Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 41 (7.10.1873)
- Date
- 1873-10-07
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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325 gezeigt wurde. Die hiesige israelitische Gemeinde ist den genannten hohen Behörden zu großem Danke verpflichtet und hocherfreut über die Liberalität, mit der man ihr entgegenkam. Homburg v. ä. ü)., 21. September 1873. Der hiesige Cultusvorstand hat es unterlassen, der Aufforderung des jüdischen Gemeindevorstandes zu Berlin an alle jüdische Gemeinden Preußens, ihm statistische Mittheilungen zukommen zu lassen, zu entsprechen. Der Unterzeichnete hat der Majorität unseres factisch bestehenden Cultusvorstand es die Wichtigkeit der Sache ans Herz gelegt und erst nachdem die ihm in Aussicht gestellte entsprechende Beantwortung des Circulars dennoch unterblieben, nach Rücksprache mit einigen Freunden sich der Sache angenommen und dem Berliner Vorstande die nöthige Auskunft gegeben. — In einem officiellen Dankschreiben desselben an mich finde ich die auch weitere Kreise interessirende Mittheilung, daß bis zum 25. August d. I. schon 560 Gemeinden der Aufforderung entsprochen und fügt das Schreiben wörtlich hinzu: ״Da wir bei unserem Vorhaben keine partikularen Zwecke, sondern nur das Interesse aller Gemeinden im Auge haben, so zweifeln wir auch nicht, daß uns auch die nur wenigen noch fehlenden Notizen baldigst zugehen werden." — Bekanntlich erstrebt der Vorstand unserer Metropole eine Bestimmung in das neue Gesetz zu bringen, die die weitere Verpflichtung der bisjetzigen Gemeindemitglieder früher eingegangenen Verpflichtungen (Cultusbeamten und Gläubigern) gegenüber, aussprechen soll. Das ist eine sehr kluge Maßregel, eine Forderung, die nur zu unterstützen ist, da sonst für den Augenblick der geregelte Fortbestand namentlich der kleineren Gemeinden sehr zu fürchten wäre, wenn Jeder beliebig austreten und sich ihrer Lasten entziehen könnte. Wenn nun jene erstrebte Vorkehrung getroffen wird, daß nicht gleich ein Chaos entsteht, so sehe ich im Erscheinen des neuen Gesetzes kein Unglück für das große Ganze, das Judenthum. Dieses wird die Freiheit, die noch selten etwas geschadet, ertragen können, es hat schon größere und gefährlichere Krisen durchgemacht und immer sahen wir: lo almon Jisrael. Das Wort des alten Sehers Daniel wird auch hier sich erfüllen: ״Viele werden umherschweifen, aber dennoch wächst die Erkenntniß." In so manchen Kreisen wird der Jndifferentismus schwinden nnd die Ultras beider Seiten, die Radicalen und die sögenannten ״Frommen" werden der großen Mittelpartei nach und nach das Feld räumen müssen. Für unsere Gemeinde speciell wird die von unserem wackeren Cultusminister Falk ür die nächste Session des Landtages versprochene ״gesetzliche Regelung der innerhalb des Judenthums bestehenden Zustände" noch den besonderen Vortheil bringen, daß die Gemeinde aufhören wird, mundtodt zu sein und nicht mehr nach einem ihr von der früheren landgräflichen Regierung in der politischreligiösen Reactionsperiode der fünfziger Jahre octroyirten Gesetze, von einem nicht von der Gemeinde gewählten Vor stände regiert wird. — Aus jener Zeit stammt auch ein Gesetz, das, um eine Absonderung liberal denkender Männer von einem der Gemeinde octroyirten Vorstande zu verhüten, jede separate Gebet- Versammlung verbietet. Am Freitag den 11. d. Mts. stand!nun ein Banquier E. S. von Frankfurt vorm hiesigen I Schöffengericht, angeklagt, mit noch anderen Curgästen jenes! Verbot übertreten zu haben. Der Mann, der sich sehr schön I und geschickt vertheidigte, ward mit seinen Genossen freigesprachen. — Erst im Spätsommer dieses Jahres hat man! hier einen Separatgottesdienst am Samstag Vormittag für j diejenigen Fremden eingerichtet, die der Brunnencur wegen! nicht früher kommen können; eine Einrichtung, die von so : vielen Seiten hier Jahrelang schon verlangt ward und die! erst getroffen wurde, nachdem man gesehen, daß die fremden j Curgäste zur Selbsthilfe griffen und die frömmsten Leute und! Rabbiner unter ihnen die von hier maßgebender Seite vor- I geschützten Bedenken nicht theilten. — Wollen Sie es wirklich glauben, daß Ihr Freund, Schreiber dieses, diesen Sommer einmal sehr fanatisch war? Ein hier sich aufhaltender Missionair, der schon vielfach hier Juden mit Bekehrungsversuchen lästig geworden war wagte es, auch in hiesiger Synagoge sich einzufinden und Kritik zu üben. Da ich den Mann kannte, ihm bereits früher noch ziemlich gelassen seinen Standpunkt: seine früheren Glaubensgenossen fürs Geld der Bibelgesellschaft zu verführen, klar : gemacht hatte, so zögerte ich nicht länger den Ruf ertönen j Zu lassen: ״Hinaus aus unserem Gotteshause! Solchen auf- > dringlichen Leuten gegenüber muß man Fanatismus üben."! Der Mann ward an die Luft gesetzt. Das war unmittelbar!nach dem Gottesdienste. Außen, wo noch ein Theil der Syj nagogenbesucher schwatzend stand, entwickelte sich noch eine ziemlich drollige Scene, so daß dem Manne auf lange Zeit der Muth vergangen sein wird, seiner Seelenfängerei in gleicher Weise nachzugehen. — Hier war seines Bleibens nicht mehr. — Empfangen Sie und Ihre geehrten Leser, die Freunde des Lichts und der Auftlärung, schließlich die herzlichsten Glückwünsche zür Jahreswende! L. Lehmann. Mittelfranken. Was vor mehreren Jahren durch den von der bairischen Staatsregierung dem damaligen Landtage vorgelegte, aber nicht zur Annahme gelangten Schulgesetzentwurf erlangt werden konnte, nichtsdestoweniger aber eine gewichtige Zeitfrage geblieben ist, hat durch die neueste Entschließung der baierischen Staatsregierung vom 29. v. M. in der Hauptsache unerwartet eine günstige Erledigung gefunden. Der § 7 des allgemeinen Gesetzes enthält u. A. die