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Jüdische Volkszeitung · 1873-10-21 · 43 (21.10.1873) · p. Seite 342

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
43 (21.10.1873)
Date
1873-10-21
Page
Seite 342 (sequence 6)
Language
German
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342 an einem Tische besetzt von — vegetabilischer Kost. So gut > nach, wenn die herrliche Vorschrift von ״Bikur Chaulim" sie auch sonst sein und so ernüchternd sie auch auf den vor- > (Krankenbesuch) unberücksichtigt bleibt, obschon oder bester, wärtsstrebenden Geist einwirken mag, für mich war sie für! trotzdem man jeden Morgen in die Synagoge rennt und dem die Dauer nicht zweckdienlich, da ich auf die Wiederherstellung i ״Gott der Wahrheit" lügenhaft vorbetet: ״Das sind die Dinge, des gestörten Gleichgewichts zwischen meinen geistigen und Äderen Frucht der Mensch hier genießt, während ihm der körperlichen Kräften bedacht sein sollte. Ich konnte ungenirt! Stamm für die Ewigkeit bleibt: Bikur Chaulim re."_Wohl sein, meine religiöse Anschauung verbot mir auch nicht den!kennt man die von der reinsten und erhabendsten Menschen- Fleischgenuß, und so äußerte ich meinem Moses den Wunsch! liebe eingegebenen Vorschriften des Talmuds bei ״Todesnach Fleischtöpfen. Gerne hätte man auch meinen Wunsch! fällen", ״Beerdigung", ״Trost der Leidtragenden" rc., aber erfüllt, allein es kamen keine Wachteln über die Werra her-1 man hat nicht das Herz, einem schwergeprüften jpngen Ehegeflogen, da sie die Wüste immer noch vor W. vorzuziehen! paare die Sorge der Beerdigung zu nehmen, ihnen in der scheinen, und der dortige Rabbiner hatte, im Bewußtsein'seiner . Stunde der Entscheidung an der Seite zu stehen, und nach Allgewalt über eine wohldressirte, dem Orthodoxismus weniger dem eingetretenen Trauerfalle menschliche Theilnahme ihnen aus Einsicht und selbstbewußter Erkenntniß, als aus der Macht! zu bezeugen, wenn auch sonst die Theilnahme an jedwedem der Gewohnheit heraus huldigende Gemeinde, dem Schochet; Mißgeschicke Anderer, ein so glänzend hervorragender Zug im das Schlachten während dieser Zeit auf das Strengste ver-! Charakter des Juden bildet, und wenn man auch sonst in boten. — Das nenne ich doch, mit Lasker, Kirchenzucht! und; seinen Visiten nicht so wählerisch ist, selbst Personen gegenzwar gehandhabt in der Mitte Deutschlands, nicht etwa in: über, die der Volksmund als die trübste Quelle des Stadtdem fernen, obseurenten Polen. Kein Laut der Unzufrieden-! klatsches und deren Sittlichkeit als von sehr problematischer heit ward gegen diesen autokraten Machtausspruch aus der! Natur bezeichnet. Und wenn in einer Gemeinde, die sich gern Gemeinde vernommen; keine Stimme erhob sich für die sitt-! ftomm nennt und einen so frommen Rabbinen hat, derartige liche Freiheit des Einzelnen und seines Selbstbestimmungs-1 Herz- und gefühllose Vorkommnisse möglich sind, dann zeigt rechtes, für welche unschätzbare Güter des Menschen gerade>sie eben, wie weit entfernt sie noch ist bei aller Orthodoxie unsere Zeit so sehr in die Schranken tritt! Eine solche Er-! — von wahrhafter Religiosität; bei noch so starrem Festscheinung findet ihre Erklärung in der bitteren Wahrheit, daß! kleben an der Außenseite der Religion — von ihrem innern, die Menschen nur vor dem Guten und Schönen, das ihnen oft beschwerlich ist, zu murren pflegen, sowie in dem Umstand, daß der Rabbiner ein reicher, ja ein sehr reicher Mann ist, und was das heute, bei der ausgeprägt materiellen Richtung der Zeit, und noch dazu unter ״unseren Leuten" heißen will, brauche ich nicht erst zu sagen. Man umging zwar allgemein durch bereit gehaltenes Fleisch das rabbinische Verbot, — wahrscheinlich in der guten Absicht, sich zum nahenden Fasttag zu stärken — sonst jedoch wagte man kaum eine gegensätzliche Anschauung. Doch wehe dem armen, oder doch dem, von der Gemeinde abhängigen Rabbinen, wenn er sich dies, und noch so viel Anderes erlauben würde! Ein ganzes Lexikon von den oft mißverstandenen Schlagwörtern unserer Zeit hätte man gegen ihn ins Feld geschickt und kein gutes Haar an ihm gelassen. — Ein solch gehandhabter Orthodoxismus, eine solche Richtung des menschlichen Geistes muß naturgemäß zur Verknöcherung desselben und zur Verödung des Gemüthes führen, und die, die Veredelung desselben bezweckenden Bestimmungen der Religion nicht zur Geltung kommen lassen. Ein gegen Herz und Gemüth kalter Ceremonienglaube, und in demselben ״andächtig schwärmen", das ist das ausschließliche Ziel einer solchen Belehrung und Erziehung, ohne daß man begreift, ״wie viel andächtig schwärmen leichter als gut handeln ist, wie gerne der schlaMe Mensch andächtig schwärmt, um nur gut handeln nicht zu dürfen." Kein Wunder demsittigenden Wesen; bei allem Culturbelecktsein — von wahr- Hafter Bildung und Gesittung. ich fand da nicht die Spur Von einem Geist, und Alles war Dressur." (Schluß folgt.) Feu i^e ton. Der Tempel der Zukunft. (Ein ״Tischah-beaf" im Hochgebirge.) .2M (Von Dr. £copo(d Stein.) I. ״Herr, tröste, die um Zion trauern". Um die verschmähte, theure Stadt; Sie liegt zerstört, umringt von Schauern, Sie, die nicht Freund, nicht Tröster hat! ״Verschlungen haben sie Legionen", Anmaßte Rom sich ihren Ruhm; Kreuz, Halbmond auf Moria thronen — Herr, Herr! wo ist Dein Heiligthum? — Und heute weinen Zions Veste; Die Mauer, die gen Westen schaut, Umlagern abendländ'sche Gäste, Asch' auf dem Haupt, und klagen laut — i

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