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Jüdische Volkszeitung · 1873-10-01 · 40 (1.10.1873) · p. Seite 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
40 (1.10.1873)
Date
1873-10-01
Page
Seite 318 (sequence 6)
Language
German
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1 f \ 318 für die Frauen, getragen von schlanken, eisernen Säulen; aus der Empore der Westseite ist die Orgel und die Gallerte für den Chor angebracht. Das Licht erhält der Bau von der Seite und durch vier Hohllichter des Mittelschiffes. Das Allerheiligste, sowie die Stuccaturarbeiten sind kunstreich ausgeführt; die reichhaltige Malerei und Vergoldung ist im schönsten harmonischen Schmelz-zusammengestellt; die Holzbildhauerarbeit wetteifert in künstlerischer Ausführung mit der berühmten im Münster. Ueber die Einweihungsseier geben wir den Bericht der Ulmer ״Schnellpost": Ulm, 12. Sept. Die jüdische Gemeinde hatte ihr Gebetlocal im Gasthaus zum Schwanen auf dem Weinhof, und da auch ihre neuerbaute Synagoge auf dem Weinhof steht, so blieb die Feier des Umzugs leiglich auf diesen Platz beschränkt. Der Weg war mit stattlichen Masten bezeichnet, an denen ein reicher Flaggenschmuck angebracht war. Sie selbst waren durch Guirlanden mit einander verbunden. Die Anwohner auf dem Weinhof hatten mitseiernd ihre Häuser decorirt und ihre Fahnen ausgehängt. Am schönsten war das Portal, das zur Synagoge führt, geschmückt. Während in dem alten Betlocal noch ein Abschieds-Gottesdienst stattfand, die Thora- Rollen ausgehoben und den Rabbinen und Vorsängern übergeben wurden, stellten sich die eingeladenen Gäste zum Zuge auf. Es nahmen die Mitglieder der Staats- und bürgerlichen Behörden, die evangelische und die katholische Geistlichkeit, der Prediger der deutsch-katholischen Gemeinde, die Vorstände der höheren Lehranstalten, sowie der Töchterschulen und eine größere Zahl der angesehensten Bürger an dem Zuge Theil.*) Auch die Generalität von Ulm und Neu-Ulm, begleitet von meheren Officieren, fand sich vor der Synagoge ein, unter derem Portal Baurath Wolff, als Erbauer des herrlichen Bauwerks, stand, umgeben von seinem Bauführer und den Werkmeistern der Synagoge, um mit Gruß und Glückwunsch die Synagogenschlüssel, die von drei Mädchen getragen worden waren, der Gemeinde feierlich zu übergeben. Procurator Heß nahm sie mit Worten anerkennden Dankes in Empfang. Nun ergriff Hr. Levi aus Stuttgart das Wort und pries die Gemeinde, die in dem herrlichen Tempel ein schönes Zeugniß ihrer Frömmigkeit gestellt habe, worauf Hr. Albert Kuhn ihm gegenüber seinen Dank aussprach für die Förderung, die das Werk durch die Cultusbehörde erfahren habe. Dann sprach Oberbürgermeister von Heim im Namen der Stadt der Gemeinde mit warmen Worten seinen Glückwunsch zu ihrer schönen Heimstätte aus, der von Kosman Dreyfus mit der Versicherung erwiedert wurde, daß jeder von ihnen in der Stadt Ulm seine geliebt Heimstätte sehe. Hierauf begann der Zug in die Synagoge. Ueber dem Portal derselben glänzt auf hebräisch und deutsch das Wort des Propheten Jesaia (56, 7): ״Mein Haus ist ein Bethaus für alle Völker." Der Synagogen-Chor stimmte unter Orgelbegleitung den Begrüßungsgesang an: ״Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn". Ihm folgte der Festchor: ״Hoch thut euch auf und öffnet eure Thore rc." Während dieses Gesanges erschienen die Rabbinen, welche die Thora- Rollen trugen und schritten bis zum Allerheiligsten, wo sie, nachdem der Cantor den 84. Psalm recitirt hatte, die Rollen aufstellten. Der Vorhang trägt unter einer goldenen Krone in einem goldenen Kranze aus Hebräisch die Worte: ״Heil dem Ewigen". Der Bezirksrabbiner Wälder hielt die Festrede über den Spruch des Propheten Jesaias an der Eingangspforte und legte, indem er seiner berechtigten Freude über das schöne, nun vollendete Werk innigen Ausdruck verlieh, der Gemeinde dar, was dieser gemeinsame Tempel ihr sein kann und soll. Die Rede war von religiösem humanem Geist durchweht. Das Echt- und Allgemein-Menschliche bildete den wohlthuenden Grundzug derselben. Gebet und Fürbitte schloß die Rede, der Festgesang: ״Halleluja" die schöne gemeinsame Feier. Wir gratuliren der Gemeinde von Herzen zu dem stattlichen Tempel, der ebenso freundlich als würdig, ebenso anmuthig als kunstvoll zu herzinniger Andacht einladet. Auf die Festschrift: Geschichte der Juden in Ulm von Professor vr. Friedrich Pressel, herausgegeben von dem israelitischen Lehrverein werden wir in einem besonderen Artikel zurückkommen. *) Auf eine Einladung des israelitischen Kirchenvorsteheramtes an den Herrn Cultminister von Geßler hatte dieser in den anerkennendsten Worten voll bester Wünsche geantwortet, daß es ihm zu seinem Bedauern, anderweitiger Berufsgeschäfte halber, nicht möglich sei, am Feste persönsich theilzunehmen. Gestern, bei Beginn der Festseier, sandte derselbe nun folgendes Telegramm: ״Meinen innigsten Glückwunsch zum heutigen Festtage der Einweihung des schönen Gotteshauses. Cultminister Geßler." Das Kirchenvorsteheramt hat wiederum auf telegraphischem Wege dem Herrn Cultmintster für diesen Glückwunsch ehrerbietigst gedankt. I Kunäscüau. j 165. Laupheim. Bei der Anwesenheit des deutschen! Kronprinzen hat derselbe mit dem Rabbinen Wälder sich länger unterhalten; Oberlehrer Elsässer brachte ihm das Hoch!״Unserem Fritz, dem Schlachten- und Herzengewinner" aus. I Der Gesandte Freiherr v. Magnus wohnte im Großlaup- > heimer Schlosse bei Hrn. Daniel Steiner, dessen Gattin | dem Kronprinzen bei der Empfangsfeierlichkeit ein Blumen-! bouquet überreichte, das er huldreichst entgegennahm. r 1 v l

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