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Jüdische Volkszeitung · 1873-10-29 · 44 (29.10.1873) · p. Seite 349

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
44 (29.10.1873)
Date
1873-10-29
Page
Seite 349 (sequence 5)
Language
German
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349 Uebersetzer zeigt, daß er wenigstens aller speciellen Fachkenntniß bar ist. Uebrigens hat bereits George Grove in Macmillan's Magazine eine Widerlegung des Edinburgh Review geliefert, welche indeß vom deutschen Blatte unbeachtet geblieben ist. Gaga, 10. Oct. Eine ergötzliche Geschichte berichtet man aus Budweis. Bischof Jirsik von Budweis ist ein höchst ehrenwerther Herr, dem nur Eines zu wünschen übrig bleibt, daß nämlich die Juden, so viele ihrer sind, alle mit einander nur einen einzigen — Hals hätten und dieser gottlose Hals in seine Hand gegeben wäre; er wüßte wohl, was er mit dem Halse thäte. Die gute Stadt Budweis nun hat von alten Zeiten her eine berühmte Kirche und am Kirchenplatze einen sogenannten Kalvarienberg mit den zwölf Stationen; die Stationen sind zwölf kleine Capellen, mit Kreuzen, religiösen Bildern und dergleichen geschmückt; das Ganze ist recht hübsch, nur nehmen die zwölf Capellen mitten in der Stadt eine sehr bedeutende Bodenfläche weg und das ist keine Kleinigkeit in einer Zeit, wo sich die Hausse der Baugründe auch auf Budweis erstreckt. So kam es denn vor etwa einem halben Jahre, daß ein liberaler jüdischer Stadtrepräsentant in der Versammlung der Stadtvertretung den Antrag stellte, die Stadt möge den Herrn Bischof um die Genehmigung angehen, die zwölf Stationen von dem werthvollen Grund und Boden zu entfernen, man wolle ihm dafür zwölf schöne Stationen auf Communalkosten durch einen tüchtigen Maler an die Wände der Kirche malen lassen. Der Antrag ging durch, obgleich nur wenig Hoffnung war, daß der Herr Bischof auf den vernünftigen Vorschlag eingehen werde. Allein wider alles Erwarten nahm der Bischof sofort das Anerbieten an und knüpfte seine Zustimmung an die einzige Bedingung, daß er selbst den Künstler namhaft zu machen habe, von welchem er die heiligen Bilder gemalt wünsche. Selbstverständlich ging die Repräsentanz diese Bedingung auf das Bereitwilligste ein; die Bilder wurden sonach alsbald in Angriff genommen und vorige Woche enthüllt. Und nunmehr wurde die erstaunte Welt erst inne, daß die Peiniger des Heilands durchwegs — jüdische Bürger von Budweis sind. Da paradirt der Redacteur des liberale׳.: Budweiser Localblattes, der Rabbi, der schon erwähnte Stadtrepräsentant, von dem der Antrag ausgegangen war, und noch etwa zwanzig allbekannte jüdische Persönlichkeiten, in Lebensgröße und sprechender Portraitähnlichkeit, sammt und sonders als — Christuslästerer. Was sagt nun aber die Budweiser Judenschaft zu der Geschichte? Anfangs wollten die Getroffenen die Sache vor Gericht bringen, allein bk Klügeren wußten sie zu besänftigen; denn sie sind stolz darauf, daß die besten Christen nun so demüthig vor ihnen den ׳Hut abziehen müssen. Das Beste an der Sache ist, daß heute der Herr Bischof selbst die Bilder für sein Leben gerne entfernen ließe, allein die Repräsentanz, die jüdischen Mitglieder voran, protestiren dagegen und erklären: Wenn Se. Hochwürden die von ihr selbstbestellten Bilder nicht mehr gefallen, so möge er sich andere malen lassen — aber auf eigene Kosten. Das aber möchte der Bischof denn doch am allerwenigsten; denn in Geldsachen sind Se. Hochwürden — selber Einer und somit ist die beste Hoffnung, daß man in Budweis noch lange Zeit vor den Juden den Hut abziehen werde. Aus Amerilla. Di־. Jsaac M. Wise, Rabbiner in Cincinnati, eminenter Redner, Herausgeber des viel gelesenen ״Jsraelite", einer derjenigen Männer, die sich um das Judenthum in Amerika hohe Verdienste erworben haben, ist so eben einem Rufe als Rabbiner und Prediger der Ansche-Chesed- Gemeinde in New-Jork gefolgt. Bei dieser Gelegenheit erzählt ״Jewish Times" folgende Geschichte von dem ehrwürdigen Herrn. ״Vor neun Jahren heirathete Jakob Pohalski ein Fräulein Esther Grosjinski, eine Landsmännin. Sie lebten sechs Jahre zusammen, woraus Jakob mit Hinterlassung zweier Kinder starb; eines war schon bei seinen Lebzeiten gestorben. Der Verstorbene hatte zwei Brüder, von denen der eine verheirathet war; der ledige verlobte sich mit der Wittwe. Natürlich wünschte das Paar die Trauung Seitens eines jüdischen Geistlichen, traf aber überall auf Weigerung. Zuletzt kamen Beide zu Hrn. Wise, der zufällig in New-Dork war, und Pink Pohalski, der glückliche Bräutigam, klagte ihm seine Noth. Hr. Wise fragte ihn, wann er zu heirathen wünsche. ״Nach Peßach",^var die Antwort. ״Ich werde da wohl nicht zu Hause sein", antwortete Hr. Wise, ״aber gehen Sie zu Cantor Schoninger nach Boston, er wird die Trauung vornehmen; sagen Sie, daß ich Sie schicke." Das Paar begab sich nach Boston, aber Schoninger weigerte sich, zu trauen. Darauf gingen Beide nach Cincinnati, fanden Wise zu Hause und wurden durch ihn Mann und Frau. Bei Unterzeichnung bat Hr. Wise die Dame, statt Esther Jakob Pohalski möge sie Esther David Pohalski unterzeichnen, um das Verbrechen zu verdecken. (?) Der alte 86jährige Vater Pohalski's ließ auf seinem Todenbette das Paar vor sich kommen und sagte: ״Gott erbarme sich eurer Seelen! ich kann euch meinen Segen nicht geben!" Sprach's und starb." (Wir überlassen die Verantwortung und Vertretung des neuen Schlusses der Geschichte und Anklage unserem Gewährsmanne der ״Jewish Times".) Mein ״trauriger" Aufenthalt in M. (Schluß.) Kehren wir nach dieser Abschweifung zu meinem verlegenen Wirth zurück. Was thun? Man forschte nach und fand zum Glücke eine geräucherte Zunge, mit der ich, nach dem Urtheile des Kochs des Rabbi Metr, schon zufrieden sein

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