Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 40 (1.10.1873)
- Date
- 1873-10-01
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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315 Bei den Cultusberathungen wurde seiner nicht gedacht, an eine Commission ist er nicht verwiesen, die Synode hat ihn somit todtgeschwiegen. Ob er das verdient, wolle der geneigte Leser selbst beurtheilen. Er lautet wörtlich: 1) Die Synode wolle sich für die Einfügung eines Ge- Letes in den Sabbath- und Feiertagsgottesdienstes etwa nach der Thora-Vorlesung aussprechen, in welchem der Nothleidenden und Bedrängten aller Länder und Bekenntnisse, insbesondere aber der um ihres Glaubens willen zurückgesetzten jüdischen Religionsgenossen gedacht und ihnen baldige Erlösung vom Drucke, überhaupt die Beseitigung aller religiösen Vorurtheile und Zurücksetzungen erfleht, die Gemeinde aber zur nachhaltigen Unterstützung der Bedrängten und zur Betheiligung an gemeinsamen, hierzu dienenden Unternehmungen aufgefordert wird, und 2) eine Commission zum Entwurf eines diesfallsigen den Gemeinden anzuempfehlenden — deutschen und wahlweise hebräischen — Gebets beauftragen. Gründe. 1) Schroffer als je unterscheidet sich heutzutage das Geschick der Juden in den cultivirten freien Staaten West-Europas und Nordamerikas von dem ihrer übrigen Glaubensgenossen. Jene, die glücklichen, sollen ihrer unglücklichen Brüder stets und vor Allem beim Gottesdienste eingedenk bleiben. Dankbarkeit, Vaterlandsliebe und Wahrhaftigkeit verhindern sie, einzustimmen in die veralteten Gebete aus der Enlzeit, in die unberechtigte Klage über eigene Zurücksetzung in den nie gehegten Wunsch der eigenen Rückkehr nach Jerusalem — aber sie fühlen darum nicht weniger tief und innig das Leid ihrer Glaubensgenossen, die, wie z. B. in Rumänien und Rußland, die Opfer raffinirtester Rohheiten und Gehässigkeiten sind, sie erachten sich, ihre Stellung und ihren Glauben so lange gefährdet, als noch irgendwo von Staatswegen ein Jude als solcher zurückgesetzt wird, sie sind um ihrer selbst willen verpflichtet,׳ mit allen gesetzlichen Mitteln die Lage ihrer bedrängten Glaubensgenossen zu mildern, wie sie denn auch selbst in den milderen Zonen ihrer Heimath auf sociale und sonstige Vorurtheile gegen Juden und Judenthum stoßen, deren Beseitigung ihnen am Herzen liegt. Diesen Wünschen im Gotteshause in geeigneter Weise Ausdruck zu verleihen, ist ein religiöser Drang, keine politische Verirrung. 2) Ein solches Gebet gibt der religiösen Einheit und Zusammengehörigkeit Israels besseren Ausdruck, als die bei der Verschiedenheit der Culturbedürfnisse doch nicht mehr beizubehaltende Gleichmäßigkeit in der Liturgie und im Ritual. 3) Es beweist aber auch, daß die Synode nicht nur negativ, sondern auch positiv wirksam auftreten will, und 4) räumt den in wahrhaft religiösem Geiste zum Besten der unterdrückten Glaubensgenossen wirksamen Vereinen, wie der Alliance Jsraslite, die gebührende Stellung im Gottesdienste ein. Dresden, den 10. Juli 1871. Heute, nach mehr als zwei Jahren, erachte ich es, gerad e! auch in Rücksicht auf die Alliance Jsraslite, für sehr wichtig, ׳ daß diesem Anträge Rechnung getragen werde.! Wohl kann jede Gemeinde ihr eigenes Gebet einschalten! Aber wie schön wäre ein gemeinsames neues, zeitgemäßes! Jekum purkan! Dresden. Emil Lehmann. Eorrejponäenz. Aus Hannover erhalten wir folgenden Aufruf, den! wir unsererseits mit unseren wärmsten Wünschen begleiten. ן Wenn Israels Lehrer sich Achtung erringen wollen, müssen j diese allerdings vor Allem ihre Lehrer achten: An alle unsere Collegen, die das jüdische Lehrerseminar in Hannover besucht, d. i. an die Schüler des Herrn Dr. Frensdorf. Am 7. November d. I. sind es 25 Jahre, daß die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover ins Leben trat und Hr. Di׳. Frensdorf zur Leitung derselben berufen wurde. Sie sind gewiß alle eins mit uns, wenn wir dem Jubilar, unserem allverehrten Lehrer unsere Gefühle der Verehrung, Anerkennung und Dankbarkeit durch ein schwaches Zeichen dadurch bethätigen, daß wir ihm an seinem Ehrentage ein Photographie-Album mit den Bildnissen aller seiner Schüler überreichen.; Senden Sie darum so schnell wie möglich, spätestens bis zum 15. October dem mitunterzeichneten Lehrer Sommer! in Verden gefälligst Ihre Photographie und einen Geldbeitrag; ad libitum zur Bestreitung des Albums rc. ein.! Ewaige Ueberschüsse sollen den jüdischen Lehrer-Wittwen-! und -Waisencassen übermittelt werden. I Im September 1873. j Cahn, Lehrer in Sarstedt. Eckmann, Lehrer in Nienburg.!Frankenstein, Lehrer in Dannenberg. Philipp, Lehrer in Lüneburg. Sommer, Lehrer in Verden. Aus Gberkieffen, im September. (Fortsetzung.) Und nun will der ״Jsraelite" gar die hessischen jüdischen Volks schullehrer in Schutz nehmen. In Hessen bestehen aber höchstens ein Dutzend Volksschulen und davon sind notorisch einige bereits nicht lebensfähig, andere auf den Aussterbeetat gesetzt. Und um dieser willen soll man dem Schulgesetz entgegen-