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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-24 · 39 (24.9.1873) · p. Seite 308

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
39 (24.9.1873)
Date
1873-09-24
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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008 richtung einer Schule. Rustschuck ist eine wichtige Stadt am rechten Donauufer, Hauptstadt der Provinz mit bedeutendem Handel und wohlhabender Bevölkerung. Es bestehen dort sechs Talmud-Thora-Schulen, von 200 Schülern besucht; aber diese Schulen lassen sehr viel zu wünschen übrig, es wird nur ein wenig hebräisch darin gelehrt. Man erstrebt ihre Vereinigung mit der Schule der Allianz, die jetzt 80 Schüler zählt, deren Räume aber sehr beschränkt sind. Die Errichtung einer Mädchenschule wird von den Müttern sehr gewünscht und eifrig betrieben. — Zu Salonich wollte man 150 Zöglinge aufnehmen und es haben sich 350 gemeldet. — Die Eröffnung der Schule zu Smyrna wurde verzögert, weil man in der Zeit zwischen den Fasten in Tamus und Ab die Einweihung nicht vornehmen wollte. — In Tetuan sind 53 Schüler am Fieber erkrankt. — In Tanger hat man nur 8000 Fr. für ein neues Schulgebäude collectiren können, während 20,000 Fr. nöthig wären. Der Centralausschuß beschließt, der zahlreichen und wohlhabenden Gemeinde keinen Beitrag zu gewähren. 4) Vergangenes Jahr wurde ein israelitischer Hausirer, Jechije Harre, im türkischen Dorfe Zake, drei Stunden von Damaskus, ermordet; im vergangenen Juni erlitten der Bruder und Schwager dieses Opfers dasselbe Schicksal, sie wurden ermordet, ausgeplündert und ihre Leichen in eine Höhle geworfen, wo ihre Ueberreste von Israeliten aus Damaskus, welche die Vermißten aufsuchten, gesunden wurden. Eine Anzeige, von Zeugen des Vorgangs unterstützt, blieb bei der Ortsbehörde ohne allen Erfolg. Da nun die meisten eingeborenen Juden einzig und allein vom Hausirhandel leben und so der Raub- und Habsucht ihrer Feinde schutzlos preisgegeben sind, bittet man die Allianz um Hilfe und Vermittlung bei den Oberbehörden in Damaskus. — Es wird Mittheilung hiervon an den Ausschuß zu Constantinopel beschlossen. 5) Aus Persien treffen fortwährend Nachrichten ein über den Zustand des Elends und der Bedrückung, in welchem sich die dortigen Juden befinden: Während der Hungersnoth mußte in der Stadt Mesched, auf Befehl des Gouverneurs, jeder Reiche eine Straße (?) ernähren. Elieser Schalom, wegen seines Reichthums vom Gouverneur beneidet, sollte außerdem noch sein eigenes Stadtviertel unterhalten. Da er aber, selbst mit Geld, nicht die nöthigen Lebensmittel herbeischaffen konnte, wurde er seines ganzen Vermögens beraubt, sein Haus geplündert und zerstört und zwei seiner Kinder getödtet; er selbst rettete sich unter Lebensgefahr. Der Schah bewilligte ihm zwar später eine Vergütung, aber unzulänglich, und Herr Hirsch von Constantinopel bittet, dem Unglücklichen zu Hilfe zu kommen. — Die Prüfung des Gesuchs wird auf die nächste Sitzung verschoben. 6) Auch aus Marocco kommen betrübende Nachrichten. Salomon Obadja, dessen trauriges Schicksal wir mitgetheilt, ist zwar aus dem Gefängniß entlassen worden, aber Verfolgungsmaßregeln wurden gegen die Juden in Marocco, Saffi und Mazagan getroffen. Man verbietet ihnen, sich europäisch zu kleiden und mit Fußbekleidung, Pantoffeln, in den muselmännischen Stadtvierteln zu erscheinen. Zu Fez wurde zwei jüdischen Kaufleuten aus Algier, obgleich französische Unterthanen, befohlen, ihre europäische Kleidung abzulegen; sie mußten sich, unter Lebensgefahr und barfuß, flüchten. In derselben Stadt wurde einem kranken Juden vom Arzt ein Dampfbad verordnet. Solche Anstalten bestehen im Judenviertel nicht und es ist ihre Errichtung sogar durch die Be- Hörde verboten. Nach demüthiger Anfrage bei dem Aufseher der muselmännischen Bade-Anstalt wurde dem kranken Juden nebst zweien Glaubensgenossen, die ihn führten, der Eingang gestattet. Sogleich versammelte sich eine wüthende Volksmenge, die Juden werden umringt, von Soldaten gefesselt durch die Straßen geschleppt, und mit Stöcken, Hämmern, Dolchen, Steinen (die man von flachen Dächern herab auf sie warf) derart mißhandelt, daß sie mit Wunden bedeckt (einer mit dem Verlust eines Auges) vor dem Gouverneur ankamen, der ihnen — fünfhundert Stockschläge aufzählen und sie dann ins Gefängniß werfen ließ. Man wartet nur auf die Bestätigung des Sultans, um ihnen die Köpfe abschlagen zu lassen. — Der Centralausschuß, sowie der des englischen Zweigpexeins, hat für die Unglücklichen bereits Schritte bei den europäischen Consuln gethan. Eorresponäenz. Aus Merkeffen, im September. Sie, Herr Redacteur, wollen grundsätzlich den Mainzer ״Israelit" nicht lesen. In meiner Gemeinde wird er gehalten und so muß ich ihn, wohl oder übel, Zuweilen sogar vor lesen. Gestatten Sie mir darum in Ihrer geschätzten Zeitschrift eine objective Kritik eines Artikels aus Nr. 34 genannten Blattes, die ich für äußerst wichtig halte, um die hessische Judenheit vor dem Verdachte, daß wir mit den Feinden unserer liberalen Regierung und des Reiches gemeinschaftliche Sache machten, zu reinigen. Eine solche Gefahr kann nicht unterschätzt werden und sie allein drückt mir die Feder in die Hand. Jener Artikel ist überschrieben: ״Einige Bemerkungen zu dem Gesetzentwurf, das Volksschulwesen im Großherzogthum Heffen betreffend"*), und *) Die ״Jsr. Wochenschr." urtheilt mit Recht, daß zwischen diesem Artikel und den jüdischen Unterschriften unter der Petition der Ultramontanen ein Zusammenhang wäre. Es war ein vorausgesendeter Fühler, der das Dementi, worüber wir am Schluffe dieses Artikels sprechen, im Voraus — dementirte. Redactton.

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