die Alten. Wir sagen nicht: ״Von Gott ist es ausgegangen." Wir gestehen uns: ״Auf Geld ist man ausgegangen." In dem gegebenen Beispiele waren es nicht Abraham und Isaak, die in der Wahl der Gattin sich vom Gelde bestimmen ließen Auch haben sie ihren Reichthum nicht als Köder gerühmt. Abraham schickte im vollen Gottvertrauen nach seiner alten Heimath, um für Isaak ein braves Weib zu gewinnen, sei sie reich oder arm. Nur der Knecht hat geprahlt; und nur Eltern und Mädchen ließen sich von dem Reichthume den Schätzen bestimmen. — (Schluß folgt.) FeuiUeton. David Ein Hand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Dritte» Tapitek. ״Was weiß ich? von Reb Perez? von Reb Perez weiß ich gar nichts! Ich weiß nur von der Partie, die man Dir reden thut!" ״Nun gut", sagte David, ״soll man nur Reb Perezen selber reden?" ״Also Reb Perezens Tochter redt man Dir? Aha! jetzt geht mir ein Licht auf! Jittel hat es mir gleich gesagt, sie redt aus kein hohl Faß heraus." ״Jittel?" fragte David. ״Nun, was denn? Von wem red ich denn bisher alleweil? Sie will Dir doch ihre Marjem geben!" ״Jittel will mir ihre Marjem geben", schrie David plötzlich auf, ״und das sagt Ihr mir jetzt erst?" ״Wann hätt ich es Dir denn sagen sollen?" ״Wir reden doch schon eine schöne Zeit!" ״Und Hab ich denn gewußt, daß wir von einer andern als von Jittels Tochter reden?" ״Gott im Himmel", schrie David, ״Marjem soll mein Weib werden?" ״Aha!" sagte Reb Joine, ״so mein ich's, jetzt bist Du, wie ich Dich haben will." Plötzlich aber verdüsterte sich David's Angesicht und mit trauriger Miene fragte er: ״Ist das aber auch wahr, Reb Joine?" Reb Joine Glück sah ihn schweigend an mit dem Ausdrucke höchster Verwunderung. David konnte es nicht glauben, daß Reb Joine die Wahrheit gesprochen; rasch ging es ihm durch den Kopf, was ihm der Schadchen im Dorfe draußen gesagt und wie er es ihm prophezeiht habe, Reb Joine werde ihm, um ihn von Reb Perez Fleischmann abwendig zu machen, eine andere Partie reden. Alle diese Gedanken stürmten nun auf David

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