Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 44 (29.10.1873)
- Date
- 1873-10-29
- Page
- Seite 348 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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;548 Torrejponäenz. Württemberg Schwäbisch Hall, im Oktober. Eine Illustration zu dem Schnurrandenwesen jüdischer Vagabonden und zur dringenden Nothwendigkeit durch ein Centralinstitut, wie der jüdische Gemeindebund in Leipzig es beabsichtigt, diesem gemeinschädlichen Treiben ein Ziel zu setzen, liefert die Schwurgerichtssitzung des dritten Quartals vom 22. bis 26. September in Hall. Der ״Staatsanzeiger" berichtet darüber! ״Am vierten Tage befand sich auf der Anklagebank der 63 Jahre alte israelitische Handelsmann Isaak Ehrmann von Mittelehrenbach, k. baierischen Bezirksamts Forchheim,! unter der Beschuldigung des Gebrauchs einer falschen öffentlichen Urkunde zum Zweck der Erlangung rechtswidriger Vermögensvortheile und je durch dieselbe Handlung verübter Vergehen des Betrugs. Die Urkunde, deren sich der Angeklagte bediente, war ein auf k. baierische Behörden ausgestelltes falsches Dürftigkeitszeugniß, u. A. des unwahren Inhalts, daß im Krieg von 1870—1871 einer seiner Söhne gefallen, der andere schwer verwundet zurückgekehrt und er dadurch in seinen Verhältnissen gänzlich ruinirt worden sei, und wurde ihm ferner zur Last gelegt, durch Täuschung mittelst dieser Urkunde sich Geldbeträge in verschiedenen Orten aus den Unterstützungscassen hilfsbedürftiger Israeliten, beziehungsweise durch Veranlassung von Sammlungen unter den Mitgliedern solcher Gemeinden verschafft zu haben. Die Geschworenen erklärten jedoch den Angeklagten nur des wissentlichen Gebrauchs einer falschen Urkunde zum Zweck seines besseren Fortkommens und zweier in Hall und Crailsheim verübter Betrugshandlungen schuldig, worauf der Angeklagte zu vierwöchiger Haftstrafe und zu einmontlicher Gefängnißstrafe verurtheilt wurde. Vertheidiger Rechtsanwalt Schall von Hall." — Aus dem Taubergrunde circulirt eine Schrift, dem Vernehmen nach von dem Pseudonom ״G־abia ben besisa“ L. St. in Würzburg verfaßt, die aus Anlaß des Todes des Kirchenraths Rabbiner Dr. Maier in Stuttgart die Wiederbesetzung der Stelle eines theologischen Mitglieds der israelitischen Oberkirchenbehörde Hintertreiben will; aber die Demonstration kommt xost festum, oder um volksthümlich zu reden, ״wie der Krähwinkler Landsturm hintennach." Wahrscheinlich wird Hr. Dr. Wassermann aus Mühringen Maier's Nachfolger werden. Aus Württemberg. Zur Charakteristik des Tones in dem Organe der ״Frommen" lassen Sie mich nur eine Stelle anführen aus einem Artikel ״über die Verhandlungen der Synode", die mir von einem dieses Gelichters als ״feiner Witz" gezeigt wurde. Dieser Artikel über die Synode, der, wie ich höre, schon durch mehrere Nummern jenes orthodoxen Blattes zieht, ist, wie die Ueberschrift sagt, ״aus der Vogelperspective des Humors" geschrieben. Hören Sie, was bei diesen Leuten ״Humor" ist. Der verewigte Kirchenrath vr. Joseph v. Maier hat in seiner Jugend in Folge einer Krankheit ein Auge ganz verloren. Der ״Israelit" sagt nun in Nr. 39, S. 769: ״Wenn, wie wir hören, Hr. Dr. Wassermann wirklich auf die vacante Oberkirchenrathstelle in Stuttgart reflectirt, so wird er gut thun, da man möglicherweise diesen Posten wieder durch einen Mann besetzen will, der immer und überall ״ein Auge zugedrückt" rc. Die Worte ״ein Auge zudrückt" sind zur Verdeutlichung der Anspielung gesperrt gedruckt. Ich kann Sie versichern, ich hörte mein Herz vor Ern״ pörung schlagen, als ich diese alles Maß überschreitenden Worte in einem frommen jüdischen Blatte von einem Juden geschrieben las. Ein solcher Hohn über ein körperliches Gebrechen, an dem der Verstorbene unschuldig sein ganzes Leben litt, das ihn manchmal wohl stören mochte, aber doch nicht hinderte, eine so hohe Stufe des Wissens zu erreichen; ein solcher Hohn auf das ftische Grab eines Mannes, den Tausende hochschätzten und verehrten, den sein König so hochstellte und auszeichnete, der dem Judenthum und Rabbinenthum in Württemberg zu solch hohem Ansehen verhaft, der, wenn ihn auch einige Fanatiker haßten, doch oft gerade von diesen aus materiellen Gründen bespeichelleckt wurde? Und wenn es der Aermste der Armen, der Letzte unter den Letzten gewesen wäre, würde es ein wahrhaft frommes jüdisches Herz wagen, so Etwas über einen Tobten zu sagen? — Gewiß würden selbst viele Anhänger dieser Clique das Schmachvolle und Gemeine einer solchen Anspielung zurückschrecken, wenn sie ihnen verständlich wäre. Alzey» 8. Oct. Das ״Ausland" vom 29. September bringt den bereits berüchtigten Artikel des Edinburgh Review über den Talmud. Es fällt uns nicht ein, das deutsche Blatt zu widerlegen, da Judenhaß einmal zu dessen Specialität gehört. Wir verweisen vielmehr das Blatt zu seiner Belehrung auf die früheren Artikel des Quaterly Review über denselben Gegenstand von dem nunmehr leider verstorbenen Emanuel Deutsch. Die Aufklärung, welche hierin über Geschichte, Inhalt und Geltung des Talmuds gegeben wurde, erregte überall Aufsehen und machte die Abhandlung zu einem vielgelesenen Artikel, der auch eine deutsche Uebersetzung erfahren hat. Den Judenfeinden allein kam das günstige Licht sehr unwillkommen, worin nunmehr der Talmud gestellt war. Daher dieser Gegenartikel des Edinburgh Review, welcher schneller und lieber als der Artikel des Quaterly Review von den judenfeindlichen Blättern Deutschlands mit Gier und Wohlgefallen aufgegriffen und verbreitet wird. Der Artikel strotzt öon Ungenauigkeiten und Entstellungen. Das Original liegt uns nicht vor; der