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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-24 · 39 (24.9.1873) · p. Seite 310

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
39 (24.9.1873)
Date
1873-09-24
Page
Seite 310 (sequence 6)
Language
German
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310 in Persien überreichte, durch den Großvezier zu wissen gethan, es sei schon seine Absicht gewesen, 15 auserlesene jüdische Knaben in den höheren Schulen Europas erziehen zu lassen, damit sie später im Stande seien, hohe Posten in seiner Regierung zu bekleiden. 158. Warschau, 2. Sept. Einem deutschen Jsraeliten wurde von der russischen Regierung kürzlich die Verlängerung seines Passes für Petersburg verweigert. Die ״N. Pr. Ztg." sucht dieses auffällige Vorkommniß in folgender Weise zu erklären: ״Es steht fest, daß in Rußland gesetzlich der Aufenthalt den Juden nur in bestimmten Provinzen (zu welchen das Gouvernement und das Stadtgebiet von Petersburg nicht gehören) gestattet ist und eine Einwanderung fremder Juden gar nicht erlaubt wird. Es sind nur ganz bestimmtee Verhältnisse (z. B. die Erlangung gelehrter Grade), unter welchen den Juden der Aufenthalt auch in anderen Prnvinzen, als den ihnen gewöhnlich erschlossenen, gestattet ist. Für alle anderen Juden ist der Aufenthalt in solchen Provinzen, wo Juden gesetzlich nicht dauernden Wohnsitz haben dürfen, nur auf Grund einer besonderen Erlaubniß möglich. Einheimische und auswärtige Juden, die sich eine solche Erlaubniß ausgewirkt, wissen daher, daß selbige ihnen nur auf bestimmte Zeit ertheilt ward; ist die Zeit abgelaufen, kann die Erlaubniß erneuert, aber auch nicht emeuert werden ■— je nach den Umständen. Bei dem betreffenden Israeliten aus dem Auslande hielt man es vermuthlich nicht für opportun, die Vergünstigung einer Erlaubniß zum Aufenthalt in Petersbürg zu prolongiren." 159. Die israelitischen Zustände in Rom fahren fort trostlos zu sein. Was 18 Jahrhunderte des Unglücks und der unduldsamsten Verfolgung nicht vermocht, hat ein einziger Tag der Freiheit vollbracht: von dem Augenblicke an, wo mit dem Fall der Papstherrschaft die Ketten fielen, welche die römischen Israeliten an einander fesselten, d. h. sobald der Zwang der Beitragspflicht zu den Cultbedürfnissen aufhörte, fiel die Gemeinde in sich zusammen: kein Rabbiner, kein Vorsänger, kein Gemeindevorsteher, kein Secretär — nichts mehr; Synagoge und Schule leiden natürlich sehr unter solchen Zuständen. Die Israeliten zu Rom, in der großen Mehrzahl Orthodoxe, lassen, um die paar Thaler ihrer bisherigen Beiträge zu ersparen, ihren ganzen religiösen Verband zu Grunde gehen! Dasselbe erlebte man nach der ersten Revolution von 1789 in Frankreich, und wir fürchten sehr, man würde Aehnliches, wenn auch nicht in solchem Grade, bei uns erfahren, wenn der Staat seine schützende und ordnende Hand den religiösen Gemeindeverbänden entzöge. — Es geschehen, besonders durch Hrn. Alatri, Schritte zur Befferung dieser heillosen Zustände. 160. Bei der neulichen Ministerkrisis in Italien wurde das Portefeuille des Finanzministeriums einem Juden, Herrn Maurogonato, angeboten und der König gab fich persönlich viele Mühe, ihn zu dessen Annahme zu bewegen. Familien- Verhältnisse — vielleicht auch die Einsicht, in die heillosen Finanzustände der Halbinsel doch keine Ordnung bringen zu können — veranlaßten die Ablehnung. 161. Nach dem ״Arch. israsl." find unsere Glaubensgenossen in Frankreich nicht ohne Besorgniß über eine von den Legitimisten und Ultramontanen als nahe bevorstehend angesehene Wiederherstellung des bourbon'schen Königthums, womit dann eine Rückkehr der Intoleranz nur allzu wahrscheinlich wäre. Sie trösten sich damit, daß es ״von Kelches Rand bis zur Lippe noch weit" wäre und Frankreich selbst auch noch ein Wort dabei mitzusprechen hätte. — Leider! sind die Ereignisse in diesem Lande unberechenbar und der Einfluß und die Macht der Ultramontanen dort immer noch im Steigen. 162. Aus Galatz und Verlad (Rumänien) berichtet man über die Rückkehr mehrerer israelitischer Familien, die nach Amerika ausgewandert waren, die sich zu Hause mit einem kleinen Capital oder als Handwerker mühsam aber redlich ernährten, in New-Dork aber der Gefahr des Hungertodes ausgesetzt waren, und daselbst weder Beistand und Unterstützung, noch Arbeit fanden. Im traurigsten Zustande kamen sie in die alte Heimath zurück. — Wir sagten es immer: die Auswanderung unserer Glaubensgenossen, selbst aus den Gegenden, wo sie am gedrücktesten sind, ist nur jüngeren Leuten, nur solchen, die arbeiten können und wollen und die einige (eigne oder fremde) Mittel für ihre erste Niederlassung besitzen, anzurathen. Jede Auswanderung ganzer Familien, älterer, an ihrer bisherigen Lebens- und Ernährungsweise gewöhnter und gar noch mittelloser Leute wird und kann nur zum Verderben führen. Selbst große Geldmittel allein könnten nicht ausreichen, um solchen auswandernden Glaubensgenossen zu helfen. Sucht ihnen Arbeit und Schulen zu geben und seid bemüht, sie vor der Willkür eines fanatischen und habsüchtigen Beamtenthums zu schützen — das ist's, worauf Private'und Vereine hinzuwirken bemüht sein müssen. 163. In Paris tagt soeben ein internationaler Congreß der Orientalisten. Die Betheiligung der Franzosen selbst ist eine geringe — Wissenschaft und gründliche Forschung stehen dort eben nicht sehr in Gunst —, wogegen unsere Glaubensgenoffen reichlich und gut dabei vertreten sind. Man nennt als Mitglieder: Hallevi, Oppert, Weil (von Wien), Fürst. 164. Unter den 39 Mitgliedern des Stadtraths zu Amsterdam befinden sich sieben Israeliten. (Nach den ״Arch. isr.")

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