Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 40 (1.10.1873)
- Date
- 1873-10-01
- Page
- Seite 319 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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319 Feuikketon. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Drittes Eapitek. ״Nun", sagte David, ״was liegt Euch daran? Ihr habt an andere Sachen zu denken, als daran, in was für ein Dorf ein jeder Jung gehen thut. Aber sagt mir lieber, wie kommt Ihr da her?" ״Wie ich da herkomm?" sagte der Schadchen. ״Das ist eine eigene Sach, und es ist mir sehr lieb, daß ich Dich angetroffen Hab, Du wirst mir können die beste Auskunft geben!" David schaute ihn fragend an. ״Laß mich hören, ich bitt Dich", fuhr der Schadchen fort, ״Du kommst doch hier im Dorf bei allen Bauern herum. Was reden die Bauern von dem Randar?" ״Sie loben ihn Alle sehr", sagte David. ״Ich mein, was halten sie von ihm? von seinem Vermögen? Und was reden sie von seinem Sohn?" ״Von seinem Sohn?" sagte David. ״Den loben sie noch mehr; sie sagen, er ist ein ganzer Bauer." ״Du mußt wissen", setzte der Schadchen fort und nahm, um seinen Zuhörer irre zu leiten, den Ton der Aufrichtigkeit an, ״ich frag nicht umsonst! Wenn ich mich nach einem Jungen erkundigen thu, pflegt man kurze Zeit darauf irgendwo eine schöne Porzellanschal zu zerbrechen." ״Aha!" sagte David, ״eine Partie für Randarssohn!" ״Was soll ich es Dir verheimlichen? Ja, es ist eine Partie! Aber", rief der Schadchen plötzlich und schlug sich dabei die Hand auf die Stirne. ״Was für ein ״Aber"?" fragte David. ״Mir ist da etwas durch den Kopf gegangen, David", sagte der Schadchen, ״es wird vielleicht für Dich zum Glück sein, daß wir uns da so zufälligerweise angetroffen haben! Warum? Unterrock, du bist mir nah, Hemd, du bist mir noch näher!" David schaute den Schadchen verdutzt an. ״Hör zu, David", sagte der Schadchen, ״hast Du noch niemals daran gedacht, ein Bräutigam zu werden?" ״Wie soll ich daran gedacht haben?" sagte David. ״Zuerst ist mir doch leider mein Mutter gestorben, in ״Ganeden" soll sie ruhen!" ״Nun", sagte der Schadchen, ״das Jahr ist ja schon herum —" ״Dann Hab ich doch meine Leiden gehabt mit der Rekrutirung —" ״Nun, man hat Dich ja nicht stecken gelassen; die Zeiten sind vorbei und wie man in der Gaff von Dir reden thut, kann es Dir nicht schlecht gehn!" ״Nein, Gott sei Dank, schlecht gehen thut es mir nicht. Ich Hab mir mit Gotts Hilf seit einiger Zeit her ein paar Groschen erspart." ״Nun also", sagte der Schadchen, ״das mein ich ja. Ich werd Dir etwas sagen, David! Du weißt doch, ich bin ein grader Mensch und red grad von der Leber weg; wie ich reden thu, so mein ichs — —" ' David sah den Sprecher an mit einer Miene, auf der geschrieben stand: ״Wissen thu ich das just nicht." ״Also hör mich an", fuhr der Schadchen fort, ״herausgekommen auf das Dorf bin ich, wie ich Dir schon gesagt Hab, eigentlich zu dem Zweck, um dem Randarssohn eine gute Partie anzutragen; ich Hab so wenig daran gedacht, Dich da Zu treffen, wie ich daran gedacht Hab, daß mir der Prophet Elias da entgegenkommen wird. Indessen aber muß ich Dir sagen, jetzt, da ich Dich da angetroffen Hab, ich weiß selber nicht warum, Hab ich gar keine Lust mehr zu dem Randar hinzugehn! Denn ich muß Dir sagen, ich möcht das Glück Dir änder vergönnen, als ihm. Warum? Du bist ein feiner Jung, Dich kennt man in der Gaff, auf Dich braucht man sich nicht erst zu erkundigen, man weiß, wer Du bist, man weiß, wie Du Dich ernähren thust, kurz man kann zu Dir Vertrauen haben, was man bei einem Fremden doch nicht immer haben kann. Bei einem Fremden kaust man doch nur alleweil die Katz im Sack, bei Dir hingegen weiß man, was man einkauft." ״Ich versteh Euch nicht", sagte David, ״ich muß Euch sagen, ich versteh Euch nicht. Eine Partie, die Ihr vor einigen Minuten dem Randarssohn habt reden gewollt, die wollt Ihr jetzt auf einmal mir reden? Wie komm ich zu ihr? Ich Hab nicht zu bezahlen sein alt Eisen! Ein Spaß! Der Sohn des Randars! Wie könnt Ihr Euch auch nur eine Minut lang einbilden, daß ein Madel, welches Anspruch machen kann, den Randarssohn zu bekommen, mich nehmen wird? Oder daß ein Mann, der den Randarssohn als Eidam einzusetzen im Stand ist, mir seine Tochter geben möcht? Ihr redet doch sonst nicht so in die blaue Lust hinein!" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaktion. Den geehrten Freunden und Collegen, Lesern und Leserinnen, welche uns zur Jahreswende durch ihre Glückwünsche erfreuten, senden wir auf diesem Wege den wärmsten Dank und herzinnigsten Gegenwünsche. Diese zahlreichen Beweise von Theilnahme für unsere Bestrebungen haben uns außerordentlich gefreut; sie sind der sicherste Beweis, daß das Licht siegen wird über die Finsterniß und daß das echte Judcnthum und die Freiheit seiner Lehre, nicht untergehen kann. Die einzelnen Briefe, bei welchen es durchaus nöthig ist, werden wir nach und nach schriftlich beantworten. _ Klingenstein.