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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-24 · 39 (24.9.1873) · p. Seite 311

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
39 (24.9.1873)
Date
1873-09-24
Page
Seite 311 (sequence 7)
Language
German
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i Feuikketon. , j David Einhand. £ Erzählung von Eduard Kulke. | (Fortsetzung.) Drittes (Eapitef. In der That hatte Reb Perez Fleischmann den gemeinen Jungen, gegen den er bei der Nekrutirung mit so großer Hartherzigkeit gesprochen, von der Zeit an, da man in der Gasse von den glücklichen und guten Geschäften Davids zu 4 sprechen begann, mit anderen Augen anzusehen angefangen, t Wer eine erwachsene, heiratsfähige Tochter hat, dem ist in '! der Gasse nicht so leicht ein Jung gleichgültig, besonders wenn dieser auf eigenen Füßen steht. Und David stand nun auf eigenen Füßen. Neb Perez hatte nach und nach die Entdeckung gemacht, daß David Fintels im Grunde für seine Tochter keine schlechte Partie wäre. David war allerdings nur ein gemeiner Jung und der Sohn einer armen Oebstlerin, aber er ernährte sich gut, das sah man klar und es ließ sich voraussetzen, daß er auch Weib und Kind zu ernähren im [ Stande sein werde. Anderseits durste David keine allzu großen t Ansprüche machen und dieser Umstand fiel bei Reb Perez * stark in die Wagschale zu Gunsten des jungen Mannes, denn der stolze Gemeinderaths-Beisitzer war in dieser Beziehung aufrichtig genug gegen sich selbst, sich zu sagen, daß er allzu große Ansprüche auch nicht befriedigen könnte. David Finkels aber mußte es sich immerhin zu einer großen Ehre anrechnen, der Eidam von Reb Perez Fleischmann zu werden. Reb Perez besprach den Gegenstand mit seinem Weibe. Der Stolz des Weibes bäumte sich freilich gegen den demüthigenden Vorschlag; indessen wußte der Mann, der sich aufs Rechnen so gut verstand, dem hartnäckigen Weibe die Sache bald in einein Lichte darzustellen, in welchem sie sich nicht so ganz unannehmbar darstellte. Freilich hatte sie noch immer den Einwand übrig, sie wolle es nicht, daß inan in der Gasse sage, sie könne ihrer Tochter nicht viel als Mitgift nachgeben, sonst hätte sie den Sohn der Oebstlerin nicht zum Eidam eingesetzt; aber auch gegen diese Einwendung hatte der redegewandte Neb Perez sogleich das beschwichtigende Mittel zur Hand, man brauche das in der Gasse gar nicht zu erfahren, wie viel sie der Tochter zur Mitgift geben. Man könne ja immerhin mehr versprechen, als man hält. Und wenn sie dem Jungen auch Tausend Gulden zusagen, so werde derselbe, wenn es einmal zur Hochzeit kommt, die Partie mit einem Manne wie Neb Perez Fleischmann nicht zurückgehen lassen, wenn man ihm die versprochene Mitgift auch nicht haarklein aufgezählt auf den Tisch niederlegt. Im ärgsten Falle könne man ihn damit beruhigen, daß man ihm das Geld schuldig bleibe. Auf jeden Fall komme da die Tochter unter die Haube, bekomme einen Jungen, der sie hoch in Ehren halten wird, der sich glücklich schätzen wird, in eine so noble Familie hinein zu heiraten, was ihm gewiß nicht bei. der Wiege vorgesungen worden sei und der — was doch immer die Hauptfache bleibt — im Stande ist, sich zu ernähren. Das Weib wurde den Auseinandersetzungen des Mannes allmälhig zugänglicher. Ihr anfänglicher Widerstand hatte sich an der Kraft und Schärfe seiner Redegewandtheit gebrochen, und da sie nun auf seine Pläne einzugehen geneigt schien, sprach Reb Perez Fleischmann mit dem ״Schadchen", und dieser sprach mit David. ״Was Du thun willst, mußt Du aber rasch thun", hatte Reb Perez zu dem ״Schadchen" gesagt, nachdem er ihm die Ausführung des Geschäftes übertragen hatte, ״denn Du mußt wissen, daß ich nicht allein an den Jungen denk, ich Hab An- Zeichen, daß man auch von anderer Seit auf ihn speculirt." ״Laßt Du mich nur machen", hatte der Schadchen geantwortet, ״wer mir zuvorkommen will, der muß zeitlich vor Tag aufstehn. David kommt vor Freitag nicht heim vom Dorf. Heut aber ist erst Dienstag. Nun, ich geb Dir mein Wort daraus, ich werd mit David früher Zusammenkommen, wie Reb Joine. Weiß ich denn nicht, wo David auf dem Dorf zu finden ist?" ״Hör zu, Bruder-Leben", meinte Reb Perez, ״wenn Du ihm auf das Dorf hinaus nachlaufen thust, wird er sich rar machen und wird sich spreizen!" ״Narr was Du bist", sagte der Schadchen lächelnd im Gefühle seiner Ueberlegenheit, ״werd ich denn mit der Thür in das Haus hineinfallen? Für was bin ich denn ein״Schadchen"? Werd ich ihm denn sagen, daß ich ihm Nachlauf? Ich werd mich im Gegentheil ganz überrascht stellen, ihn auf dem Dorf draußen zu finden, und werd thun, als wie wenn ich gar nicht wüßt, in was für ein Dorf er geht." ״So ist es recht", sagte Reb Perez. ״Nun, was denn? Kopf muß man haben", erwiderte der Schadchen und hiermit war die Sache ihm anvertraut. Der Schadchen ging richtig hinaus in das Dorf, wie er es Reb Perezen versprochen hatte, und er brauchte David nicht lange zu suchen. ״David!" ries der Schadchen ganz überrascht, als er ihn von ferne erblickte, ״wie kommst Du da her?" ״Was heißt, wie ich da her komm?" gab David zur Antwort, ״das ist ja mein Dorf!" ״Dein Dorf ist das?" fragte der Schadchen, der inzwischen an ihn herangekommen war, ״da kann man sehen, was ich für ein Gedächtnis; Hab! Soll ich gesund sein, wenn mich Jemand auf Dein Dorf gefragt hätt, ich hätt ihm jedes andere Dorf früher genannt, als dieses da!" (Fortsetzung folgt.)

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